Efficient Dutchman

An Fahrwerk und Lenkung gibt es beim großen Niederländer nichts zu beklagen
© Foto: Karel Sefrna

Erstmals schickt DAF den aktuellen XF auf die TRUCKER-Testrunde. Die absolviert der 480er sparsam - was aber zulasten des Temperaments geht.


Datum:
22.06.2018
Autor:
Jan Burgdorf

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IM TEST: DAF XF 480

  • Modell: DAF XF 480 Space Cab
  • Hubraum: 12.900 cm3
  • PS (kW): 483 (355) bei 1600/min
  • Drehmoment (Nm): max. 2500 bei 900 - 1365/min
  • Leergewicht: 7480 kg (400 l Diesel, 65 l AdBlue)

Ältere Leute brauchen manchmal etwas länger: Dieser Umstand lässt sich auf den DAF XF übertragen. Dessen Grundkonzept stammt schließlich aus dem Jahr 1987 und ist damit mit Abstand das altgedienteste am Markt. Und die Niederländer ließen sich viel Zeit, ihr bereits Mitte des vergangenen Jahres intensiv geliftetes aktuelles Modell zum TRUCKER-Supertest zu entsenden.

Rein optisch fiel besagtes Update weniger intensiv aus. Die leicht veränderte Frontpartie sowie eine neue Sonnenblende mussten genügen - was es schwierig macht, entgegenkommende XF spontan in alt oder neu einzuordnen. Kleiner Tipp: Am leichtesten ist es an den neuen seitlichen Linien (wir nennen es Pausbacke) neben dem DAF-Schriftzug zu erkennen.

STARK ÜBERARBEITETER MOTOR UND DAS TRAXON-GETRIEBE VON ZF

Deutlich mehr tat sich im nicht sichtbaren Bereich: Die Verteilung der Antriebskraft übernimmt nun endlich auch bei DAF der modernere Traxon-Schaltautomat vom Zulieferer ZF. Zusätzlich nahm sich die Entwicklungsabteilung den altehrwürdigen MX13-Sechszylinder intensiv vor. Neue Einspritzsoftware mit höherer Verdichtung, reibungsärmere Kolben, neue Einspritzdüsen und ein effizienterer Turbolader seien hier nur als Auszug der Maßnahmen genannt, die das Aggregat effizienter machen sollen.

Zusätzlich stiegen Leistung und Drehmoment. Das Testfahrzeug wurde von der mittleren Einstellung mit exakt 483 PS und maximal 2500 Newtonmetern Drehmoment angetrieben, 21 PS und vor allem 200 Nm mehr als bei der vergleichbaren Vorgängermotorisierung.

Daraus schöpften die DAF-Ingenieure Mut zu lang übersetzten Hinterachsen. Am extremsten treibt es die im Testwagen verbaute 2,21er-Achse, die das Drehzahlniveau beim Testfahrzeug auf niedrige 1000/min bei Reisetempo 85 km/h absenkt. Doch bevor jetzt mancher Unheil wittert, geben wir Entwarnung: Für den Fahrer bringt das sehr niedrige Drehzahlniveau keine Mehrarbeit oder Nachteile mit sich. Erstens, weil Traxon die Rückschaltungen schnell und harmonisch ausführt, und zweitens, weil der XF bezogen zum Vormodell deutlich leiser wurde und dem Motor Vibrationen auch im Drehzahlkeller fremd sind. Dass zurückgeschaltet wird, realisiert man meist nur durch einen Blick auf den Drehzahlmesser.

Das gilt auch bergab, wo die Getriebesteuerung schon auf der Kuppe mitunter gleich zwei Gänge zurückschaltet, um genügend Drehzahl für die 490 PS der MX-Motorbremse zu schaffen. In heftigen Gefällen kam die verstärkte Auspuffklappe aber auch mit unserem teilbeladenen Testauflieger nicht ohne Hilfe der Betriebsbremse aus, um das Tempo in legalem Rahmen zu halten. Wir plädieren daher wie so oft für den optional erhältlichen, souveräneren ZF-Intarder.

ERST BEI SPÄTEN 900 TOUREN WERDEN RÜCKSCHALTUNGEN EINGELEITET

Bergauf sucht die Getriebesoftware ihr Heil dagegen nicht sofort in einem Gangwechsel. Zumindest mit unserem 24 Tonnen leichten Krone-Testtrailer auf der Sattelplatte bleibt der zwölfte Gang gnadenlos bis unter 900 Touren eingelegt. Das System will so lange wie möglich die Drehmomenterhöhung in der höchsten Fahrstufe ausnutzen. In den daraufhin folgenden niedrigeren Gängen kommen dann "nur" noch 2350 Newtonmeter an der Hinterachse an.

Die Motor-Getriebe-Abstimmung lässt allerdings schon vermuten, dass es sich beim Test-XF für einen Vertreter der 480-PS-Klasse nicht gerade um einen Temperamentsbolzen handelt. Das stimmt auch, liegt aber weniger am niedrigen Drehzahlniveau. Auch nicht am GPS-Tempomaten, den wir während der Testfahrt wie immer auf praxisnahe +5/-5 km/h einstellten. Die vorausschauende Geschwindigkeitsregelanlage arbeitet unauffällig und zufriedenstellend, ohne aber an die Regelgenauigkeit der Systeme aus Södertälje oder Wörth heranzukommen.

Ähnlich wie beim Daimler stören wir uns an der Abstimmung von Ecoroll. Genauer daran, wann Letzteres beim Hineinrollen in Steigungen beendet wird. Dass passiert nämlich erst, wenn der Zug wieder exakt auf die eingestellte Tempomatgeschwindigkeit heruntergerollt ist. Bis der Kraftschluss dann wieder hergestellt ist, sind wertvolle km/h verloren gegangen, die der Antrieb mühsam wieder aufholen muss - wenn die Elektronik ihn lassen würde. Denn zusätzlich zum GPS-Tempomaten hat DAF noch ein weiteres Spritsparsystem namens "Dynamic Cruise" hinterlegt. Diese unterbindet an Bergen im Tempomatmodus den Abruf der vollen Motorleistung. Statt möglichen 85 km/h belässt es die Elektronik dann bei Tempo 83 und erlaubt sich im Rollmodus auch die im GPS-Tempomaten hinterlegten - 5 km/h mitunter noch mal zu unterschreiten. Das mag einige Zehntel Diesel zusätzlich sparen, geht aber zulasten des Temperaments, weshalb der XF für einen Vertreter dieser Leistungsklasse gefühlt langsam unterwegs ist. Viele Fahrer werden sicher kaum widerstehen können, dem Sparwillen des XF per Tritt aufs Gaspedal ein Ende zu setzen, wonach es spürbar zügiger bergauf geht.

MANUELLE SCHALTEINGRIFFE ERLAUBT DAF NICHT MEHR

Immerhin hat man bei Dynamic Cruise die Wahl. Bei der automatisierten Schaltung lässt DAF dagegen keine Schalteingriffe zu. Bei Rückschaltungen können wir das noch nachvollziehen, dass die Niederländer aber auch keine manuellen Hochschaltungen mehr akzeptieren, dagegen nicht. Die lassen sich nur über das Gaspedal provozieren, was zugegebenermaßen passabel funktioniert. Oder der Fahrer beendet das Eco-Programm per Druck auf den rechten Lenkstockhebel. Dann sind manuelle Schalteingriffe möglich, zusätzlich dreht das Getriebe die Gänge höher aus. Nach einigen Sekunden übernimmt die Elektronik allerdings wieder das Kommando - per Reaktivierung des Eco-Modus.

In dem mag sich der XF zwar langsamer anfühlen, rein rationell gesehen ist er aber auch mit allen Sparprogrammen höchstens ein halber km/h pro 100 Kilometer langsamer unterwegs als vergleichbar motorisierte Konkurrenten. Die haben aber verbrauchsseitig das Nachsehen: Auf unserer standardisierten Testrunde, wie immer per Referenzfahrzeug abgeglichen, kam der 480er-DAF mit 24,33 l/100 km aus und setzt sich damit bis auf Weiteres an die Spitze unseres Verbrauchsrankings (siehe Diagramm auf Seite 50). Manchmal mag es ja länger dauern, dann zeigen aber auch ältere Vertreter, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören.

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Achim R. DAF hat die letzten Jahre sehr viel an Speditionen verkauft. Mich würde interessieren, wie es mit der Haltbarkeit und Qualität der Holländer aussieht. Wird der DAF nur gekauft, weil er günstiger ist als der Wettbewerb? Über das Design kann man geteilter Meinung sein.

Thomas W. Ich habe den neuen DAF als 480er. Ich bin total happy mit dem Niederländer. Hatte davor das Vorgängermodell. Bezogen zu dem wurde die Schaltung sehr verbessert und die Fahrgeräusche sind viel leiser. Probleme hatte ich bislang keine, aber nach 30.000 Kilometern sollte ja auch noch nichts sein. Auf meine große Super-Space-Kabine würde ich aber nicht verzichten wollen.

Andi H. Mir wäre das kleine Space Cab auch zu klein. Da fehlt es durch den Motortunnel einfach an Stehhöhe.

Fidel W. Ich bin ja mal gespannt, wie viele DAF die angegebenen 200.000 Kilometer Wartungsintervall wirklich schaffen. Alle meine Lastwagen (verschiedene Marken), die ich bislang hatte, hatten kürzere Intervalle um die 120.000 Kilometer, wollten aber trotzdem schon früher in die Werkstatt.

Martin W. Mit Super Space Cab ist der DAF ein tolles Fahrerauto. Ich würde nicht mehr tauschen wollen. Auch das Bett ist erste Sahne. Meine Kritik beschränkt sich auf Kleinigkeiten: Der Verstellknopf für die Lenkradverstellung ist fummelig und die Einstellungsmöglichkeiten des Lenkrades sind zu gering. Außerdem sind die Sichtverhältnisse durch die kleine Windschutzscheibe und das große Armaturenbrett miserabel. Auch die Außenspiegel sind mir zu klein. Ansonsten aber ein super Lkw.

Solo Y. Getriebe besser als beim Vorgänger, Geräuschkulisse auch, sonst eigentlich alles beim alten, leider auch dieser Eco-Mist, ohne selbst schalten zu können. Von meinen 480 PS spüre ich, ehrlich gesagt, auch nicht viel. Am Berg zieht jeder 400er locker vorbei. Der Verbrauch ist laut meinem Chef dafür niedrig.

Kevin Sch. DAF schafft es einfach, gute Autos zu einem günstigen Preis anzubieten. Wie alt das Lkw-Konzept ist, ist mit völlig egal, es muss Komfort bieten und zuverlässig sein. Und das bietet der XF. Besser als die ach so hochgelobten Marken aus Göteborg oder Södertälje!

FAZIT

Mankos bei Sicht und Bedienung

Der XF hat sich spürbar verbessert. Er ist leiser, schaltet schneller und der MX13-Sechszylinder kommt mit niedrigeren Drehzahlen aus. Eine Rakete ist er allerdings nicht, sondern tritt aus Verbrauchsgründen bewusst zurückhaltend auf. Dem Chef wird das recht sein, dem gestressten Fahrer dagegen weniger. Gut gefällt mir die Lenkung des DAF.

Trotz der beim Testwagen montierten 385er-Breitreifen ist sie bei niedrigen Geschwindigkeiten leichtgängig, was Rangiervorgänge erleichtert. Allerdings bietet die Steuerung meines Erachtens einen zu geringen Lenkeinschlag.

Nicht mehr zeitgemäß sind die Sichtverhältnisse durch die schmale Windschutzscheibe und die Regelung von Klimaanlage, Heizung und Lüftung ist sehr weit unten angebracht, was den Fahrer unnötig ablenkt. Zudem spiegelt sich der schräg angebrachte und eher kleine Bildschirm des Navigationssystems im Seitenfenster. TRUCKER-Tester Wolfgang Obermaier

480 PS sparsam eingesetzt

Der DAF XF 480 legt auf unserer Teststrecke einen neuen Rekordverbrauch hin. Großen Anteil daran haben GPS-Tempomat und Dynamic Cruise. Vor allem Letzteres hilft die letzten Zehntel Diesel zu sparen, beschneidet den Niederländer an Bergen aber in seiner Leistungsfähigkeit. Für viele Fahrer wird er damit zur Spaßbremse mutieren - weshalb sie das System per Tritt aufs Gaspedal übersteuern werden. TRUCKER-Tester Jan Burgdorf

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