Winterdienst in Norwegen mit dem Sisu Polar

Kai-Inges Einsatzgerät: Sisu-Polar mit Euro-6-Motor von Detroit Diesel
© Foto: Richard Kienberger

Aufgrund der speziellen Topografie und Witterungsbedingungen ist Winterdienst in Norwegen ein harter Job. Den erledigen Fahrer wie Kai-Inge Marvik mit professioneller Routine. Sein Einsatzwerkzeug: ein brandneuer Sisu Polar.


Datum:
21.12.2016
Autor:
Richard Kienberger

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Fragt man ein Unternehmen, warum es eine bestimmte Marke oder Fahrzeugkonfiguration einsetzt, lautet oft die wenig subtile Begründung "Das haben wir immer schon so gemacht!" Schon wenige Minuten, nachdem man den Managern Frode Holm Johansson und Rolf Andersen die Hand geschüttelt und sich zum Gespräch zusammengesetzt hat, ist klar, dass man diesen albernen Satz von den beiden Männern nicht hören wird.

Offenbar kennen sie in ihrem Unternehmen die Details bis auf mehrere Stellen hinter dem Komma. Johansson und Andersen arbeiten als Fuhrparkleiter beziehungsweise Abschnittsverantwortlicher für die norwegische Firma Opedal Drift, ein Serviceunternehmen, das im Bereich Straßenunterhalt tätig ist. Eines der wichtigen Geschäftsfelder ist der Winterdienst. Kabinen und Antriebsstrang der Einsatzfahrzeuge stammen von Daimler. Dieses spezielle Paket war aus der Sicht von Opedal Drift mit ein Grund dafür, es noch einmal mit Sisu zu versuchen. "Im aktuellen Modell Sisu Polar arbeitet ein Euro-6-Motor, der ja auf einem Detroit- Diesel-Triebwerk aufbaut, das in den USA schon sieben Jahre lang im Einsatz ist. So etwas Ausgereiftes hat kein anderer Hersteller im Angebot", erklärt Johansson. In der Praxis haben sich die Erwartungen des Unternehmens laut Andersen bestätigt: "Die beiden Sisu-Trucks markieren mit 41 bis 43 Litern den Bestwert beim Treibstoffverbrauch im Räumdienst."

DER WINTERDIENST GEHT HIER BIS WEIT IN DEN FRÜHLING HINEIN

Dass Winterdienst keine leichte Aufgabe ist, wird jeder Schneeräumer bestätigen können, der im Winter in den Alpen Fahrbahnen von der weißen Pracht befreien muss. Aber mit Verlaub: In Norwegen ist der Job über weite Strecken um einiges härter. Dafür ist die Topografie des Landes verantwortlich. Denn die Schneeräumer haben bei ihrem Job oft einen der vielen Fjorde oder sogar das offene Meer vor Augen. Das sorgt aufgrund seines Einflusses auf das Wetter in Kombination mit dem steilen Küstengebirge immer wieder für Extremwetterlagen.

Im vergangenen Jahr konnten die Schneepflüge erst nach dem 15. Mai zurück in die Depots. Umso beeindruckender sind die Fahrtstrecken, die die Fahrer bewältigen: Einer der beiden Sisus hatte nach rund fünfwöchigem Einsatz auf einem etwa 40 Kilometer langen Straßenabschnitt schon mehr als 30.000 Kilometer auf dem Tacho stehen.

Kai-Inge Marvik ist einer von den Pflug-Fahrern bei Opedal Drift. Die Arbeit wird im Schichtdienst erledigt und fällt nicht unter die üblichen Arbeitszeit-Vorschriften. "Normalerweise arbeiten wir zwölf Stunden und haben dann zwölf Stunden frei," erzählt Marvik. Ist der Job kompliziert? "Eigentlich nicht, aber du darfst dich halt nicht einschüchtern lassen, wenn der Wind bläst oder wenn die Sicht schlecht ist. Zum Angst haben hast du bei dieser Arbeit keine Zeit." Wobei der Wind in Norwegen oft in einer Stärke über die Schneeberge bläst, die durchaus einschüchternd ist.

Wenn die Verhältnisse extrem werden, wird die betreffende Straße geschlossen, ehe der Winterdienst mit Salz und Sand, Räumschilden und Fräsen wieder für befahrbare Verhältnisse gesorgt hat. Manchmal ist es vor allem aufgrund der extremen Schneeverwehungen nötig, die Lastwagen im Konvoi fahren zu lassen. Vorneweg macht dann ein Truck mit V-Pflug den Weg frei, zur Not in Kombination mit einer oder mehreren Fräsen.

BLEIBT EIN EINZIGER TRUCK HÄNGEN, GIBT ES EIN VERKEHRSCHAOS

Oft ist der Straßenverlauf schon Minuten später nur noch an den seitlichen Markierungsstangen zu erahnen. Kai-Inge Marvik "liest" seine Straßen. Er erzählt, dass jede ihren ganz speziellen Charakter hat: "Manchmal ist es der Wind, der für spezielle Verhältnisse sorgt. Woanders sind es die Steigungen oder die Kurven. Auf der Passstrecke Hemsedahlfjellet ist es wiederum der Verkehr. Der ist dort am dichtesten. Vor allem die Zweiachser haben oft Probleme. Aber seit wir den Kontrakt haben, ist es besser geworden. Außerdem haben speziell die osteuropäischen Unternehmen inzwischen dazugelernt und sind mit besserem Equipment unterwegs. Aber wenn erst einmal ein einziger Truck quer steht, gibt es Chaos." Chaos gibt es glücklicherweise nicht an jedem Wintertag, aber "Probleme" gehören zum täglichen Geschäft der Schneeräumer hier in der Gegend.

Einige Tage nach dem Besuch in Norwegen treffen wir Juha Järvinen und Jouni Rouru, Chief Operating Officer von Sisu, in Helsinki. Dabei erwähnt Vertriebs- und Marketingchef Järvinen, dass Sisu aufgrund des schwächelnden Heimmarkts in Finnland verstärkt Kooperationen mit ausländischen Transportunternehmen eingehen möchte: "In Deutschland oder Österreich habt ihr doch auch hohe Berge. Das wäre gut, wenn sich da jemand findet, der einen unserer Schneepflüge einsetzen möchte ..."

Dass Järvinen, während er spricht, der Schweiß in dicken Bächen über das Gesicht rinnt, liegt nicht an den Schwierigkeiten beim Erschließen neuer Absatzmärkte. Aber wenn man in Finnland nicht gerade mit Schneepflügen, Schneemobilen oder Rentierschlitten unterwegs ist, verabredet man sich dort zum zwanglosen Gespräch gerne in einer dampfenden Sauna.

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