Gesundheits-Apps: Die kleinen Helfer

Sagenhafte 100.000 Apps existieren weltweit in den Kategorien Gesundheit und Medizin
© Foto: picture alliance/obs/ABDA

Tausende Gesundheits-Apps bieten Informationen und Dienstleistungen jeglicher Art. Was sie können und worauf Sie achten sollten.


Datum:
21.06.2014
Autor:
Sabine Köstler

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Wann ist Ihre nächste Gesundheitsuntersuchung fällig? Wie hieß nochmal der Augenarzt, bei dem Sie zuletzt waren? Welche Apotheke hat geöffnet, wie hoch ist Ihr Pulsschlag im Moment, wie viele Kalorien sollten Sie heute noch zu sich nehmen?

Wenn Sie das wissen wollen, befragen Sie einfach Ihr Handy. Sagenhafte 80.000 bis 100.000 Apps existieren weltweit in den Kategorien Gesundheit/Fitness und Medizin. Pro Monat kommen 1000 neue hinzu. Allein beim Suchwort "BMI-Rechner" liefert der Google Play Store 248 Versionen.

Doch was bieten diese Anwendungen? Was ist Spielerei und was beinhaltet tatsächlich einen praktischen Nutzen für unsere Gesundheit? Um das herauszufinden, ist es wichtig zu unterscheiden zwischen Gesundheits-Apps ("Healthsoftware) und medizinischen Apps ("medical apps"). VIELE DER APPS DIENEN MEDIZINISCHE ZWECKEN Von einer Gesundheits-App kann man grundsätzliche Informationen und Tipps/Coaching erwarten, zum Beispiel zur Ernährung (z.B. Diät-Tipps, Kalorienzähler, Rezepte), zu Bewegung/Fitness (Schrittzähler, Yoga, Rückentraining) oder zur Vorsorge (Pollen-App, Zahnhygiene, UV-Strahlen-Rechner). Hilfreich im Alltag sind hier die integrierten Management-Funktionen: Impferinnerung, persönliches Ärzteverzeichnis, Aufforderungen, sich mehr zu bewegen.

Medizinische Anwendungen dagegen dienen zum Beispiel der Diagnostik und Therapie von Erkrankungen und werden teils für medizinische Fachkräfte entwickelt, zum Beispiel zur Wunddokumentation und -behandlung oder auch zur Labordatenverwaltung. Mittels Adaptern werden mobile Endgeräte heute zum Diagnosegerät und messen und speichern die Körpertemperatur, den Pulsschlag oder den Blutzuckerspiegel.

Ein Großteil der App-Anbieter stammen aus den USA. Hier standen Softwareentwicklern viele Jahre lang Türen und Tore offen, erst 2013 stufte die Überwachungsbehörde FDA (Food and Drug Administration) etliche der Apps als Medizinprodukte ein. In Deutschland gilt: Apps, die medizinische Befunde ermöglichen, sind Medizinprodukte, sie fallen unter §3 des Medizinproduktgesetzes, wenn sie der "Erkennung, Verhütung, Überwachung, Behandlung oder Linderung von Krankheiten oder Verletzungen" dienen. Sie müssen EU-Richtliniengeprüft sein und die CE-Kennzeichnung tragen. Was Sie von einer App erwarten können (oder befürchten müssen), ist nicht immer gleich klar. Nur bedingt aussagekräftig ist die Sternebewertung der Shops - die Meinungen der User sind immer geteilt. Im Gesundheitsbereich ist es aber wichtig, eine App vor dem Download auf den Prüfstand zu stellen.

WAS KANN DIE APP? FRAGEN SIE DAS INTERNET Verschiedene Organisationen sind hier behilflich. Etwa die im Aufbau befindliche Qualitäts-/Bewertungsplattform "AppCheck". Sie wird vom ZTG Zentrum für Telematik und Telemedizin GmbH entwickelt, das Gesundheitsministerium NRW fördert das Projekt. Auf der Seite www.gesundheitsapps.info gibt man Hinweise zur Nutzung und bewertet die Anwendungen zum Beispiel hinsichtlich - Datenschutz: Welche Daten sind einzugeben, ist das wirklich notwendig? Wo werden sie gespeichert, auf dem Smartphone/Tablet oder extern? Wie werden sie verarbeitet, an wen weitergegeben? - Medizinische Sicherheit: Gibt es Warnhinweise? Sind die errechneten persönlichen Werte plausibel? Unterscheiden sich die Werte von denen, die ein Arzt misst? - Vertrauenswürdigkeit: Wer ist der Herausgeber? Ein medizinisches /wissenschaftliches Institut, eine Krankenkasse, ein Pharma-Unternehmen oder IT-Systemhaus? - Verständlichkeit: Sind Ratschläge verständlich und plausibel? Wurden die Texte aus einer anderen Sprache fehlerfrei übersetzt? - Funktionalität: Gibt es technische Schwächen, Programmierfehler, wie hoch ist der Akkuverbrauch?

MIT SENSIBLEN DATEN VORSICHTIG UMGEHEN Lohnend ist auch der Blick in die Seite www.healthon.de - eine Datenbank mit über 150 Tests von Gesundheitsapps. Die "Initiative Präventionspartner", ein unabhängiges Netzwerk zur Gesundheitsvorsorge und -aufklärung, betreibt sie, bewertet und testet Apps. Die Initiative setzt auf freiwillige Selbstkontrolle: Wer als App-Anbieter den HealthOn-Ehrenkodex befolgt, verpflichtet sich bei seinem Produkt zu besonderer Sorgfalt und Verantwortung. Der Verbraucher erkennt dies am HealthOn-App-Siegel. Es ist zu empfehlen, vor jedem Download einer App einen genauen Blick ins Kleingedruckte zu werfen. Wie immer im E-Bereich braucht man hier ein gesundes Maß an Misstrauen und sollte mit der Preisgabe persönlicher Daten knausern. Dann muss man auf den Spaß und den Nutzen der kleinen Helfer nicht verzichten.

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