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Farbenpracht: Tätowiert zu sein, ist unter jungen Leuten fast schon zum Kult geworden
© Foto: Martin Benik/stock.adobe.com

Der Frühling ist da, also hoch mit den Ärmeln und Hosenbeinen - und sei es, um das brandneue Tattoo zu zeigen. Was man vor dem Stechen wissen sollte.


Datum:
08.05.2019
Autor:
Sabine Köstler

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Zwölf Prozent der Deutschen haben oder hatten eine Tätowierung, meldet das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vor wenigen Tagen. Und immerhin sieben Prozent der bisher Schmucklosen liebäugeln mit einem Tattoo. Sie halten es für "eher wahrscheinlich" oder sogar "sehr wahrscheinlich", dass sie sich irgendwann einmal unter die Nadel begeben werden.

Damit wäre jeder fünfte Deutsche tätowiert. Auf ganzer Linie also ein Siegeszug des Körperschmucks, der vormals hauptsächlich Gefängnisinsassen oder Fremdenlegionären zugeschrieben wurde. Dabei gibt es eine Jahrtausende alte Tradition des Tätowierens. In manchen abgelegenen Gegenden Asiens und Afrikas werden immer noch natürliche Werkzeuge wie Stacheln oder Dornen und Pflanzenfarben verwendet. Der Schmuck auf der Haut gilt dort zum Beispiel als Auszeichnung für Jagdgeschick oder Ausdruck des Erwachsenwerdens. Tätowierungen wurden auf der 4000 Jahre alten Mumie einer ägyptischen Priesterin und auch auf dem 5300 Jahre alten mumifizierten Körper des Steinzeitmenschen Ötzi gefunden.

Das Körper- und Weltbild hat sich geändert. Tattoo-Studios sind heute wahre Tempel des Körperkults, die Tätowierer im besten Fall Meister ihres Fachs. Videos, Blogs, "Scripted-Reality"-Serien - das Thema boomt. Doch leider gibt es für die Tätigkeit des Tätowierens keine geregelte Ausbildung. Jedermann kann sich über das Internet eine Billig-Tätowiermaschine aus China kaufen und in der eigenen Bude loslegen.

Das gesundheitliche Risiko des Tätowierens schätzt man in Deutschland trotzdem als nicht besonders hoch ein. Unter den "Unbedarften" der über 1000 Befragten der Studie glaubt das jeder Dritte. Die schon Tätowierten wiegeln ab und äußern zu zwölf Prozent entsprechende Befürchtungen. Leider sind sie damit ein bisschen zu leichtsinnig unterwegs - die Liste der möglichen gesundheitlichen Risiken ist tatsächlich lang. Sie reicht von Hautreizungen und Allergien über Entzündungen und Infektionen bis zu Hepatitis B.

VORSICHT BEI TÄTOWIERERN
IN EXOTISCHEN LÄNDERN

Beim Tätowieren wird in die untere Hautschicht gestochen und das oft auf großen Flächen. Zum einen blutet das, zum anderen ist dadurch die natürliche Hautbarriere des Menschen verletzt und es öffnen sich Tür und Tor für Bakterien, Keime, Viren. Sind also Flächen unsauber oder das Besteck unsteril, kann man sich schon durch geringste Mengen Blut, die irgendwo haften, Krankheiten einfangen. Deshalb sollte man sich auch tunlichst an den allgemeinen Rat halten, spontane Tätowierungen in dunklen Urlaubsstrandhütten besser sein zu lassen: Unsterile Utensilien, mehrfach verwendete Nadeln und Handschuhe, Giftstoffe in den Farben - das alles kann verheerende Folgen haben.

In Deutschland ist die Hygiene Ländersache. Wer ein Tattoo-Studio eröffnen möchte, muss sich an die Hygieneverordnung "seines" Bundeslandes halten, die auf dem deutschen Infektionsschutzgesetz basiert. Darin steht zumindest, wie die Räumlichkeiten auszusehen haben und wie das Personal die Hygiene einzuhalten hat. Ob sich ein Studio daran hält, ist relativ leicht zu erkennen (siehe Kasten).

EINE BERUFSZUGANGSREGELULNG
GIBT ES BEI UNS NOCH NICHT

Eine gesetzlich geregelte Berufszulassung existiert bislang leider nicht. Das finden auch die meisten Tätowierer nicht wirklich gut. Es gibt in Deutschland drei große Tätowierer-Verbände. Der älteste von ihnen - DOT e.V. - ist federführend im Bemühen darin, sinnvolle Lösungen für die Zukunft zu finden. Ende Dezember 2018 hat denn auch in Berlin der erste "Tätowier-Gipfel" stattgefunden. Neben den organisierten Tätowierern waren unter anderem Vertreter der Bundesregierung, des DIN-Normierungsausschusses, des Hautärzte-Berufsverbandes und der gesetzlichen Krankenkassen vor Ort und alle wollen dasselbe: sichere Rahmenbedingungen für Verbraucher wie zum Beispiel einheitliche Hygienestandards. Was das "Können" betrifft, so liegt das natürlich meist im Auge des Betrachters; viele Tätowierer haben ihren ganz eigenen Stil. Dennoch wäre es nicht unwichtig, auch medizinische Kenntnisse zu verlangen: Eine Tätowierung ist ein medizinischer Eingriff und gilt rechtlich als Körperverletzung. Im Nachbarland Österreich muss, wer das Gewerbe anmelden möchte, mindestens zweieinhalb Jahre in einem offiziellen Studio gelernt haben und auch eine Prüfung ablegen, also jemanden tätowieren. Geprüft wird dies von einem Amtsarzt.

FARBPIGMENTE KÖNNEN
IM KÖRPER WANDERN

Nicht unproblematisch ist hierzulande auch das Thema Tätowierfarbe - sie unterliegt keiner behördlichen Prüfungs-/ Zulassungspflicht. Nur der Hersteller der Farbe ist für deren Sicherheit verantwortlich. Zwar sind kraft der deutschen Tätowiermittelordnung einige problematische Inhaltsstoffe verboten, es gibt aber keine "Positivliste", eine Liste gesundheitlich unbedenklicher Stoffe, die verwendet werden dürfen. Die Farben könnten krebserregende Substanzen enthalten oder verunreinigt sein. Normalerweise lösen sich kurz nach dem Tätowieren bestimmte Hilfs- und Konservierungsstoffe der flüssigen Farbe im Körper. Nur die unlöslichen Farbpigmente verbleiben unter der Haut - und auch hier gibt es Überschüsse, die der Körper versucht abzutransportieren. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft berichtet auf seiner Informationsseite safer-tattoo.de, dass "noch niemand genau weiß, was über längere Zeit mit den Farbpigmenten im Körper passiert". Über die Lymphflüssigkeit könnten Farbpartikel an irgendeiner Stelle im Körper abgelagert werden - in Tierversuchen soll sich das bereits gezeigt haben.

Die Seite des Ministeriums ist entstanden in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Tattoo. Sie bietet ausführliche Informationen, denn es gibt viel zu wissen, etwa, was Diabetiker beachten müssen, ob die Krankenkasse bei Problemen zahlt und wofür das Tattoo-Studio haften muss, wenn etwas schief geht. Wer Lust auf ein Tattoo hat (oder sich eines entfernen lassen will), sollte sich auf dieser Website, bei den Vereinen (im Kasten rechts) oder beim Arzt gut informieren. Dann steht dem Körperschmuck nichts im Wege. 

SK


Tipps für die Studiosuche

Die Hygieneverordnungen der einzelnen Bundesländer schreiben ähnliche Standards für Tätowierstudios vor. Einige Basics daraus sind mit einem guten Rundumblick auch für Kunden zu erkennen.

Achten Sie auf folgende Merkmale:

  • Alles wirkt sauber und aufgeräumt.
  • Keine Hunde/anderen Tiere, Lebensmittel, Getränke oder Zigaretten sind zu sehen.
  • Der Tätowierer erklärt vorab die Risiken. Eine schriftliche Einverständniserklärung wird vom Kunden verlangt.
  • Die Tätowierstühle/Arbeitsräume und der Eingangsbereich sind räumlich getrennt.
  • Alle Flächen im Arbeitsraum sind abwischbar.
  • Abfalleimer haben geschlossene Deckel.
  • Im Arbeitsraum befindet sich ein Handwaschplatz mit Seifen- und Desinfektionsspender (für Kunden tabu).
  • Es werden steril verpackte Einwegnadeln verwendet.
  • Einwegrasierer, Holzmundspatel, Nadeln, Farbtöpfchen liegen ordentlich bereit.
  • Der Tätowierer arbeitet mit Einmalhandschuhen und wechselt sie, wenn er etwas "Arbeitsfremdes" anfassen musste.
  • Der Tätowierer erklärt die Nachbehandlung der Wunde.

Ausführliche Informationen rund um
das Thema Tätowieren gibt es hier:

https://www.safer-tattoo.de/     Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft:  unabhängige Information, Checklisten

https://www.dot-ev.de/     Deutschlands Organisierte Tätowierer e.V.

http://www.bundesverband-tattoo.de/     Bundesverband Tattoo e.V. 

https://www.protattoo.org/     ProTattoo e.V.

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