Phönix' Wiedergeburt

Auf dem original Mittelmotorfahrgestell erstand Körbers Erfolgstruck neu.
© Foto: Michael Röber

Der Zufall half, als Michael Röber und Volker Lauterbach den MAN-Phönix-Racer aus Wrackteilen wiederbelebten.


Datum:
31.07.2012
Autor:
Johannes Reichel

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Am Anfang war die Leidenschaft: Der Westerwälder Michael Röber schwärmt noch heute vom legendären Auftritt des MAN Phönix bei der kaum minder legendären 1990er-Auflage des Truck-Grand-Prix am Nürburgring. Wie der gelbe Renner mit Gerd Körber am Steuer der Benz-Bataillon dieses eine Mal die Schau stahl und rußfilterfrei um den Ring röhrte - Röber lässt die Erinnerung daran nicht los. Den Fernsehbeitrag von damals hat er zwecks weiteren Erhalts für die Nachwelt von VHS auf DVD umgewandelt. Der Phönix tanzte wirklich nur einen Sommer lang: In der Saison darauf wurden das Reglement respektive die Achslastverhältnisse neu festgelegt, der Phönix mit Mittelmotor war raus aus dem Renngeschäft.

Im Prinzip war es also eine "Jugendliebe", der Michael Röber wieder begegnete. Aber auch wenn alte Liebe dem Sprichwort gemäß nicht rostet: Der LKW-Fan erkannte den gelben Renn-Riesen kaum wieder, so ausgeweidet fand er das Heldenvehikel von einst vor. Es lagerte zerlegt auf einem Firmengelände im Westerwald, auf einem ebenfalls alten Pritschen-LKW. Als der von seinem Lagerplatz vertrieben wurde, fragte der Besitzer der Phönix-Reste, Volker Lauterbach, seinen ehemaligen Mitarbeiter Michael Röber, ob er die LKW-Teile auf dessen Firmengelände parken dürfe. Lauterbach rettete den Phönix so vor der endgültigen Verschrottung. Und da keimte die Idee, die Michael Röber nicht mehr losließ. Nie hätte er zum damaligen Zeitpunkt, es war das Jahr 2008, geglaubt, dass der Race-Löwe jemals wieder röhren würde.

SCHON EINMAL SOLLTE PHÖNIX AUFERSTEHEN

Klar kam dem Westerwälder Race-Fan bei der Renovierung zupass, dass er selbst eine Fahrzeugbaufirma betreibt und sämtliche Werkstattutensilien nebst Grube und Kran vorhanden waren. Und dass er mit Projektpartner Volker Lauterbach, 1990 selbst als Truck-Racer aktiv, einen erfahrenen Tuning-Experten zur Seite hatte. Der hatte 1991 schon mal mit dem Projekt "Wiederaufbau" geliebäugelt, um den Phönix selbst nochmal zu Renn-Ruhm zu steuern. Damals scheiterte das Projekt aber aus gesundheitlichen und finanziellen Gründen.

Doch noch immer wären alle Pläne und Wünsche Makulatur geblieben, hätte nicht der Zufall im März 2011 ein passendes Basisfahrzeug für den Wiederaufbau bereitgehalten: Unweit des "Geburtsorts" des Phönix bei Bickel Tuning in Rheinau entdeckte Röber einen MAN 19.502. Er kaufte das Fahrzeug und zerlegte es komplett. Auch dessen V10-Motor wurde renoviert und einem Tuning unterzogen. Klar, die knapp 1400 PS von damals sind es nicht geworden ...

Die fehlenden Teile fertigten Röber und Team in Handarbeit nach. Zeichnungen gab es nicht mehr, alle Details musste man aus Zeitschriften, Privatfotos und Filmen klauben. Auch Gerd Körber schickte Fotos von einst, und Röber hielt ihn auf dem Stand der Dinge. Er motivierte: "Da schlägt einem das Herz schneller. Mir tränen die Augen, sieht einfach super aus."

Im Mai 2011 war es dann vollbracht: alle Teile sandgestrahlt, lackiert, komplettiert. Die erste Probefahrt stand an. Mit rotem Kennzeichen donnerte das "gelbe Ungeheuer", wie der Phönix genannt wurde, über die kurvenreichen Straßen im Westerwald. So weit so gut, doch noch war ein gutes Stück zu tun. Denn das Finish auf der nackten gelben Blechhaut fehlte. "Viele der damaligen Sponsoren gab es nicht mehr oder sie hatten ihr Layout geändert", beschreibt Röber. Die meisten Aufkleber mussten neu angefertigt werden. Am Schluss wurde es verdammt eng mit der Renaissance des Renners, das Auto sollte unbedingt zum Nürburg ring fertig sein. Und final wartete ja auch noch die Hürde TÜV.

PREMIERE MIT GÄNSE-HAUT: ZUHAUSE AM RING

Doch in weiser Voraussicht hatte das Team beim Wiederaufbau auf die Einhaltung der StVZO geachtet - und bekam tatsächlich eine Straßenzulassung für das imposante Mobil. Und dann waren die beiden Freunde am Ziel ihrer Träume: Sie brausten auf eigener Achse zum TGP am Nürburgring. "Die Höchstgeschwindigkeit konnten wir aber nicht testen", beschreibt Röber schmunzelnd, die staunenden Autofahrer seien schlicht zu langsam gefahren. Nach 21 Jahren steuerten Röber und Lauterbach wieder durchs Fahrerlager, beseelt von "Heimkehr"-Gefühlen.

Und dass der gelbe Wagen nach seiner zweiten Geburt im vergangenen Jahr seine Renaissance am Nürburgring in diesem Jahr fortsetzen würde, das hätte Michael Röber sich beim Start in das wilde Projekt auch nicht träumen lassen. Doch zur Fortsetzung seines glanzvollen Comebacks durfte sich der Phönix, wie es sich für einen Race-Rentner gehört, mal selbst ziehen lassen: Von unseren geschätzen Gästen am TRUCKER-Stand. Diese preiswerte Art der Fortbewegung tut auch Michael Röbers Geldbeutel gut: Denn seine alte Liebe war immer trinkfest - und blieb das auch nach der Reanimation.

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