Truck Challenge 2017: Kniffliger Zehnkampf

Bei der Fahrdynamikübung kam es auf die Reifen ebenso wie das "Popometer" der Fahrer an
© Foto: Erwin Fleischmann

30 Fahrer, zehn Disziplinen: Die Truck(er)- Challenge, unterstützt von Continental, dem ADAC sowie Pema, kürte den besten Trucksportler und findet künftig alle zwei Jahre statt.


Datum:
20.06.2017
Autor:
Gerhard Gruenig

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Meisterschaften im Trucksport waren in den Achtzigern beliebte Wettbewerbe, als eine selbstbewusste Berufsgruppe im sportlichen Wettbewerb antrat, um den King hinterm Lenkrad zu finden. Irgendwann wurde es ruhig um die Berufskraftfahrer-Challenges. Doch ganz allmählich finden sich mehr und mehr Begeisterte, die diese Tradition wieder aufleben lassen. Der TRUCKER unterstützt diese Bemühungen durch die regelmäßige Veröffentlichung der Termine sowie der Ergebnisse auf unseren Online-Seiten.

Doch wir wollten mehr tun. Deshalb kam die Anfrage von Continental, ob wir nicht gemeinsam ins Thema einsteigen wollen, gerade recht. Als dann noch der ADAC seine Unterstützung bekundete, war die Sache klar: Wir machen eine Truck Challenge im Fahrsicherheitszentrum in Schlüsselfeld an der A 9. Fahrzeugvermieter Pema war ebenfalls angetan von der Idee und stellte uns spontan sechs flammneue Lkw von DAF, MAN, Renault und Volvo. Die Teilnehmer fanden's klasse, so hatte man mal Gelegenheit, sich die Produkte anderer Marken anzusehen.

VON WEIT ÜBER 100 BEWERBERN KAMEN NUR 30 IN DIE ENDAUSSCHEIDUNG

Vor dem Erfolg steht bekanntlich der Schweiß. Noch ehe es für die 30 Teilnehmer in die Übungen ging, musste ein Fragebogen im TRUCKER beantwortet werden. "Und der hatte es in sich", stöhnt Ralf Schmitz noch auf dem Veranstaltungsgelände. "Ihr habt euch da echt ein paar knifflige Fragen einfallen lassen, die man nicht mal googeln konnte." "Recht so", meinte TRUCKER-Mitarbeiterin Andrea Volz und verriet: "Nicht mal 30 Prozent der Bewerber haben tatsächlich alle Fragen richtig beantwortet."

Umso glücklicher der Teilnehmerkreis, der sich schließlich im ADAC Fahrsicherheitszentrum in Schlüsselfeld einfand. Ergänzt durch einige Unternehmer, die Continental eingeladen hatte, ging es am frühen Morgen an die erste von insgesamt zehn Aufgaben. Zum Standard gehört natürlich das Rangieren mit dem Sattelzug - am Vormittag über die Fahrerseite, am Nachmittag quasi umgedreht, über die Beifahrerseite. TRUCKER-Redakteur Gerhard Grünig meinte am Ende: "Beim nächsten Mal müssen die ADAC-Trainer und ich die Übung wohl schwieriger machen. Bei einigen Kandidaten sah das so mühelos aus, als würden sie einen Motorroller auf einem SUV-Parkplatz positionieren."

Aber eben nicht bei allen. ADAC-Trainingsleiter Andreas Beran beklagte am Ende ein paar Kollateralschäden an Pylonen und an der Grasnarbe, die mancher großzügig (aber verbotenerweise) zum Rangieren mitbenutzt hatte ...

Eine Übung hatte es besonders in sich: das Rangieren mit einem kleinen Wägelchen an der vorderen Kupplung, das von den Fahrern durch einen Slalomparcours zu steuern war. Weil dazu nur der vordere Rampenspiegel zur Verfügung stand, taten sich viele enorm schwer. Der Ideengeber zu dieser Übung hatte schon ein schlechtes Gewissen, weil es anfangs niemand schaffte. Doch plötzlich platzte der Knoten und immerhin sieben Teilnehmer bugsierten den Wagen souverän durch den Slalomkurs. Allerdings gab die Figur, die sie dabei machten, erheblichen Grund zur Heiterkeit. Mit dem Lenkrad zwischen den Knien, halb auf dem Armaturenbrett liegend und hoch konzentriert mit der Zunge zwischen den Zähnen schafften sie es, umzudenken. Denn Anhänger und Lenkrad arbeiteten bei dieser Übung stets gegensinnig ...

Bei den weiteren Aufgaben galt es, einen Zwölftonner zielgenau einzuparken, die Dimensionen eines 6x2 mit mächtigem Kranaufbau einzuschätzen, eine Kreisbahn exakt einmal mit dem Vor- und einmal mit dem Hinterrad abzufahren und sich als Gruppe beim Thema Ladungssicherung zu bewähren. Dazu hatte Krone den von diversen Messen bekannten Lasi-Trailer mitgebracht. ADAC-Trainer Robert Fischer baute die perfekte Ladungssicherung vor jeder Übung zurück und bat die Teilnehmer anschließend um ihre - möglichst optimale - Lösung. "Die Ergebnisse waren durchwachsen", meint Fischer im Nachhinein. "Von den 200 zu vergebenden Punkten haben manche Gruppen gerade mal gut die Hälfte erreicht. Ich hab' beim Erklären der Übung demonstrativ immer wieder die Berechnungsdisc hochgehalten. Genutzt hat sie kaum eine Gruppe. Die Jungs machen das wohl eher intuitiv - was nicht immer passt ..."

GUTE REIFEN ENTSCHEIDEN AM ENDE, OB MAN STEHT ODER GAR TOT IST

Eine Aufgabe mit Aha-Effekt war die Gefahrenbremsung aus 50 km/h. Um es nicht zu einfach zu machen, waren auf der DAF-Zugmaschine erst Sommer- und dann Winterreifen montiert und natürlich wurde der Test auf Rutschbelag gefahren. Was ein guter Winterreifen ausmacht, das zeigte das Auswertungsergebnis beider Durchgänge. Während mit Sommerreifen nur drei Mann rechtzeitig zum Stehen kamen und viele mit erheblicher Differenzgeschwindigkeit ins Wasserhindernis "krachten", kamen mit reibungsoptimierten Winterreifen fast dreimal so viele rechtzeitig vor dem Hindernis zu stehen. In den anderen Fällen lag die "Aufprallgeschwindigkeit" erheblich niedriger.

Am Ende eines anstrengenden und ereignisreichen Tages erreichten immerhin drei Teilnehmer über 800 von möglichen 1100 Punkten. Mit 806 Zählern landete Joe Lindemeier auf Platz drei der Continental Truck Challenge. Platz zwei sicherte sich Tobias Torsten mit 822 Punkten. Und ganz oben auf dem Siegertreppchen stand Ricky Bornhorst. Er verbuchte 838 Zähler. Und wem der Name bekannt vorkommt: Ricky ist Vizeweltmeister im Trucksport. So leicht können die Übungen also doch nicht gewesen sein.

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