TRUCKER Fahrertag: Ein Tag nur für Euch!

Zahlreich strömten die Gäste zur Registrierung für die Testfahrten
© Foto: Gerhard Grünig

Am 17. Oktober veranstaltete der TRUCKER den ersten Berufskraftfahrer-Tag mit PEMA. Rund 250 Gäste kamen nach Herzberg in den Harz.


Datum:
13.11.2015
Autor:
Jan Burgdorf

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Mit strahlenden Augen wandert Jason übers PEMA-Gelände in Herzberg. DAF, Iveco, MAN, Mercedes, Renault, Scania und Volvo. Alle sieben Hersteller waren beim Fahrertag des TRUCKER vertreten und stellten ihre aktuellen Modelle für Testfahrten zur Verfügung. Nicht nur für den Siebenjährigen ein Festtag. Jedes Modell wird von ihm gründlich unter die Lupe genommen, die Werksfahrer mit Fragen gelöchert. Ans Steuer darf der Nachwuchsfahrer zu seinem Bedauern noch nicht, dafür hat er extra seinen Onkel Sven mitgebracht.

Der fährt im Alltag einen MAN TGX und nahm gerne die Gelegenheit wahr, einmal alle Laster-Modelle im Vergleich fahren zu können. Welche Marke am Ende Jasons Favorit war, daraus machte der Kleine kein Geheimnis: ganz klar der Scania, selbstredend mit 730-PS-V8 und Topline-Kabine, den die Schweden neben einem R 450 Highline in Herzberg auffuhren.

NICHT NUR DER VOLVO KAM GUT BEI DEN FAHRERN AN

Seinem Onkel gefiel dagegen vor allem die andere Marke aus Skandinavien. "Beim FH hat Volvo einen tollen Job gemacht. Fahrwerk, Getriebe und Innenraum gefallen mir sehr gut", erklärt Sven. Der Volvo sammelte auch bei Wilfried Pfaff Pluspunkte. "Ich bin vor vielen Jahren mal einen FH gefahren," berichtet der 56-Jährige, der aktuell mit einem MAN-TGX-Tankzug für den Mineralölkonzern Gulf Tankstellen mit Sprit versorgt.

Damals war Wilfried von Volvo nicht unbedingt begeistert, an den aktuellen FH könnte er sich aber ohne weiteres gewöhnen. Ebenso an den Mercedes Actros mit 625 PS und der großen Gigaspace-Kabine - oder den V8-Scania. Aber beide seien für den Tankzug-Einsatz leider zu schwer.

Beim Scania stört den langjährigen Lkw-Fahrer außerdem der obligatorische, aber eben umständliche Bettenbau nach Feierabend. "Das wollte ich nicht jeden Abend machen müssen. Der Scania ist zwar eine tolle Fahrmaschine, aber die Kabine ist für mich nicht die erste Wahl", so sein Fazit.

Auch sonst gab es beim Fahrertag für viele Teilnehmer Aha- Erlebnisse. Und das übrigens vorrangig dann, wenn sie von der Testrunde mit einem der beiden Iveco Stralis (480 PS Cursor 11 und 500 PS Cursor 13) zurückkehrten. "Ich hätte nie geglaubt, dass das Pizzablech so gut ist," berichtet Andy Geißler, Vater vom Bkf-Azubi Johannes Geißler. Andy ist lange selbst gefahren, arbeitet jetzt aber als Disponent. "Bei uns in der Firma lehnen fast alle Fahrer den Stralis kategorisch ab. Jetzt weiß ich, das sind alles nur Vorurteile."

Andy kam zusammen mit seinem 19-jährigen Sohn Johannes nach Herzberg, der als Bkf-Azubi kurz vor der Abschlussprüfung steht. Und Johannes nutzte das Event auch zur Prüfungsvorbereitung. "Bei solch einem Event lerne ich deutlich mehr als an jedem Berufsschultag."

OFFENE GESPRÄCHE MIT DEM BAG-BEAMTEN

Für knifflige Fragen zum Thema Ladungssicherheit standen unter anderem die Profis von Trailerhersteller Krone an ihrem Lasi-Auflieger parat. Und wo hat man schließlich sonst die Gelegenheit, einen BAG-Beamten in lockerer Atmosphäre zu Sozialvorschriften oder Digi-Tacho befragen zu können? Davon machten nicht nur Thomas Bätz und Thomas Wündrich Gebrauch. BAG-Mann Robert Noll gab gerne Antwort und Tipps.

Zusätzlich hielt der Kontrolleur im Straßenkontrolldienst des hessischen BAG mehrere interessante Vorträge, wie man beispielsweise beim Digitacho richtig einen Nachtrag macht und wie wichtig es ist, das jeweilige Start- und Endland einzutragen. "Viele Fahrer vergessen das und wundern sich dann, wenn sie in einer Kontrolle hohe Bußgelder bezahlen, weil die Angaben für jeden Tag der Woche fehlen und jeder fehlende Eintrag für sich mit einem Bußgeld belegt wird!", so Noll. Klar, dass es anschließend zu einigen angeregten Diskussionen kam ...

Ablenkung vom Lkw-Alltag ließ sich alternativ per Formel-1-Simulator schaffen, in dem man erstaunlich realistisch auf den Spuren von Sebastian Vettel oder Nico Rosberg die Grand-Prix-Strecken der Welt abfahren konnte - beliebt vor allem bei den jüngeren Besuchern. Die kamen auch bei Timocom auf ihre Kosten. Hier ließ sich ein Blick in den riesigen Sleeper des Freightliner-US-Haubers werfen oder man tobte sich in Europas größtem mobilen Bällebad aus, das sich im Zweiachs-Auflieger befand.

Noch wichtiger: Hier gab es für die kleinsten Verkehrsteilnehmer wichtige Tipps für das richtige Verhalten im Straßenverkehr zu Fuß oder auf dem Fahrrad. Unter anderem war zu lernen, wie groß der tote Winkel beim Lkw ist und dass man sich aus diesem deshalb tunlichst fernhalten sollte, weil der Fahrer einen leicht übersieht.

MIT WARNWESTE BESSER GESEHEN WERDEN

Darüber hinaus empfahl sich für die Kinder noch ein Besuch am Stand der Aktion Unfall-Kinderhilfe. Hier verteilte der leibhaftige Rote Ritter kostenlos Sicherheitswesten, damit die Kleinen in der dunklen Jahreszeit besser gesehen werden.

Auf dem Weg lud Continental zu einem Dreh am Glücksrad samt kleinem Geschenk ein. Die Großen konnten sich in der Zeit im Laderaum eines umgebauten Sprinters über die neusten Reifen von Continental informieren.

Dann warteten schon wieder die Lastwagen für Probefahrten auf die Teilnehmer. Peter Wranik kam extra aus Georgsmarienhütte in den Südharz. Übrigens vor allem, um endlich mal den neuen Renault fahren zu können. "Das Design des T sticht aus der Menge heraus, das gefällt mir. Und fahren lässt er sich auch super," schwärmte Peter.

Kein Wunder, auch die Franzosen fuhren mit dem T 520 Maxi Space ihr Topmodell auf. Dessen Sitzecke samt Klapptisch mit integriertem Geschirr und Weingläsern kamen bei den Fahrern gut an. Weitaus wichtiger war Peter allerdings, dass er mit seinen 1,95 Metern im T eine bequeme und ergonomische Sitzposition fand. "In dem Punkt sind die Verhältnisse in meinem Iveco Stralis nämlich äußerst bescheiden," berichtet er. Zusätzlich zum Fernverkehrs-T brachten die Renault-Leute auch ihren neuen K mit nach Herzberg. Für viele die erste Gelegenheit, auch mal mit einem Kipper unterwegs zu sein. Zumal der 6x4 voll beladen war und sich auf den Straßen des Südharzes kräftig anstrengen musste.

ASSISTENZSYSTEME ZUM AUSPROBIEREN

"Schon erstaunlich, wie komfortabel sich heutzutage sogar Kipper fahren lassen", schilderte Horst Welecky aus Osterode am Harz seine Eindrücke nach dem Trip im K. "Auch die automatisierte Schaltung arbeitet sehr durchdacht und ist eine echte Erleichterung im Nahverkehr."

Einen GPS-Tempomaten hat Renault noch nicht im Programm. Der ließ sich dafür beispielsweise bei Mercedes ausprobieren. Für viele das erste Kennenlernen mit diesem noch jungen Assistenten, der die topografischen Gegebenheiten fast jeder Straße kennt und entsprechend intelligent die Gaszufuhr regelt. So werden Steigungen effizient erklommen und Rollphasen möglichst lange genutzt.

Auf großes Interesse stieß auch der gelbe Safety-Truck, den Mercedes neben dem 1863 mitgebracht hatte. Im Actros 1851 waren alle zur Zeit lieferbaren elektronischen Helfer verbaut. Wobei glücklicherweise niemand den Notbrems- Assistenten während der Testfahrten ausprobieren musste. Über dieses Feature verfügte auch der erst kürzlich neu vorgestellte DAF XF. Vorrangig zeigte Werksfahrer Jürgen Rosenbaum den Testern aber die neuen Funktionen des Bordcomputers, insbesondere das neue Fahrerbewertungsmodul "Driver-Performance-Assistant".

"Obwohl der DAF ja eigentlich eine alte Kiste ist, ist er einfach ein Fahrerauto! Die Super-Space- Kabine ist riesig, das breite Bett verdient seinen Namen und den Chef kommt die Anschaffung des XF nicht zu teuer," lobte Ronald Ehm den Niederländer.

EINFACH EIN PERFEKTER TAG FÜR LKW-FAHRER!

Und Ronald ist jemand, der es wissen muss. Schließlich ist der 57-Jährige unzählige Fabrikate in seiner Fahrer-Karriere gefahren, die in der ehemaligen DDR mit einem IFA H6 begann. Von dem hat Ronald übrigens noch heute stets Fotos in seiner Brieftasche parat.

Doch auch an den TRUCKER-Fahrertag will er sich gerne erinnern. "Einfach ein perfekter Tag, eben ein Tag für uns. Das müsste es öfter geben!" Wird es geben, versichert Chefredakteur Gerhard Grünig. Schließlich haben wir bereits mit den Planungen fürs nächste Jahr begonnen!

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