Hörndl Transporte: Ganz auf die Fahrer gepolt

Da ist für jeden etwas dabei: Hörndl hat Lkw der verschiedensten Hersteller in der Flotte
© Foto: Christian Bonk

Im Transportgewerbe eint die Unternehmer eine Sorge: die um den Fahrernachwuchs. Bei Hubert Hörndl hat man die Zeichen der Zeit erkannt und bietet den Mitarbeitern viele Extras.


Datum:
22.08.2016
Autor:
Christian Bonk

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Wolfgang Obermaiers Arbeitstage sind lang und nicht immer planbar. Seit eineinhalb Jahren ist er zusammen mit seinem Kollegen Jürgen Eggerl bei Hörndl Transport für die Ausbildung der Lkw-Fahrer zuständig. Alle Module des BKrFQG werden seitdem in Eigenregie unterrichtet. Dazu steigen die beiden Fahrlehrer auch mal mit in die Kabine. "Wir unterrichten drei Module direkt auf dem Lkw und begleiten daher unsere Kollegen bei der regulären Tour", so Wolfgang Obermaier.

Bei derzeit etwa 310 Angestellten und etwa 40 Kollegen von Subunternehmern ist das beinahe täglich eine Begleitfahrt. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass das Konzept aufgeht. "Wir erreichen damit nicht nur unsere Ausbildungsziele viel besser als vorher", erläutert Wolfgang Obermaier das Konzept, "es entsteht auch ein viel engerer Kontakt zu den Kollegen". Die beiden Männer sind längst feste Bindeglieder zwischen Geschäftsführung und Angestellten geworden. Von den Fahrern werden die regelmäßigen Mitfahrten für Gespräche zu Arbeitsbedingungen genutzt, sie machen Verbesserungsvorschläge oder plaudern auch mal aus dem privaten Nähkästchen. Das sind natürlich sensible Informationen, mit denen die Fahrlehrer gut umzugehen wissen.

Inhaber Hubert Hörndl hat diesen Schritt bewusst getan, um sein Unternehmen fit zu machen für die aktuelle Situation und Zukunft. "Der direkte Kontakt zu meinen Fahrern durch das neue Schulungskonzept hat sich bereits jetzt ausgezahlt", freut sich der Chef. "Denn vor allem das ,Eco-Modul' ist ja ein Bereich, der sich direkt bei den Kosten bemerkbar macht."

FAHRERWÜNSCHE BEIM LKW WERDEN SO GUT ES GEHT BERÜCKSICHTIGT

Sämtliche Fahrzeuge des Fuhrparks sind mit Fleetboard ausgerüstet und Hörndl hat immer ein strenges Auge auf die Verbräuche. "Wenn es uns gelingt, die Fahrer dazu zu motivieren, wirtschaftlich zu fahren und die gesamte Technik zu nutzen, die sie an Bord zur Verfügung haben, dann kommen dabei aufs Jahr gerechnet große Summen an Einsparung heraus", erläutert er. Diese Einsparungen kommen aber nicht nur dem Unternehmen zugute: Wolfgang Obermaier und Jürgen Eggerl haben die sogenannte "Hörndl-Liga" gegründet. Bei dieser internen Fahrerliga wird einmal im Quartal ermittelt, wer besonders wirtschaftlich fährt. Die jeweils drei Gruppenbesten aus den fünf Gruppen, in denen die Schichten bei Hörndl organisiert sind, erhalten neben Pokal und Urkunde wertvolle Reise- oder Sachpreise. "Damit erhöhen wir den Reiz natürlich deutlich, sorgsam mit dem Gaspedal umzugehen und vorausschauend zu fahren", kommentiert Obermaier den Wettbewerb.

Zusätzlich setzt Hubert Hörndl auf Lkw, in denen sich die Fahrer wohlfühlen: "Ich leiste mir ganz bewusst einen sehr gemischten Fuhrpark. Momentan haben wir 98 Volvo, 89 Mercedes, 25 MAN, 3 DAF und 2 Scania im Fuhrpark. Wir versuchen die Wünsche der Fahrer nach einem bestimmten Auto - soweit es geht - zu berücksichtigen. Meine Erfahrung zeigt, dass ein Kollege, dem die Kabine behagt, viel besser mit dem Fahrzeug umgeht, als wenn ich ihm eines hinstelle, nur weil ich es besonders günstig bekomme." Der Fuhrpark wird größtenteils in der eigenen Werkstatt gewartet, es gibt außerdem eine Lkw-Waschanlage sowie eine eigene Tankstelle. "Da wir soweit wie möglich alles in Eigenregie machen, habe ich optimale Kostentransparenz und kann frühzeitig gegensteuern, wenn die Kosten irgendwo aus dem Ruder zu laufen drohen", erklärt Zahlenfan Hubert Hörndl sein Konzept. Auch was die Unternehmensausrichtung angeht, setzt man bei Hörndl auf Weitsicht. Nach vielen Jahren in der stark konjunkturabhängigen Automotive-Branche hat der Chef in den vergangenen Jahren Stück für Stück auf einen Masterplan umgesattelt: "Gerade die Krise 2009 hat uns deutlich gezeigt, dass sensible Industriebereiche schnell zum Verhängnis werden können, wenn du dich zu sehr konzentrierst." Inzwischen sind es hauptsächlich Lebensmitteldiscounter und Getränkelogistiker, für die die Hörndl-Flotte im Einsatz ist. "Man kann es fast schon als Sinnspruch nehmen", schmunzelt der Chef, "vor allem auch in schlechten wirtschaftlichen Zeiten wird gegessen und getrunken, manchmal gerade dann besonders viel, wenn man sonst nichts zu lachen hat ..." Ein weiteres Plus der derzeitigen Hauptauftraggeber ist die Tatsache, dass in der Lebensmittellogistik eine Sechstagewoche Usus ist. "So habe ich natürlich eine viel bessere Fuhrparkauslastung", freut sich Hubert Hörndl.

HÖRNDL WIRBT UM FAHRER AUS DEM VERTEILER- ODER KEP-BEREICH

Immer wichtiger für die Kunden wird die Eco-Thematik. "In diesem Zusammenhang sind unsere Bemühungen hinsichtlich des wirtschaftlichen Fahrens besonders wichtig", weiß Hubert Hörndl. Dazu setzt er ausschließlich auf Euro-6-Motoren und "Safer-Green"-Bereifung. Diese Reifen rollen deutlich leiser ab und sind verschleißoptimiert, was bei den Auftraggebern durchaus für gut befunden wird.

Das einzige ernst zu nehmende Problem bei Hörndl ist derzeit eines, das so viele Transportunternehmen umtreibt: der Nachwuchs an guten Fahrern. Denn eine so große Flotte im bundesweiten Einsatz braucht natürlich ständig neue Leute für den Job am Steuer. Hubert Hörndl hat in dieser Hinsicht immer wieder gute Ideen, die schnell umgesetzt werden. So entstand in den vergangenen Jahren ein großes Appartementhaus mit Wohnungen in verschiedenen Größen. Fahrer, die neu ins Team kommen, haben hier die Möglichkeit, für die Übergangszeit ein Zimmer mit Dusche zu bekommen. Aber auch mehrköpfige Familien sind dauerhafte Bewohner des Komplexes. Auch für Mobilität ist gesorgt: Wer nach Forstinning wechselt, am Wochenende aber zur entfernt wohnenden Familie möchte, kann sich ganz unkompliziert ein Poolfahrzeug ausleihen, wenn kein eigenes Auto vorhanden ist. Im Moment haben Wolfgang Obermaier und sein Kollege Jürgen Eggerl eine neue Fahreraktion am Laufen, die sich an 7,5-Tonnen- und Kurierfahrer wendet. Denn diese Fahrergruppe hat ja bekanntlich oft mit Arbeitsbedingungen zu kämpfen, die einen Wechsel attraktiv machen könnten. Wer also auf einen "echten Truck" umsatteln und zu Hörndl kommen will, dem werden neben den oben erwähnten Annehmlichkeiten auch der Führerschein sowie die Grundqualifikation bezahlt.

So will das Trainerteam dafür sorgen, dass auch künftig die derzeit 217 Fahrzeuge erfolgreich im Einsatz sind. Entsprechend wird Gaby Albrecht hoffentlich weiterhin viel zu tun haben: Sie ist nämlich für jeden persönlich da, der sich für einen Job bei dem Unternehmen interessiert. Und Gaby Albrecht lässt keinen so schnell wieder los, wenn sie ihn mal am Telefon hat oder er persönlich vorbeischaut. Bei uns wird jeder so schnell zum ,Hörndl', wie er mag", schmunzelt Wolfgang Obermaier. Und verschwindet auf dem Beifahrersitz eines Trucks, der gerade vom Tanken kommt. Für die nächsten fünf Stunden, als Trainer, Kollege und Ansprechpartner für alle Lebenslagen.

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