Fuso Canter E-Cell: Der Elektro-Sprinter

Der Canter E-Cell ist optisch an den raumgreifenden Batteriepaketen am Rahmen zu erkennen
© Foto: Daimler

Anstelle des 3,0-l-Diesels sorgt im Fuso Canter E-Cell ein 110-kW-Elektromotor für Vortrieb. Und dessen 650 Newtonmeter schieben stark an.


Datum:
18.09.2014
Autor:
Jan Burgdorf

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Sie wären wenig begeistert, wenn ihnen der Chef plötzlich einen LKW mit Elektroantrieb hinstellen würde? Verständlich! Denn auch beim TRUCKER-Redakteur fuhr im Vorfeld der Testfahrten mit dem Fuso Canter E-Cell eine gehörige Portion Skepsis mit. Umso überraschender die Erkenntnis, dass auch ein stromgetriebener Sechstonner seinem Fahrer ein breites Grinsen ins Gesicht zaubern kann.

Zumindest beim Ampelstart: 150 PS - oder elektrotechnisch korrekt ausgedrückt - 110 Kilowatt, vor allem aber 650 Newtonmeter drückt der E-Motor, den Fuso von einem japanischen Zulieferer bezieht, an die Antriebsachse. Und das Drehmoment steht bauartbedingt schon ab Null Motorumdrehungen bereit.

Der beherzte Tritt aufs Fahrpedal wird deshalb so konsequent in Vortrieb umgesetzt, dass die Antriebsräder mitunter sogar auf trockener Straße um Gnade winseln. Vor allem aber lässt man so manchen gut motorisierten Mittelklasse-PKW problemlos stehen, zumindest bei moderat beladenem Frachtabteil ...

Den Fahrer freut´s beim Blick in den Rückspiegel. Doch sollte er seine Aufmerksamkeit tunlichst wieder auf das Geschehen vor ihm richten. Denn das Geschwindigkeitslimit urbaner Zentren überschreitet der Fuso in kürzester Zeit. Und das so leise, als bewegte man sich gefühlt viel langsamer. Lediglich das unverändert von den Diesel-Modellen übernommene, extrem bockige Fahrwerk bremst den Fahrer etwas ein. Denn es leitet jede Erschütterung direkt an die Bandscheiben des Fahrers weiter. Die dürren Canter-Sitze sorgen für wenig Linderung ...

ANDERE VERKEHRSTEILNEHMER ÜBERHÖREN DEN E-CELL SCHNELL

Das nahezu lautlose Rollen bringt weitere Gefahren mit sich: Fußgänger hören den Elektro-Fuso oft nicht und passieren regelmäßig nichts ahnend direkt vor dem Sechstonner die Straße. Eigentlich eine gute Idee, um solche Situationen abzulindern, ist das von Fuso erdachte akustische VSP-Warnsystem (Vehicle Sound for Pedestrians), das sich bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h per Knopfdruck zuschalten lässt. Allerdings gibt VSP lediglich ein ebenfalls kaum hörbares elektrisches Summen von sich. Hier müssen die Fuso-Ingenieure bis zum Serienstart noch ein paar Phon zulegen.

Besonders vorausschauend fahren und jederzeit bremsbereit sein, ist im E-Cell daher obligatorisch. Ansonsten hat das Verzögerungs-Pedal aber meist Pause. Sobald man vom Gas geht, mutiert der E-Motor zum Generator und speist die beim Rollen erzeugte Energie zurück in die am Rahmen montierten Lithium-Ionen-Batterien. Entsprechend schnell wird der Sechstonner abgebremst.

Wer die Rekuperation entsprechend nutzt, soll mit dem E-Canter bis zu 100 Kilometer mit einer "Tankfüllung" schaffen. Nutzt man allerdings die abgeregelte und spielend zu erreichende Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h aus, ist die versprochene Reichweite schnell hinfällig. Gleiches gilt für Beschleunigungsduelle mit PKW. Auch wenn´s extrem viel Spaß macht!

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