US-Showtrucks: Eine Orgie in Chrom

Traumtruck vieler Fahrer in blau und grün
© Foto: Fabienne Calvet

US-Trucks faszinieren seit jeher mit Chrom und den stehenden Sidepipes. Diese drei Boliden treiben den Custom-Fetisch auf die Spitze.


Datum:
11.03.2013
Autor:
Fabienne Calvet

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Im Grunde ihres Herzens betrachten viele US-Kollegen die neuen, aerodynamisch optimierten Hauber als notwendiges Übel. Dagegen lassen üppig verchromte Klassiker mit kantigen Charaktergesichtern den Fahrerpuls immer noch höher schlagen.

Die sieht man immer wieder auf der Mid-America Trucking Show in Louisville und dem angehängten, mittlerweile berühmten "PKY Truck Beauty Championship", der sich heuer zum 24. Mal jährt. Dort reiht sich ein Bolide an den anderen. Hier werden die Champs gekrönt, in sage und schreibe 24 verschiedenen Kategorien. Prämiert wird so gut wie alles, nicht nur komplette Showtrucks, sondern auch Working Trucks, Lackierungen und Airbrushkunst, Lichtanlagen, Motoren, Interieurs und sogar der schönste Nachrüst-Sleeper.

Hier hat man also eher die Qual der Wahl. Dass dabei nicht immer die größten Kabinen gewinnen müssen, beweist der "Star des Jahres", ein Peterbilt 379 "Day Cab" in kommunalem Orange. Dabei reflektiert unser Favorit das gleißende Sonnenlicht vielfach: Er ist trotz der kurzen Kabine eine einzige Orgie aus Edelstahl und Chrom!

SCHÖNER KANN MAN EIN JUBILÄUM NICHT FEIERN

Nun zur Geschichte: Der Peterbilt 379 ist ein bisschen speziell, weil er das zehnjährige Jubiläum des Unternehmens SRS National markiert, der Firma von Jerry Beaudoin. Als Spezialist im Bereich des Transports und der Entsorgung von kontaminierten Böden ist Jerry heute der Kopf dessen, was man als ein gutes und erfolgreiches Unternehmen bezeichnen kann.

Auch wenn er vor zehn Jahren mit nur einem, ziemlich ausgemergelten, dreiachsigen "bad-to-thebone"-Truck, den er "Triple 6" nannte, ziemlich holprig begann, ging unser Mann mit den Jahren seinen Weg. Als eingefleischter Arbeiter ist er Experte für alles, was sich um den Transport von Müll dreht. Verarbeitung von kontaminierten Böden, Abfall, Transporte jeglicher Art - alle zehn SRS-LKW arbeiten mit vollem Einsatz ebenso wie die 50 weiteren, die als Externe für das kontinuierlich gewachsene Unternehmen fahren. Von fünf bis 200 Tonnen reicht das Spektrum der Firma aus Connecticut.

Schon seit Gründung seiner Firma legt Jerry besonderes Augenmerk auf seine Lastwagen. Jeder von ihnen vom "Triple 6" bis zum "Triple Zero" ist ein Unikat und regelmäßiger Abräumer auf Truckfesten (www.srsnational.com). Bei Aussehen und Stil hat der Firmengründer das letzte Wort. "Wir sind Profis - also keine Frage, dass unsere LKW auf dem neuesten Stand sind", sagt der Boss.

Mit dem "Triple 9", so der Name dieses Peterbilt in Anknüpfung an den "Triple 6" von vor zehn Jahren, wollte Jerry wirklich Eindruck schinden. Dieser LKW ist eigentlich sein zweites Modell, dazugestoßen im Jahr 2003, das jetzt aber komplett restauriert wurde. Eine sehr gängige Praxis in den USA. Hier trennt man sich nicht von seinem LKW nach seinem "ersten Leben". Die Story geht hier noch lange weiter - auch eine Form von Nachhaltigkeit, die die Amis ja auch bei ihren PKW deutlich stärker als wir in Europa pflegen.

WIEDERGEBURT: JERRY LIEBT DIESEN TRUCK

Darüber hinaus liebt Jerry diesen LKW mehr als alle anderen, weil er einer der ersten war. Grund genug, um eine "wahre Bestie" in den Wettbewerben der Truckshows zu sein. Angetrieben wird er von einem Caterpillar C15-Aggregat mit 525 PS. Sein langer Standard-Radstand verbindet coole Optik mit alltäglicher Transporteffizienz.

Mehr als 700.000 Meilen (über eine Million Kilometer) hat Jerrys erster angestellter Fahrer Chris Doheny in all den Jahren mit dem Pete abgespult. Jetzt wurde es Zeit, ihn zu restaurieren. Sein orangefarbenes Kleid lässt ihn im Wettbewerb echt auffallen - sogar Kardanwelle und Achsen strahlen in sattem Orange. Seit der ersten Fahrt bei der Mid-America Trucking Show begann "Triple 9" Trophäen einzufahren, allein hier räumte er vier Kategorien ab. Die Mischung aus Zubehör, Chrom und verchromtem Muldensattel bildet aber auch ein unwiderstehliches Ensemble. Und alle Details sind von Jerry montiert worden - er ist ein Verrückter!

Wobei es in den weiten Landen zwischen US-Ost- und Westküste durchaus Kaliber gibt, die Jerrys Pete Paroli bieten können. Etwa der Motor-Maniac Jerad Wittwer, der mit den SRS-Trucks in Louisville um die Wette glänzte. Bis unter die Haube mit liebevollen Details verziert und lackiert, protzen die beiden Trucks des Chefs der Firma Performance Diesel Inc. aus Utah. Doch vor allem ihre inneren Werte bestechen: Denn Jerads Firma ist spezialisiert auf die Überarbeitung von Dieselmaschinen und der Absolvent der "Diesel Technology School" weiß vermutlich mehr über LKW und ihre Performance als jeder andere in den USA.

Die Bandbreite der leistungssteigernden PDI-Produkte reicht heute von Turboladern bis hin zu Schalldämpfern und Spezialinjektoren. Seit drei Jahren veranstaltet der Maschinenexperte einen rauchschwadensatten "Dyno Contest", um nach eigenen Worten "zu zeigen, was Power ist". Da rücken dann Trucks an, deren stolze Besitzer den CAT-Motoren schon mal 1100 PS entlockt haben - oder gar 1400, wie etwa bei Jerads neuem Flaggschiff, dem "Limo Truck", der außer Konkurrenz schwarze Wolken fabrizierte. Aber seine Promotion-LKW können sich nicht nur hören, sondern auch sehen lassen. Das Auge fährt ja mit, erst recht in den USA.

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