Trucking in Südafrika: Am Kap der Guten Hoffnung

Der speziell für Südafrika und die Nachbarländer ausgelegte Actros auf einer Demonstrationsfahrt
© Foto: Gerlach Fronemann

Südafrika ist nicht nur Ziel von Touristen. Das Land hat eine starke Volkswirtschaft mit florierendem Transportgewerbe. Die Unternehmen warten derzeit auf neu für den Markt zugeschnittene Mercedes Actros und Arocs.


Datum:
31.07.2018

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Vor uns zuckelt ein alter Mercedes-Rundhauber die Passhöhe hinauf. Kunststoffrohre ragen über die Ladefläche hinaus; so schwach gesichert, dass eines hinab zum Straßenrand rollt. Der alte Daimler zieht unbeirrt seine Bahn, bis wir ihn endlich überholen können.

Wir sind mit Daimler-Fahrertrainer Derrick Salzwedel auf einer Fernstraße durch das Küstengebirge entlang der Südküste Südafrikas unterwegs. Wer aber glaubt, hier vor allem Veteranenfahrzeuge zu sehen, täuscht sich. Der Hauber ist eher ein Ausreißer. Auf der sich bis fast auf 1000 Meter Höhe windenden Passstraße begegnen wir Mercedes Actros und Axor, vielen Freightlinern sowie MAN, Scania, Volvo und DAF. Auch schwere japanische und sogar chinesische Marken sind unterwegs, bei den mittelschweren und Verteiler-Lkw überwiegen die japanischen.

INTERLINK-SATTELZÜGE SIND IM STRASSENBILD DIE NORM

Auf der Strecke entlang felsiger Bergzüge und in der Talsohle liegenden Feldern und Siedlungen sind viele Interlink-Lastzüge unterwegs. Sie dürfen bis 22 Meter Länge und 58 Tonnen Gesamtgewicht haben. Die Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h wird recht genau eingehalten. Eine explizite Vorschrift über Lenk- und Ruhezeiten besteht nicht, doch in der Regel setzen Großspeditionen mit Hunderten Lkw wie mittelständische Transporteure ihren Chauffeuren strenge Grenzen. Kleinunternehmen und Selbstfahrer spielen im Fern- oder Schwerverkehr eine geringe Rolle.

Sehr unterschiedlich sind die Löhne der Fahrer. Einen richtigen Monatslohn bezahlen vor allem die Großspeditionen und Firmen mit eigenem Werksverkehr. Hier kommt ein Chauffeur auf bis zu 30.000 Rand (etwa 2000 Euro), Prämien für Kilometer oder besondere Tätigkeiten sowie Spesen eingerechnet. "Gute" Unternehmen beteiligen sich an den Kosten für die Kranken- und Sozialversicherung und bieten den Angestellten zwei Wochen Urlaub.

Daimler-Testfahrer Derrick Salzwedel kennt die Branche hier: "Ein Ziel vieler südafrikanischer Fahrer ist eine Festanstellung, denn viele arbeiten für Zeitarbeitsfirmen. Da bleibt ein Teil des Lohns auf der Strecke. Neben der Sozialversicherung musst du die Miete oder Raten für dein Haus bezahlen. Selbst die Schule für die Kinder kostet." Laut Derrick fahren viele Kollegen zwei Wochen am Stück und haben dann einige Tage frei. Prämien für gefahrene Kilometer oder ein fester Betrag für festgelegte Touren seien üblich.

800 BESCHÄFTIGTE, 380 EIGENE LASTWAGEN

Schon auf der über 500 Kilometer langen Fahrt vom Hafenstädtchen George nach Kapstadt fallen die modernen, gepflegten Lastzüge großer Fuhrparks auf. Wir sehen uns bei der Spedition Crossroads um. Das Unternehmen geht auf die Dreißigerjahre zurück. Seit 1964 hat es als Jowell's Cape Transport eine vielseitige Entwicklung erfahren und firmiert heute als Crossroads an zahlreichen Standorten in Südafrika und Nachbarstaaten. Schwerpunkte sind nationale und internationale Transporte, Logistik und Lagerung sowie Abwicklung und Verzollungen.

Vikesh Gounden, Kontrakt-Manager für Flüssig- und Schüttgüter: "Wir organisieren den Import und Export vom Schiff oder Flugzeug bis zum Endverbraucher und vom Versender bis zum Export." Crossroads hat 800 Beschäftigte und setzt 380 eigene Fahrzeuge sowie zusätzliche ausgewählte Vertragsunternehmen ein.

Mit seinem Arbeitgeber ist Heuvel Daniels (46), seit 26 Jahren dort Lkw-Fahrer, zufrieden: "Wir haben hier sehr gute Arbeitsbedingungen und eine gute Bezahlung nach dem mit der Gewerkschaft vereinbarten Lohn." Heuvels Touren mit seinem Actros 2646 6x4 werden unter anderem von der Disponentin Alexandra Lazarus, die ihn über Fleetboard immer im Blick hat, eingeteilt. Neben der Dispo treffen wir in einem weiteren Raum Donald T. Mbokazi. Er ist Ansprechpartner für etwaige Probleme der Fahrer, wertet aber auch ihre über Fleetboard ermittelten Verbrauchs- und sonstigen Ergebnisse aus. Ihm zur Seite steht John Velosmar als "Driver-Trainer", also Fahrinstruktor, um alle Fahrer regelmäßig weiterzubilden oder bei Problemen gezielt zu schulen.

Flottenchef Jeanne Kruger: "Im Mineralöltransport ist Sicherheit besonders wichtig. Wir schätzen die Sicherheitsassistenten wie Brakeassist, die wir bei Mercedes-Benz serienmäßig bekommen. Wir wollen den Risikofaktor Mensch in den Griff bekommen. Gefahren sind neben Müdigkeit Überholfehler von Pkw, Fußgänger entlang dem Straßenrand und Wildtiere."

STEIGENDER DIESELPREIS, ABER SCHLECHTE QUALITÄT

In der Dispo erhält soeben Donevan Arnolds Anweisungen für seine nächste Tour in den Raum Johannesburg. Das sind fast 1500 Kilometer mit einem Höhenunterschied von 1500 Metern; und das in gleißender Hitze. Donevan fährt einen Scania mit 480 PS, eines der stärksten Fahrzeuge bei der Spedition. Wegen des relativ hohen und zurzeit steigenden Dieselpreises wartet man förmlich auf den neuen Mercedes mit gesenktem Verbrauch. Vikesh Gounden, Chef der Akquisition: "Ob wir dann Euro 3 oder Euro 5 beschaffen, hängt vom Wettbewerb ab. In einigen Landesteilen sowie in Nachbarländern ist die Dieselqualität noch zu schlecht für Euro 5." Alle Zugmaschinen tauscht man nach fünf Jahren oder 800.000 Kilometern aus, und nicht nur die beiden Transportmanager freuen sich auf die Neufahrzeuge: "Unsere Fahrer mögen das Powershift-Getriebe. Sie werden die neuen Mercedes gern übernehmen. Die alten Fahrzeuge kommen in den Regionalverkehr." Gerlach Fronemann

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