Moderne Fahrerassistenzsysteme gehören inzwischen zur Standardausstattung vieler Lkw. Dennoch werden ihre Sicherheitsfunktionen im Alltag nicht immer konsequent genutzt.
DGUV fordert konsequente Nutzung von Abbiege-, Spurhalte- und Abstandsassistenten
Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung rät Unternehmen dazu, klare Regeln aufzustellen, und ihr Fahrpersonal zu unterweisen, damit Fahrerassistenzsysteme im Lkw eingeschaltet bleiben. Dabei ist es egal, ob es sich zum Beispiel um Notbremsassistent, Abbiege-, Spurhalte- oder Abstandsassistenten handelt. Eingeschaltete Systeme würden die Sicherheit erhöhen.
Fahrerassistenzsysteme in Lkw sollten eingeschaltet sein, sonst können ihre Funktionen im Fall der Fälle nicht schützen und Unfälle vermeiden. Darauf weist die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) in einem Beitrag ihrer Zeitschrift „Arbeit und Gesundheit“ hin. Eine wichtige Basis dafür ist allerdings, dass Unternehmen ihre Lkw-Fahrer und -Fahrerinnen entsprechend schulen und klare Regeln aufstellen.
Umfrage zeigt geringe Akzeptanz für Systeme
Viele Lkw-Fahrer nutzen die digitalen Helfer noch zu wenig, schalten sie phasenweise oder permanent ab. Das ergab eine Umfrage des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR). Doch warum werden Fahrerassistenzsysteme trotz ihrer Sicherheitsvorteile von vielen Fahrern nicht dauerhaft genutzt?
„Insbesondere fehlendes Vertrauen in die Technik kann dazu führen, dass Beschäftigte Systeme abschalten“, erklärt Christopher Frank, Experte für Verkehrssicherheit an der DGUV Akademie.
Grenzen der digitalen Assistenz im Lkw
Diese Skepsis sei in speziellen Situationen nicht unbegründet. „Die digitale Assistenz stößt etwa bei der Durchfahrt durch enge Baustellen an ihre Grenzen, weil sie Markierungen oder fehlende Begrenzungen nicht immer zuverlässig erkennen kann. Doch das ist kein Grund, sie nicht zu nutzen.“
DGUV empfiehlt Fahrerunterweisung für Assistenzsysteme im Lkw
Aus Sicht der DGUV lässt sich die Akzeptanz der Systeme jedoch gezielt verbessern. Unternehmen sollten ihre Fahrer entsprechend schulen, so der Experte: „Wer die Funktionsweise eines Systems versteht, kann auch besser einschätzen, was die Technik leisten kann - und wo ihre Grenzen liegen.“
Außerdem empfiehlt Frank, klare betriebliche Regeln aufzustellen, was das Ein- und Ausschalten der Technik angeht. „Unternehmen sollten in Dienstanweisungen festlegen, dass Assistenzsysteme grundsätzlich genutzt werden.“
Ein kurzfristiges Abschalten kann zwar in bestimmten Situationen sinnvoll sein, etwa bei besonderen Witterungsverhältnissen oder in bestimmten Baustellenbereichen. Anschließend müssen die Systeme jedoch wieder eingeschaltet werden, so die DGUV in ihrem Beitrag. Gleichzeitig entwickelt sich die Technik kontinuierlich weiter und eröffnet zusätzliche Möglichkeiten für mehr Sicherheit.
KI-gestützte Fahrerassistenzsysteme erkennen Gefahren früher
Trotz technischer Fortschritte bleibt jedoch ein Grundsatz bestehen: Die Verantwortung für sicheres Fahren liegt weiterhin beim Menschen. Was der DGUV-Experte betont: Fahrerassistenz kann zwar unterstützen, aber ersetzt nicht Aufmerksamkeit und umsichtiges Verhalten im Straßenverkehr. Das Fahrpersonal sei weiterhin verantwortlich für die Sicherheit auf der Straße.
Gleiches gelte auch bei KI-gestützten Fahrerassistenzsystemen. Die Entscheidungen von KI-Assistenzsystemen müssen immer übersteuerbar bleiben, so wie es bislang bei anderen Assistenzsystemen schon der Fall ist.
Grundsätzlich können sie aber mehr Sicherheit schaffen, weil sie Informationen aus Kamerabildern, Fahrzeugdaten und Abstandssensoren miteinander verknüpfen und dadurch andere Verkehrsteilnehmende sowie mögliche Gefahren früher erkennen. „Das kann im Ernstfall Leben retten“, sagt Frank.