Fahrbericht Iveco Stralis 460 LNG: Hängt gut am Gas

Äußerlich unterscheiden sich Diesel- und Erdgas-Stralis nicht. Auch die Technik des 460 entspricht dem aktuellen Stand
© Foto: Gerhard Grünig

Weil sich Erdgas immer mehr zum Alternativkraftstoff entwickelt, lancierte Iveco einen 460er Stralis auf Basis des Cursor 13. TRUCKER sammelte erste Eindrücke.


Datum:
06.08.2018
Autor:
Gerhard Gruenig

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Mit 460 PS ist man selbst mit 40 Tonnen gut motorisiert. Aus dieser Sicht gibt es also keine Ausrede mehr, Erdgas als Antriebsalternative bei Iveco nicht in Betracht zu ziehen. Wie sich der Stralis sonst so schlägt, zeigt er auf einer Tour rund ums Ulmer Werk - wo's bekanntlich bergig ist.

Das Testauto verfügt über zwei isolierte Tanks für flüssiges Erdgas (LNG). Abgesehen von der aktuell geringen Anzahl von Tankstellen kommt man mit den vorhandenen 1080 Litern Erdgas rund 1600 Kilometer weit. Wer lieber auf einen gasförmigen Betriebsstoff (CNG) setzt, reduziert seine Reichweite auf 570 Kilometer - hat dafür aber ein besseres Tankstellennetz.

Technisch macht es keinen Unterschied; der Stralis 440 S 46 NP genannte Erdgas-Laster verfügt stets über dieselbe Technik. Und die präsentiert sich überraschend gut. Zugegeben hat der Erdgas-Motor, der auf dem Cursor- 13-Sechszylinder basiert, nicht den von einem Diesel bekannten Antritt. Er braucht ein wenig Drehzahl, um Temperament zu entwickeln. Die Differenz zum Selbstzünder ist aber nicht groß - vielleicht 100 bis maximal 200 Touren, ehe genauso viel Power zur Verfügung steht. Und weil der Gasmotor so schön leise ist, fällt nicht mal auf, dass er ein wenig höher dreht.

DER GASMOTOR GEHT (FAST) SO GUT WIE DER DIESEL

Ist er erst einmal auf Betriebstemperatur, lässt er die Drehzahl an kleinen Anstiegen schon mal bis 900 Touren fallen und zieht die 40 Tonnen ohne Rückschaltung über die Kuppe. Dabei bleibt er stets vibrationsarm und läuft geschmeidig.

Der größte Vorteil des neuen 460: Im Gegensatz zum 400, der noch auf der "alten" Fahrzeugarchitektur basiert, verfügt er schon über alle Merkmale der neuen Generation. Das heißt im Falle des Getriebes Traxon statt AS-Tronic. Für den Fahrer bedeutet das schnellere Gangwechsel, eine viel häufigere Nutzung von Eco-Roll - und damit etwas weniger Verbrauch, vor allem aber ein noch niedrigeres Geräuschniveau.

EIN GETRIEBE FÜR 3000 NM -OBWOHL NUR 2000 DA SIND

Warum Iveco allerdings die Overdrive-Version verbaut, bleibt ein zunächst unergründliches Geheimnis. Zwar bietet der Gas-Cursor-13 wie sein Diesel-Pendant auch 2000 Nm maximales Drehmoment. Dafür braucht's aber noch lange keinen ins Schnelle übersetzten zwölften Gang. Speziell auf der Autobahn führt diese Auslegung dazu, dass die Schaltbox in Steigungen relativ früh einen Gang zurückstuft. Andererseits muss man zugeben, dass der NP mit dieser Auslegung flott unterwegs ist.

Naturgemäß verfügt ein Ottomotor - und um einen solchen handelt es sich beim Iveco-Erdgasaggregat - über kein gutes Bremsmoment. Ergo verbauen die Italiener grundsätzlich einen ZF-Intarder. In aktueller Auslegung hat der sechs linear abgestufte Rasterungen, ein enormes Verzögerungsmoment und ermöglicht es damit, rund 95 Prozent aller Bremsungen mit der verschleißfreien Bremse zu erledigen.

Weiterer Vorteil des neuen Gas-Lkw: Er hat jetzt alle Funktionalitäten die man vom Diesel kennt. Der Fahrer verfügt über das volle Programm des Bordrechners und kann sich zum Beispiel seine Verbräuche anzeigen lassen. Auch die mit der neuen Generation eingeführte "Driving Style Evaluation" arbeite jetzt vollumfänglich. Wobei da eine Kritik erlaubt sein muss: Muss man als Fahrer mal schärfer bremsen, weil einem andere Verkehrsteilnehmer den Weg abrupt versperren, reißt das gleich ein tiefes Loch in die Bewertung. Das sollten die Programmierer mit den heutigen Möglichkeiten besser hinbekommen!

WENIG VERBRAUCH, WENIG SCHADSTOFFE, KEINE TANKE

Ansonsten glänzt der Stralis NP mit einer direkten Lenkung, wirkungsvollen Betriebsbremsen und einem ganzen Paket an gut funktionierenden Assistenzsystemen. Einzig die gewichtsoptimierte Einblatt-Parabelfeder an der Vorderachse zeigt auf schlechtem Untergrund mehr Härte als einem komfortbewussten Fahrer lieb sein kann.

In der Summe überzeugt der 440 S 46 NP. Ob sich sein Mehrpreis über die garantiert niedrigeren Kraftstoffkosten hereinfahren lässt, wird sich wohl erst zeigen, wenn das deutsche Tankstellennetz vernünftig groß ist.

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