Mercedes Accelo: Canters kräftiger Cousin

Ein Mercedes Benz Accelo 1016 in Brasilien
© Foto: Gregor Soller

Dass der Accelo hart im Nehmen ist, beweist er auf einer Tour durch Sao Paulo.


Datum:
17.04.2014
Autor:
Gregor Soller

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Der Accelo fällt in die Kategorie "VUC" (Vehiculos Urbanes Caminhoes), was in Brasilien LKW für den städtischen Verteilerverkehr meint. Laut Gesetz dürfen sie maximal 2,1 mal 6,3 Meter messen. Da die VUC im ländlichen Bereich gern überladen werden, setzt Daimler die zierliche Hütte auf den starken Atego-Rahmen, was den Accelo vom Fuso Canter unterscheidet. Der großvolumige OM 924 LA-Vierzylinder leistet 156 PS. Die Baureihen 815 und 1016 unterscheiden sich in Tonnage und Drehmoment: 8,3 Tonnen und 580 Newtonmeter stehen 9,6 Tonnen und 610 Newtonmeter gegenüber. Da in Brasilien viele Straßen zwanzig Prozent Steigung oder Gefälle aufweisen, geht Drehmoment vor Leergewicht. Und da leichte Reparatur vor Standzeit geht, denkt Daimler daran, auch den Accelo künftig mit Blattfedern und Trommelbremsen auszurüsten.

KLEINE VERTEILER-LKW LAUFEN ZWANZIG JAHRE

Als Vorführer trat ein 1016 mit 4,4 Meter Radstand und Kofferaufbau an, ausgeladen auf die offiziellen 9,6 Tonnen. Damit hat der nagelnde OM 924 in der Ebene keine Mühe. Zügig beschleunigt er die Fuhre, was im dichten Stadtautobahnverkehr Sao Paulos von Vorteil ist. Die fast zehn Tonnen spürt man an Steigungen: Langgezogene Erhebungen bügelt der Accelo noch im Fünften, aber größere Anstiege erfordern zügiges Zurückschalten. Das Getriebe braucht eine kräftige Hand. Vor allem beim Herunterstufen in den zweiten Gang gab sich die Box etwas kratzig. Dafür fallen die Schaltwege kurz und trocken aus.

Kurz und teils tief sind auch die Schlaglöcher auf Brasiliens Straßen. Um keinen Speed zu verlieren, ermahnt der Daimler-Beifahrer dazu, diese ungebremst zu durchfahren. Mit lautem Rumpeln donnert der 1016 durch die Schlaglöcher - der Armaturentafel aus einem Guss ist dabei kein Knistern oder Knarzen zu entlocken, nur die permanent aufeinander arbeitenden Federbriden beklagen mit beständigem Knarzen und Quietschen den Fahrbahnzustand.

Die Lenkung findet einen guten Kompromiss aus Exakt- und Gelassenheit, die Bremsen verzögern gleichmäßig und sanft: Wird man von einem eiligen Verkehrsteilnehmer geschnitten, erfordern sie etwas Nachdruck. Neben dem Fahrersitz liegt der Hebel für den Federspeicher, der mit deutlichem Zischen klar macht, dass er die Fuhre auch an steilen Steigungen hält. Als Luxus in dieser Fahrzeugklasse dürfen die optionale Klimaanlage und der Bordrechner gelten. Trotz zierlicher Kabine hat er ein breites Kreuz, das lange Jahre schleppen muss!

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