Österreich und Polen können auch Mega

Die beiden Megatrailer von Schwarzmüller und Wielton traten zum Test an
© Foto: Robert Otto

Zwei Megatrailer von Schwarzmüller und Wielton treten zum zweiten Teil des Mega-Vergleichstests an.


Datum:
07.08.2017
Autor:
Redaktion TRUCKER

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Nach dem Fünfer-Vergleichstest mit Megatrailern von Fliegl, Kässbohrer, Kögel, Krone und Schmitz Cargobull (siehe TRUCKER 6/2017) haben wir zwei weitere Testkandidaten unter die Lupe genommen. An die Megas von Schwarzmüller und Wielton haben wir natürlich identische Maßstäbe angelegt.

Das Öffnen wie das Schließen der an Doppelscharnieren aufgehängten Türen des Schwarzmüller Dreiachs-Großraum-Schiebeplanen-Plateausattelanhängers funktioniert bedienfreundlich mit geringem Kraftaufwand. Für deren Verriegelung sorgen Integral-Verschlüsse von Pommier, die mit Handschuhen zu bedienen sind und ebenfalls wenig Kraft erfordern. Scharniersteg und Türflügel stehen rund zehn Millimeter nach hinten über und sind damit anfällig für Anfahrschäden an der Rampe. Sollte die Tür einmal einen Schaden erleiden, ist ihr Austausch mit Dorn und Hammer einfach. Leider ist eine Diagonalverzurrung im Heck nicht möglich.

Gehoben und abgesenkt wird das Hubdach mit Einzelhandpumpen (hydraulisch/Muskelkraft), die sich problemlos bedienen lassen. Die Zugstange wird außen - ziemlich unglücklich hinter dem Seitenanfahrschutz versteckt - aufbewahrt und ist daher ungeschützt.

SCHWARZMÜLLER BIETET VIELE LASI-MÖGLICHKEITEN

Das Dach (Typ Versus Omega) lässt sich leicht mit maximal 22 daN bis zur Paketverriegelung öffnen und schließen. Positiv: Die EN- 12642-Aussteifungen ragen nicht in den Laderaum, da sie in die Carapax-Dachplane eingewoben sind. Auch das Öffnen von vorne nach hinten ist möglich, dazu müssen lediglich die Drehkrampen an der Stirnwand gelöst werden. Der verbaute Boden entspricht dem Standard und ist sorgfältig verarbeitet. Die Seitenplane ist mit normalem Kraftaufwand zu bedienen. Nach mehreren Aufziehzyklen verringert sich der Wert auf angenehme fünf daN. Der senkrechte Verschluss erfolgt über genietete Sperr-Riegel-Spanner. Der waagerechte Verschluss und das Eindrehen der Wickelwelle (zentriert auf Spannmittel) sind einfach und liefern ebenfalls keinen Grund zur Beanstandung. Das Spanngetriebe am Heck ist geschützt; mit wenig Aufwand und einem etwas anderen Schnitt der Plane würde das auch für das PWP-Tender-Getriebe zutreffen. Die Stirnwandverriegelung erfolgt über einen einfach zu bedienenden Drehhebel.

Die Einrichtung zur Ladungssicherung entspricht der EN 12642 XL sowie der DCE 9.5. Gute Ausstattung durch 23 Paare Zurrbügel, die zu allen Spitzhaken und RUD-Kettenhaken bis Größe 6 passen. Ergänzt wird dies durch 60 Zurrlöcher im Außenrahmen, die ebenfalls alle Spitzhakengrößen aufnehmen. Eine Abspannung der Stirnwand ist nicht möglich.

Die Verarbeitung des Fahrzeugs ist gut, am Test-Trailer gab es keine Mängel. Kabel und Leitungen sind ordentlich verlegt sowie farblich gut gekennzeichnet. Die Diagonalabstützung im Heck wirkt stabil.

Der Schwarzmüller ist damit solider Durchschnitt auf hohem Niveau. Einige Kleinigkeiten wären mit geringem Aufwand zu verbessern: keine Abspannungen im Aufbau möglich, überstehende Türen, Lage des Park-Rangierventils auf der rechten Seite, eine sehr versteckte Zugstange - das alles fällt in die Kategorie Kleinkram, nervt

aber im täglichen Einsatz. Doch andere Details heben den Österreicher gegenüber den Wettbewerbern positiv ab: eine praxisgerechte LaSi-Ausstattung, in die alle Spitzund Kettenhaken hineinpassen, ein solider Stahlbau und eine Plane-Dach-Kombination, die sich angenehm leicht bedienen lässt.

BEI WIELTON GIBT ES RAUM FÜR VERBESSERUNGEN

Beim Dreiachs-Schiebeplanen-Sattelauflieger von Wielton ist der Kraftaufwand zum Öffnen der Türen etwas erhöht. Speziell der Verschlusstastenbügel verlangt einen kräftigen Daumen (15 daN). Scharniersteg und Türflügel stehen rund 50 Millimeter nach hinten über und sind so sehr anfällig für Anfahrschäden an der Rampe.

Der Türaustausch erfordert SW und Inbus; fünf doppelte Türscharniere geben dem Heckportal Stabilität. Die Türdichtung ist eingezogen. Grundsätzlich entspricht die Türkonstruktion nicht dem aktuellen Stand. Die Diagonalverzurrung im Heck ist allerdings möglich.

Das Dach lässt sich mit Einzel-Handpumpen (hydraulisch/Muskelkraft) heben und senken. Bedienung und Kraftaufwand liegen auf dem Niveau der Wettbewerber und entsprechen dem Stand der Technik. Zudem öffnet und schließt das Edscha-Dach ohne Probleme und es ist normaler Kraftaufwand erforderlich (maximal 20 daN). Negativ: Die EN-12642-Aussteifungen ragen in den Laderaum und es gibt keine Paketverriegelung. Das Öffnen von vorne nach hinten ist möglich. Dazu muss man nur die Drehkrampen an der Stirnwand außen und die Drahtsicherungen innen lösen. Die Zugstange fürs Dach liegt innen, gut geschützt gegen Wetter und Diebstahl.

WIELTON-PLANE ERFORDERT KRÄFTIGE HÄNDE

Der Boden indes könnte besser verarbeitet sein. Die Verschraubung erfolgte im Außenrahmen mit Abständen zwischen 40 und 44 Zentimetern, die Schrauben sind nicht versiegelt und teilweise schief eingedreht. Hier sind die Wettbewerber deutlich besser aufgestellt.

Die Seitenplane ist mit hohem (20daN) Kraftaufwand zu bedienen. Der senkrechte Verschluss erfolgt über genietete Sperr-Riegel-Spanner. Der waagerechte Verschluss und das Eindrehen der Wickelwelle (zentriert auf Spannmittel) sind einfach und geben ebenfalls keinen Grund zur Beanstandung. Das Spanngetriebe am Heck ist nicht geschützt. Das Eindrehen der Wickelwelle unter den Obergurt ist praxisgerecht - die Wickelwelle sitzt zentriert auf dem Spannmittel. Die Stirnwand-Verriegelung erfolgt über einen einfach zu bedienenden Drehhebel.

Die Einrichtung zur Ladungssicherung entspricht der EN 12642 XL und der DCE 9.5. 19 Paar EN-Zurrbügel sind als Option erhältlich. In die Lochleiste des Außenrahmens sind je Feld 19 Haken einhängbar. Drahthaken passen in der kurzen wie langen Version, allerdings wird die Lochleiste auf der Innenseite durch eine Gummidichtung verdeckt. Die Abspannung der Stirnwand ist nicht möglich.

Insgesamt ist die Verarbeitung in Ordnung und frei von Mängeln. Kabel und Leitungen sind ordentlich verlegt. Dennoch fährt Wielton dem Wettbewerb hinterher. Das Leergewicht ist mit 6250 kg zu hoch. Viele Kleinigkeiten wären mit geringem Aufwand zu verbessern, einige Details sind nicht mehr Stand der Technik und sollten neu konstruiert werden: keine Abspannungen an der Stirnwand möglich, überstehende Türen und das Park-Rangierventil ist nur durch den Steg erreichbar. Für Wielton sprechen ein solider Stahlbau sowie eine im Unterbau solide Verarbeitung.

Testurteil

Diagonalverzurrung im Heck möglich | Zugstange gut geschützt aufbewahrt | LED-Heckleuchten | solider Stahlbau | Öffnung des Dachs von vorne nach hinten

Türen schwer zu öffnen und überstehend | Verarbeitung des Bodens | hohes Leergewicht | Abspannungen an der Stirnwand nicht möglich | Aussteifungen des Daches ragen in Laderaum

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