Europa verfügt langfristig über ausreichend nachhaltige Ressourcen, um den Verkehr auch ohne fossiles Erdöl zu betreiben. Zu diesem Ergebnis kommt eine
Studie des Karlsruher Instituts für
Technologie (KIT), die im Auftrag der BMW AG erstellt wurde. Angesichts der aktuellen Unsicherheiten auf den internationalen Energiemärkten sei das eine positive Perspektive, betont Professor Thomas Hirth, Vizepräsident Transfer und Internationales des KIT. Durch die effiziente Nutzung von Rest- und Abfallstoffen könne der Straßenverkehr unabhängiger von Energieimporten werden und zugleich seine CO₂‑Emissionen deutlich senken.
Die Untersuchung basiert auf einem ambitionierten Szenario zur Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens. Einige der dafür notwendigen politischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen müssten allerdings noch geschaffen werden. Im Fokus der Studie stehen vor allem biogene Rest- und Abfallstoffe, etwa Stroh aus der Landwirtschaft, Holzreste aus der Forstwirtschaft oder biogene Abfälle. Ergänzt werden diese Potenziale durch Zwischenfrüchte sowie Energiepflanzen, die auf ertragsschwachen Böden wachsen und nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion stehen.
Diese breite Rohstoffbasis sorgt laut den Forschenden für Versorgungssicherheit. Alt-Speiseöl spiele dabei nur eine untergeordnete Rolle, erklärt Professor Thomas Koch vom Institut für Kolbenmaschinen (IFKM) des KIT, der die Studie geleitet hat. Es mache lediglich rund ein Prozent des gesamten Rohstoffportfolios aus. Deutlich größere Mengen seien dagegen bei Pflanzenresten und Holzfasern verfügbar, die ohnehin anfallen und sich für die Herstellung klimafreundlicher Kraftstoffe eignen. Voraussetzung sei jedoch, dass fortschrittliche Biokraftstoffe auf Basis sogenannter reFuels politisch und gesellschaftlich stärker unterstützt werden.
Untersucht wurden verschiedene technologische Verfahren zur Umwandlung von Biomasse in flüssige Kraftstoffe. Dazu zählt unter anderem das HVO‑Verfahren, bei dem ölhaltige Reststoffe zu Dieselersatz verarbeitet werden, ebenso wie methanolbasierte Prozesse. Letztere nutzen zunächst ein Gas als Zwischenprodukt, aus dem anschließend Benzin- oder Dieselersatz entsteht. Diese Technologien seien flexibel einsetzbar, erklärt Professor Nicolaus Dahmen vom KIT, und funktionierten auch bei wechselnden Rohstoffmischungen.
Während HVO‑Kraftstoffe bereits an Tankstellen verfügbar sind, befinden sich andere Verfahren noch in der Entwicklung. Am KIT werden entsprechende Kraftstoffe bereits produziert und in Fahrzeugen erprobt. Die Studie zeigt zudem, dass sich die Ausbeute deutlich erhöhen lässt, wenn zusätzlich Wasserstoff eingesetzt wird.
Trotz des Ausbaus der Elektromobilität bleibt der Bedarf an flüssigen Kraftstoffen hoch, so Dr. Olaf Toedter vom IFKM. Viele Fahrzeuge würden noch lange im Bestand bleiben. Für diese Bestandsflotte könnten erneuerbare Kraftstoffe einen direkten Beitrag zur Reduzierung der CO₂‑Emissionen leisten.
Die Studie entstand in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Biomasseforschungszentrum (DBFZ) sowie den Unternehmen Freyberger engineering GmbH und BMW AG.