Supertest DAF CF 440: Compakt-Fuhre

Für Fahrer kein Traumlaster: DAF CF 440
© Foto: Karel Sefrna

Kompakt, leicht, sparsam, günstig: Argumente, deretwegen der DAF CF bei Unternehmern beliebt ist. Kann man als Fahrer mit ihm warm werden?


Datum:
28.04.2016
Autor:
Gerhard Gruenig

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Mit dem CF tritt DAF gerne zum Test an, denn das Leichtgewicht fährt meist gute Ergebnisse ein. Jetzt schickten die Eindhovener ihren "Compakt Forte" erneut ins Rennen, weil sie ihn gründlich feingetunt haben.

Unser CF 440 Space Cab glänzt mit technischer Feinkost: verfeinerter GPS-Tempomat, serienmäßiger Notbremsassistent, optimierte Schaltstrategie der bewährten ZF-AS-Tronic, aufgefrischtes Interieur sowie ein neues Infodisplay mit integriertem Fahrinformationssystem namens DPA (Driver Performance Assist).

ETLICHE ZENTNER LEICHTER UND VIELE TAUSEND EURO GÜNSTIGER

Der CF ist wegen der kleineren Kabine und dem kompakten MX-11-Motor rund 150 Kilo leichter und etwa 15.000 Euro billiger als ein XF. Der 10,8-Liter-Sechszylinder bringt es auf 435 PS. Die Maximalleistung erreicht der Antrieb erst bei 2100 Touren. Faktisch stehen aber bei 1300/ min schon 395 PS bereit. Die maximal 2100 Nm ab 1000 Touren liefert der Niederländer nur im höchsten Gang. Ansonsten regelt DAF ihn um 200 Nm ab. So konfiguriert bringt er es auf fahrfertige 7150 Kilo - durchaus konkurrenzfähig.

Was besonders neugierig macht: der GPS-Tempomat PCC (Predictive Cruise Control). Vorm Berg aufs Gas zu gehen, spart sich PCC. Das brächte Schwung, kostet aber am Ende Diesel. Der Fahrer hat drei Grundeinstellungen, um über die Kuppe zu rollen: -4, -7 oder -10 km/h. Für den Test wählten wir 85 km/h, mit 78 km/h über die Kuppe und 90 km/h bergab.

Ungeachtet nutzt das System das Rollen über den Berg stets so, dass im folgenden Gefälle das programmierte Maximaltempo erreicht wird. Vielleicht nicht die sparsamste Strategie, aber praxisnah und -tauglich.

Im Test-Lkw harmonierte der GPS-Tempomat gut mit dem Getriebe und Eco-Roll. Zum guten Gesamtbild trägt der schon 2015 überarbeitete, auf niedrige Drehzahlen abonnierte Motor bei. Probleme hat das Getriebe nur, wenn der Fahrer verkehrsbedingt verzögert und dann wieder Gas gibt. Dann dauert es (zu) lange für den passenden Anschlussgang.

Gefallen hat uns Speed-Shift - schnelle Rückschaltungen am Berg in den Gängen zwölf bis zehn. Leider geschehen die Hochschaltungen nach der Kuppe nicht so flott. Und Eco-Roll ist an die Tempomatfunktion gebunden. Wer also ohne Cruise Control fährt, "segelt" beim Rollen nicht grundsätzlich im Leerlauf.

Unbeliebt bei den Fahrern dürfte die serienmäßige "Performance-Reduzierung" werden. Beschleunigungsvorgänge im Tempomat (ab 30 km/h) realisiert der CF mit kraftstoffeffizienter Schaltstrategie und auf 1500 Touren limitierter Drehzahl. Leider verliert der Tempomat trotz der neuen Technik mit gelungener Integration der Anzeigen ins Cockpit noch immer die Setzgeschwindigkeit, wenn der Fahrer beibremst. Leistungsstark zeigt sich die neue MX-Motorbremse. Allerdings schaltet die AS-Tronic im Bremsbetrieb oft nicht weit genug zurück.

DIE ÜBERARBEITUNG DES "PCC" SPART DIESEL UND MACHT GESCHWINDIGKEIT

Mit 24,1 l/100 km ist der aktuelle DAF CF 440 fast einen Liter sparsamer als das 2015er-Modell. Dabei führt die Feinarbeit am GPS-Tempomaten trotz reduziertem Verbrauch sogar zu mehr Tempo (80,9 statt 79,9 km/h).

Zu den Sonnenseiten des Holländers gehören neben der guten Betriebsbremse mit gelungener Bremsintegration eine direkte und dennoch ausreichend leichtgängige Lenkung, ein straffes Fahrwerk mit angemessenem Restkomfort sowie eine zur gelungenen Federungsabstimmung passende Kabinenlagerung. Der CF ist übersichtlich, dennoch stören die Stege in den Seitenscheiben. Kabinenklimatisierung und Isolation des CF sind nicht so gut wie beim XF. Inzwischen hat DAF den DPA überarbeitet, der jetzt akkuratere Ergebnisse zeigt.

Das Interieur des CF wirkt frisch, die Klimasitze sind bequem und mit knapp 1,90 Meter Stehhöhe auf dem Motortunnel bietet der CF, gemessen an der kleinen Kabine, viel Platz. Die Betten mit ihren Komfortmatratzen sind ebenfalls bequem und auch für Großgewachsene lang genug, wenn auch nicht besonders breit. Insgesamt ist der CF gut verarbeitet. Das optionale LED-Abblendlicht ist entbehrlich, das Innenlichtkonzept erfüllt Grundbedürfnisse.

DAF hat die Integration der elektronischen Fahrerassistenten gut hinbekommen. Der MX-11-Motor ist eine leichte und sparsame Option zum MX-13. Im Fernverkehr ist der CF dennoch keine echte Alternative zum XF. Wer die Vorteile des "Kleinen" in dem Einsatz auskosten will, muss genügsame Fahrer haben.

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