Spedition Bode: Ein Mann sieht Rot

Der Henschel wurde restauriert. Ansonsten setzt Bode au MAN TGX und Volvo FH
© Foto: Frank Hausmann

Die Spedition Bode fällt vor allem durch ihre Hausfarbe auf - aber auch sonst agiert man in vielen Dingen anders als andere. Ein Besuch in Schleswig-Holstein klärt, was die Firma ausmacht.


Datum:
15.06.2015
Autor:
Gregor Soller

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Bei der Bestellung der neuen Kühlmaschinen sah Kai Bode erst mal rot - und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Rot? Wirklich Rot? Bei Thermoking fragte man mehrmals nach, ob man den Farbwunsch richtig verstanden hatte. Man hatte! Kai Bode ordert seine Züge komplett in der Knallfarbe, inklusive der Kühlmaschinen. Wie kam es dazu? Bode wollte "grüner" werden. Strengere CO2-Gesetzgebungen und vermehrte Anfragen der Kunden nach CO2-Bilanzen veranlassten ihn, den Huckepack-Verkehr genauer zu untersuchen. Und aus einzelnen bahnverladbaren Trailern wurden im Laufe der Jahre Ganzzüge. Der Bahntransport hatte einen Nachteil: Durch den Abrieb der Zugbremsen und der Oberleitung erhielten die strahlend weißen Bode-Trailer im Laufe der Zeit einen unansehnlichen rostbraunen Schleier. Das hat sich bis heute prinzipbedingt nicht geändert. Darum stellte Bode das firmeneigene Weiß mit roten Lettern auf Rot mit weißen Schriftzügen um.

Tatsächlich sieht man den Braunschleier auf Rot viel weniger, und plötzlich wurde Bode viel öfter auf seine Flotte angesprochen. "Heute kann ich sagen, dass die Farbumstellung eine der besten Ideen waren, die wir je hatten", resümiert der Chef, der größten Wert auf eine durchgängige CI legt. Mittlerweile laufen 80 Lkw und rund 400 Trailer im Bode-Fuhrpark - noch nicht alle in Rot, aber so grün wie möglich: "Alles, was wir mit der Bahn machen können, stellen wir auf den Zug", erklärt Bode seine Strategie, mit der er mittlerweile Skandinavien mit Italien verbindet. Ein "Rundlauf-Klassiker" funktioniert so: Lebensmittel gehen von Deutschland nach Finnland oder Schweden, wo Papier für Italien geladen wird. Und von dort geht es nicht selten mit Pasta beladen wieder zurück.

WER DIE FAHRZEIT NICHT BEACHTET, BEKOMMT SIGHTSEEING-TIPPS

Rundläufe dieser Art sind ein Erfolgsgeheimnis Bodes, wie man bei Disponent Paul Papenfuß mitbekommt. Ein weiteres sind zuverlässige Kunden. "Über die Jahre kennt man seine Pappenheimer. Wenn da um den letzten Cent gefeilscht wird und Zahlungsziele von 100 Tagen ausgegeben werden, haben wir schon Ärger, bevor unser Auto überhaupt vom Hof gerollt ist", spricht Papenfuß aus Erfahrung. Als er vor zehn Jahren bei Bode begann, bestand die gesamte Dispo aus vier Kollegen, jetzt managen insgesamt 25 Personen, aufgeteilt nach unterschiedlichen Bereichen an allen Standorten die komplette Flotte. Dabei wird penibel auf Lenk- und Ruhezeiten geachtet. Papenfuß hält alle Fahrer an, von sich aus zu melden, falls ihnen die Fahrzeit ausgeht. Dann versucht er, Touren umzustellen oder nach Möglichkeit zu schieben. Gibt man nicht rechtzeitig Bescheid, bleibt der Disponent hart - und der Kollege draußen: "Der Englische Garten in München ist immer einen Ausflug wert" oder "In Stuttgart scheint am Wochenende die Sonne, Zeit für den Schlosspark", rät Papenfuß dann. In der Regel bekommt er aber immer alle Züge rechtzeitig wieder in die Heimat nahe der Trave.

Eine Ausnahme ist eine Truppe von neun Schweden-Fahrern: Die bleiben jedes zweite Wochenende draußen und kehren am Donnerstag zurück, um in ihr viertägiges Wochenende zu starten. Keiner von ihnen würde zurück wollen: Sie schätzen den vergleichsweise entspannten Verkehr in Skandinavien und ihre langen Wochenenden, an denen sie den kompletten Freitag für ihre Besorgungen haben. Ebenfalls angenehm: Die Kollegen müssen nur ihre Kabinen reinigen, dann können sie den Lkw abstellen und nach Hause gehen.

Hört sich alles Bestens an, weshalb wir spontan einige Fahrer fragen, wie ihnen ihr Job in den roten Rennern gefällt. Gerade fährt Holger Schneuer auf den Hof, der seit 25 Jahren für Bode unterwegs ist, 20 Jahre davon im Fernverkehr. Er wechselte in den "Regionalverkehr". Heißt, er pendelt nur noch zwischen Reinfeld, Lübeck, den Häfen und Bahnhöfen hin und her, um dort Trailer zu holen oder bereitzustellen. "Das macht immer noch Spaß", erklärt der alte Hase, als er seinen noch weißen MAN startet. Die einstigen Fernverkehrsautos verdienen ihr Gnadenbrot noch einige Jahre im Nahverkehr, bevor sie - meist als Kilometermillionäre - entlassen werden. Anschließend rollt Horst Hindel auf den Hof. Er ist seit vier Jahren bei Bode und wechselte von einem Subunternehmer, bei dem er bereits zwei Jahre Bode-Trailer zog. Mit dem neuen Volvo FH ist er hochzufrieden, auch weil Bode die Aufpreisliste mit vielen Kreuzen versehen hat. Außerdem schätzt er, dass immer wieder Weiterbildungen und Schulungen angeboten und bezahlt werden.

"Man muss die Fahrer behandeln wie Kunden", ist ein Leitspruch Bodes. Mit den gut ausgestatteten Lkw will er seinen Fahrern ein "Werkzeug" bieten, auf das sie stolz sein können. Außerdem testete er verschiedene Motorisierungen, bei denen sich die stärkeren oft als die sparsameren erwiesen. Zumal Bode in Schweden mit Dreiachs-Zugmaschinen und hohen Gewichten operiert. "Im Schnitt liegen wir auf all unseren Strecken im Mittel zwischen 26 und 29 Liter", erklärt er. Und er weiß, dass er sich auf seine Truppe verlassen kann. Als vor ein paar Jahren einmal in Finnland gestreikt wurde, hatten wir fast alle Züge oben und die Jungs haben reingeknüppelt, was das Zeug hielt", erinnert sich Bode noch heute mit Stolz. "So konnten wir die Engpässe unserer Kunden praktisch ausgleichen." Fahrer Axel Glüder fährt wie Schneuer regional, hat aber einen etwas größeren Radius: Neben den "Trailer-Taxidiensten" fährt er ganz Norddeutschland ab.

WARUM EINE AUFKLEBERSAMMLUNG KONTROLLEN STARK BESCHLEUNIGT

Kein Stress gibt es mit Service und Reparaturen: Alle Bode-Lkw laufen mittlerweile mit Full-Service-Verträgen. Trotzdem gibt es in der Reinfeldener Bode-Werkstatt immer Arbeit: Dort sorgen unter anderem Michael Woeltje und Manfred Ketzel für Ordnung und steuern die Reparaturen: Durch die rauen Einsätze zu Wasser, zu Lande und in der Luft (wenn die Trailer gekrant werden), fallen bei den Aufliegern immer wieder Kleinreparaturen an. Meist handelt es sich um typische Anfahrschäden, die Bodes Werkstatt wieder "geradebiegt". Fallen die mit einem bevorstehenden HU- und/oder SP-Termin zusammen, veranlasst Woeltje, dass das gleich mit erledigt wird, um die Standzeiten zu reduzieren: "Im Idealfall sehen wir jeden Trailer nur einmal im Jahr in der Werkstatt." Außerdem werden dort die Terminalschlepper gewartet und repariert, die Bode aktuell von zwei auf vier aufstockt: Da Bode viel mehr Trailer als Lkw hat, sparen die Terminalschlepper Zeit beim Umstellen und den Kollegen das Gekurbel der Stützbeine.

Hinter der Werkstatt liegen die Portalwaschanlage und drei Tanks mit Diesel und AdBlue. Noch unter freiem Himmel, aber Bode überlegt, das Ganze einzuhausen. Samstag ist laut Woeltje "regulärer Arbeitstag" - allerdings nicht für die Fahrer, sondern für das Reinigungs- und Servicepersonal. Dann werden auch sämtliche Reifen kontrolliert oder umgesteckt (Bode fährt in der kalten Jahreszeit mit echten Winterreifen auf der Antriebsachse) und noch nicht gewaschene Fahrzeuge gereinigt: "Sonntags geht uns kein Auto ungewaschen vom Hof", beharrt Ketzel.

Wie hoch Bode die Messlatte an sich selbst legt, zeigt auch die eigene Beschriftungsabteilung, die täglich neun Stunden besetzt ist: Hier plottet die Firma ihre Schriftzüge und alle Aufkleber aus, die in der Rückwandtür Auskunft über sämtliche Zertifikate, die richtige Lasi und den Fahrzeugschein des Trailers geben. "Das beschleunigt Kontrollen in der Regel erheblich", erklärt Woeltje die Aufklebersammlung am Heckportal. Außerdem hält Bode eine eigene Kleiderkammer vor, deren Hauptfarbe natürlich Rot ist - was auch sonst?

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