Scania im Fahrertest: Des Königs neue Kleider

Jimmy Teunckens gefiel besonders der endlich große Kühlschrank
© Foto: Gerhard Grünig

Der TRUCKER begleitete den neuen Scania exklusiv beim Preview auf dem Autohof Mogendorf. Die Fahrermeinungen waren durchwachsen - Lob und Kritik hielten sich die Waage.


Datum:
06.10.2016
Autor:
Gerhard Gruenig

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Sieht im Original viel besser aus", kommentiert Jens Fleischhauer mit einem Lachen. Der neue Scania ist noch nicht mal richtig geparkt am Autohof Mogendorf, als Jens aus seinem aktuellen R aussteigt, um den Neuen zu begutachten. Sein spontaner Kommentar, nachdem er auf dem Fahrersitz Platz genommen hat: "Enorm viel Platz im Vergleich zu meinem alten Modell. Und wow, der Kühlschrank ist ja groß. Wenn ich mir vorstelle, dass der in der S-Version noch mehr Platz hat, ist das doch ein deutlicher Fortschritt."

FH-Chauffeur Markus Gallert ist weniger angetan vom neuen Scania: "Die Optik sieht zusammengewürfelt aus - das Dach vom DAF, die Seitenlinie von MAN, unten wie der alte Scania." Zudem vermisst Markus die elektronische Handbremse seines FH und die Farbgebung im Innenraum findet auch keine Gnade vor seinen Augen. "Das Hellgrau sieht aus wie vom Actros erster Generation." Dann greift er zum Smartphone und zeigt ein erstes Foto eines "gepimpten" New Scania. "Mit Sonnenblende, im Zweifarbenlack, einem schönen Leuchtenbügel am Dach, da kann man sich das Ding ansehen. Aber so bleibe ich lieber bei meinem Volvo. Der ist schon vier Jahre auf dem Markt, hat aber mehr Innovationen zu bieten als der neue Scania."

DER NEUE SCANIA FINDET GNADE VOR DEN AUGEN (EINIGER) FH-CHAUFFEURE

Nicht ganz so kritisch ist Hans Steger, ebenfalls FH-Fahrer, aber umgestiegen von Scania: "Den Innenraum finde ich toll und beim Armaturenbrett hat Scania einen guten Kompromiss aus der Fahrerorientierung beim alten und etwas besserem Durchstieg beim neuen Modell gefunden. Hans wäre mit der R-Version zufrieden. "Ein kleiner Tunnel bringt mehr Vor- als Nachteile, weil das Auto sauberer bleibt. Und stehen kann man doch auch in dem echt gut."

Jimmy Teunckens ist MP2-Fahrer aus Belgien. Er interessiert sich erst mal für die Bluetooth-Connectivity des neuen Scania mit seinem Smartphone - und ist begeistert, als es auf Anhieb klappt. "Trotzdem ist das Ding so kompliziert, dass man wohl ohne Lesen der Bedienungsanleitung nicht damit klarkommt." Bezüglich seiner Frage nach Assistenzsystemen ist er ein wenig enttäuscht. "Bei so einem modernen Auto hätte ich doch erwartet, dass der Spurbindungsassistent mit einer Aktivlenkung kombiniert ist, die wieder selbsttätig zurücklenkt. Leider Fehlanzeige." Versöhnt ist Jimmy, der früher mal einen 320er-Scania gefahren hat, beim Bedienkonzept: "Das Multifunktionslenkrad und den 'Schalthebel' kennt man aus dem Vorgänger. Und das war ja wirklich gut."

Mit Ralf Müller, der mit seinem nicht verwandten oder verschwägerten Chef Thomas Müller auf den Autohof gekommen ist, betritt ein Scania-Fan die Bühne. Ralf hat sich am Nürburgring den Greif tätowieren lassen, den er stolz präsentiert.

AN DIE OPTIK OHNE SONNENBLENDE KANN SICH KEINER GEWÖHNEN

Der R520-Fahrer zeigt sich dann auch - wie erwartet - positiv eingestellt: "Bett und Fahrerhaus sind deutlich gewachsen. Wobei ich das Ausziehbett immer als lustiges Gimmick betrachtet, es aber selten genutzt habe ... Doch selbst Ralf kann sich etwas Kritik nicht verkneifen. "Also ohne Sonnenblende geht ja gar nicht!" Als Scania-Profi widmet er sich sofort dem Menü des Bordcomputers. "Das ist echt klasse gemacht. Da kann man jetzt übersichtlich blättern, wie in einem Computer-Betriebssystem. Und viel mehr Infos sind auch hinterlegt." Nach ein paar Minuten "Spielen" an allen Schaltern meint er noch: "Die grundsätzliche Bedienphilosophie ist nicht neu. Trotzdem scheint mir der Neue nicht mehr ganz so simpel."

Sein Chef, Thomas Müller, hat es sich inzwischen auf dem Beifahrersitz gemütlich gemacht. "Der Drehsitz ist 'ne feine Sache", meint er. "Und viel besser als im Volvo, wo man wegen des Motortunnels kaum Fußraum hat. Auch wenn der R hier ebenfalls einen Motortunnel hat, haben die Scania-Interieurdesigner das besser umgesetzt." Thomas Müller ist, was man in Bayern ein "stattliches Mannsbild" nennen würde. Insofern ist es als Lob zu verstehen, dass er dem Scania viel Bewegungsfreiheit und enormen Platz am Fahrerplatz bescheinigt. "Auch die Armaturen hat Scania toll hinbekommen."

Zum Thema Armaturen fällt Winfried Walgenbach sofort ein: "Wer Audi kennt, kommt mit dem neuen Scania sicher gut zurecht. Der A6-Fahrer und Inhaber eines Transportunternehmens bescheinigt dem neuen Scania schöne Spiegel, die man noch richtig anpacken könne - und die nicht so filigran seien wie etwa beim Volvo. "Das Armaturenbrett ist in seiner Form eine Mischung aus aktuellem Scania und MAN TGX. Ich find's schön und vor allem sehr wertig verarbeitet." Dass Scania nun endlich auch vernünftige Staufächer habe, beim S sogar außen gleich vier, findet Winfried ebenfalls "gut. Und bei der Ergonomie hat Scania ja schon immer Maßstäbe gesetzt."

AUS BERUFENEM MUNDE HEISST ES:

DER NEUE FÄHRT SICH VIEL BESSER

Die meiste Erfahrung mit dem neuen Scania bringt Matthias Hassel mit, der eher zufällig vorbeikommt. Er ist Fuhrparkleiter bei der Spedition Höhner und hat schon einen Prototypen des Neuen im Einsatz. "Unserer hat die flache Hütte, die soll wohl wieder P oder auch Q heißen, mit hohem Motortunnel, aber langer Kabine. Für den Fernverkehr also eher nichts. Wir bleiben bei den BDF-Autos beim R und nehmen den S für die Sattelzugmaschinen."

Aufs Design angesprochen, meint Matthias: "Ich habe mir ein wenig mehr erwartet, aber die Aerodynamik steht heute im Vordergrund. Andererseits ging es mir beim neuen Volvo auch nicht anders. Den mochte ich anfangs auch nicht und heute finde ich ihn schön. Wenn die Neuen erst mal unser Firmendesign, breite Schlappen auf der Vorderachse und eine Sonnenblende haben, sehen die sicher ganz ordentlich aus."

Matthias hat auch schon Fahrerfahrung mit dem neuen Scania: "Er fährt sich wirklich toll! Die Schaltgeschwindigkeit ist viel höher als beim Vorgänger und er vermittelt guten Kontakt zur Straße. Vor allem springt er nicht mehr so, wenn er leer ist, wozu sicher der jetzt längere Radstand beiträgt."

Scheint, als seien die Kommentare am Ende doch noch ganz versöhnlich.

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