Günter Pille und sein Friedens-Truck

Ein Zeichen für den Frieden: Showtruck von Günter Pille
© Foto: Reiner Rosenfeld

Zehntausende Menschen sterben jährlich durch Krieg und Terror; Millionen sind auf der Flucht. Mit seinem neuen Lkw setzt Günter Pille ein Zeichen.


Datum:
20.04.2015
Autor:
Reiner Rosenfeld

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Der Konflikt in der Ukraine, Kämpfe in Afghanistan und im Irak, tödliche Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Palästinensern und Bürgerkrieg in Syrien: Das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung (HIIK) listet weltweit 414 Konflikte auf, darunter 45 hochgewaltsame. Hunderttausende Menschen ließen dabei ihr Leben, Millionen sind auf der Flucht.

Einer, der diese weltweiten Tragödien nicht mehr mit ansehen kann, ist der Transporteur Günter Pille aus Lohne. Er musste etwas unternehmen- und zeigt seine Haltung mit einer nie dagewesenen Maßnahme: Pille ließ den neuesten Lkw in seinem Fuhrpark, einen 580er Scania, vom Airbrusher Roland Just als Friedens-Lkw oder besser gesagt als Anti-Kriegstruck sprayen. Und Just hat es geschafft, einen echten Hingucker zu gestalten - genau das, was sich Günter Pille von seinem "Neuen" erhoffte.

"Ich wollte einen Truck, der die Menschen zum Nachdenken und Erkennen bringt!" meint der 60-jährige Unternehmer. "Die Welt soll endlich erkennen, dass Krieg kein Mittel ist, um Interessen durchzusetzen. Schon gar nicht beim Kampf der Staaten um die Ölreserven." Deswegen ist Günter Pille auch der Spruch "Wenn Krieg die Antwort ist, dann war die Frage falsch", auf dem Heck des dunkelblauen Schweden so wichtig. Passend dazu symbolisiert er den Kampf um die Ölreserven der Welt mit einem leeren Ölfass auf einer der Tankverkleidungen des Showtrucks. Im Deckel des Ölfasses sitzt eine Tankuhr, die auf Reserve steht.

DER ANTI-KRIEGS-AIRBRUSHTRUCK IST KEIN SHOWTRUCK IM ÜBLICHEN SINN

Dabei ist der "PEACE NOT WAR"-Truck für Günter Pille kein Showtruck im üblichen Sinne: "Mit einem Showtruck will ich unterhalten und die Aufmerksamkeit auf das Unternehmen, den Fahrer, und die Schönheiten des Berufs lenken! Mit dem Friedenstruck will ich dagegen die Herzen erreichen und politisch etwas bewegen!"

Aus diesem Grund hat sich der Niedersachse dazu entschlossen, den Anti-Kriegstruck von politischer Prominenz signieren zu lassen; am liebsten von der Bundeskanzlerin Angela Merkel persönlich. "Bis ins Vorzimmer ihres Büros bin ich telefonisch schon vorgedrungen", berichtet Günter Pille schmunzelnd. Eine Zusage der Kanzlerin steht aber noch aus. Ob er es schaffen wird, den Truck politisch wirksam vor dem Bundestag zu parken und von der mächtigsten Frau der Welt verzieren zu lassen, wird sich noch erweisen. Merkels intensive Friedensbemühungen im Ukrainekonflikt lassen Pille jedoch hoffen. Auch andere Politiker/-innen dürfen laut Günter Pille gerne zum Signierstift greifen. Dafür gibt es auf der Fahrer- und Beifahrerseite der Zugmaschinen mit den Schildern "no war" und "no bombs" extra weiße Flächen.

Dass Pille es ernst meint mit seinem Engagement für Menschen, beweist er seit Jahren zusammen mit seiner Frau Ulla. 112.000 Euro sammelten die beiden in den letzten Jahren mit ihrem gemeinnützigen Verein "Gebrochene Kinderherzen" für Familien mit krebskranken Kindern. Mit dem Geld helfen sie, finanzielle Not zu lindern, besorgen medizinische Geräte, die von Krankenkassen nicht übernommen werden oder erfüllen todgeweihten Kindern einen langersehnten Traum.

Parallel dazu hat das Ehepaar schon vier Hilfskonvois nach Polen, in die Ukraine und nach Moskau begleitet. Selbstverständlich auf eigene Kosten und mit dem eigenen Lastwagen.

Das Engagement für Kinder treibt die Pilles an, seit sie einen Sohn durch eine Krebserkrankung verloren haben. Es spiegelt sich auch im Friedens-Scania mit Sprüchen "Why always the children?" ("Warum immer die Kinder?") oder "Krieg tötet Kinder" wider. Ergänzt werden die Botschaften durch starke Airbrush-Bilder: eine Frau mit einem verletzten weinenden Kind im Arm, ein verzweifelter Mann, der den Tod seines Sohnes betrauert. Die Fotos hat Günter Pille im Internet entdeckt. Die Grausamkeit, die Krieg und Terror zu den Menschen bringen, erschreckte ihn. Das war der Impuls, mit seinem neuen Truck die Menschen aufrütteln zu wollen.

AUF SCHOCKIERENDE BILDER WURDE BEWUSST VERZICHTET

Auf noch drastischere Bilder hat Pille auf seinem Lastwagen dennoch verzichtet. Er will informieren, nicht abschrecken. "Was Menschen in Kriegen tatsächlich angetan wird, das kann heutzutage jeder über Fotos und Videos im Internet sehen. Das muss ich nicht in der vollen Grausamkeit auf einem Lkw darstellen!", ist Günter Pille überzeugt. Vielmehr will er mit seinem Lastwagen die Hoffnung ausdrücken, dass Menschen zukünftig gemeinsame Wege gehen, statt sich zu bekämpfen. Am deutlichsten wird das auf der Rückwand der Zugmaschine. Hier reichen sich Israel und Palästina symbolisch die Hände, umrahmt vom Spruch "Krieg darf kein Mittel der Politik sein". Für Günter Pille ist es das wichtigste Motiv auf dem Scania, den er zumindest in den nächsten Monaten überwiegend selbst lenken wird. "Wenn alle sich die Hände reichen würden, dann wäre Frieden", betont der Unternehmer.

Die Schönheit des Friedens vermitteln Günter Pille und Roland Just auf dem Lkw nur ganz dezent. Es sind bunte Schmetterlinge, die neben Bomben in den Himmel aufsteigen. Die Falter machen klar, wie zart und gleichzeitig verletzlich Friede sein kann. Dafür, dass die Botschaft des Friedenstrucks auch bei Dunkelheit richtig rüber kommt, zeichnet Ulla Pille verantwortlich. Sie hat dafür gesorgt, dass nächtens in der Kabine ein großes Peace-Zeichen leuchtet.

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