Kippertest: MAN TGS 18.440 4x4H BLS Hydrodrive

Seltenes Bau-(stellen-)muster: MAN TGS 18.440 4x4H BLS Hydrodrive.
© Foto: Gregor Soller

Mit einem Zweiachssattel bietet der MAN TGS 18.440 Hydrodrive viel Nutzlast und Flexibilität im Fuhrpark.


Datum:
03.01.2013
Autor:
Gregor Soller

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Das Bau(stellen-)muster "4x4-Sattelzugmaschine mit Zweiachssattel" gehört zu den seltenen Kombinationen in den Gruben der Republik. Trotzdem schickt MAN den TGS 18.440 4x4 H BLS mit Hydrodrive und Zweiachsanhänger gerne zu Vorführungen, Baustellen und Tests.

Die relative Seltenheit hat Gründe. In der Praxis ist die Kombination bei Zuladung und Achslasten nicht so flexibel (und überladesicher) wie ein Dreiachssattel, der auf weichem Boden zudem fester auf den vielen Rädern steht. Außerdem bietet sie nicht die Geländegängigkeit eines Vierachs-Motorwagens. Doch gerade der 8x4 sollte den Vierachszug am meisten fürchten, denn bei 38 Tonnen Gesamtzuggewicht bleiben fast 25 Tonnen Nutzlast! Der Zug lässt sich gut rangieren und überzeugt mit sparsamen Verbräuchen, wobei man diese Punkte differenziert betrachten muss. Einen U-Turn in der Grube oder der Stadt legt die Sattelkombination leichter hin als der etwas sperrige 8x4. Dafür muss man sich beim Rangieren wegen des Knickpunkts etwas mehr bemühen.

Die üppigen, vorgeschriebenen 1,8 Meter Radstand zwischen den Trailerachsen und die vordere Liftachse sorgen dafür, dass es die Reifen der hintersten Achse schnell abrubbelt. Und beim Rangieren auf rutschigem Untergrund tut sich der Fahrer mit dem 8x4 leichter.

An Steilstücken kommt der beladene Vierachs-LKW weiter, unbeladen ändert sich das aber. Hier kann der Zug wegen der besseren Gewichtsverteilung auf den Antriebsrädern den festaufgebauten 8x4 sogar in Schach halten. Geht die Traktion aus, genügt ein Griff zum Drehschalter, der erst Hydrodrive und dann die Hinterachssperre aktiviert.

Bei der Fahrt bergab hilft der hydraulische Radnabenantrieb. Verliert ein Hinterrad den Bodenkontakt, könnte der Zug unter Umständen "losrennen". In diesen Situationen hilft Hydrodrive bei der Verzögerung mit, indem die Motorbremswirkung auch auf der Vorderachse wirkt. Durch ihre Wendigkeit und relativ gute Geländetauglichkeit schlägt sich die ungewöhnliche Kombination in der Grube also ganz wacker.

BEIM VERBRAUCH FÄHRT DIESE KOMBI NACH VORN

Auf der Straße war es spannend zu sehen, welchen Verbrauch die Kombination hier erzielt. Auch im Vergleich mit einem 32-Tonner-8x4 oder einem 40-Tonnen-Zug, bestehend aus 6x4-Maschine und Tandemachsanhänger, je mit einem MAN TGS als Motorwagen. Tatsächlich landete der 18.440 4x4H mit seinen 34,17 Litern genau zwischen den beiden anderen, die auf identischer Runde gut 32 respektive 36 Liter benötigten. Allerdings bietet der 38-Tonnen-Zug die höchste Nutzlast und braucht so im Vergleich am wenigsten Diesel, um eine Tonne zu bewegen.

Dank des mittelhohen Rahmens sitzt der Fahrer etwa 50 Millimeter niedriger als bei der hohen Bauversion. Das sorgt für ein kompakteres Sitzgefühl. Leider schafft es auch die Kombination aus Zweiblatt-Parabeln vorn und Luftfedern hinten nicht, den Baulöwen zu zähmen. Beladen rollt er noch einigermaßen geschmeidig ab, aber im Leerzustand gibt er gern wieder den "harten Hund".

Bei unserem Testwagen war die Lenkung auch nicht so vollkommen gegen Bodenunebenheiten entstört wie bei manch anderen MAN: Zwar filtert die Steuerung die meisten Schläge heraus, aber grobe Löcher und das Pulsieren der Servopumpe waren deutlich zu spüren.

Dafür unterließ die ZF 16 S 252 OD-Handschaltung diesmal unter allen Last- und Drehzahlzuständen das Rasseln mit den Synchronringen. Alle Stufen rasteten sauber ein und die Easy-Shift genannte Kupplungsautomatik erleichtert das Schalten. Ansonsten bietet der MAN das gewohnte Paket. Der knisterfrei verarbeitete Innenraum dürfte qualitativ problemlos mit den künftigen Bau-Mercedes und -Volvo mithalten und kaschiert die harten Kunststoffe gekonnter als jeder andere Hersteller.

DIE (ZU) GROSSEN SPIEGEL FALLEN SEHR SOLIDE AUS

Die Spiegel samt ihrer Gehäuse sind immer noch zu groß und verdecken in Haarnadeln oder Kreisverkehren komplette Fahrzeuge. Dafür fallen sie sehr solide aus, wie ein unfreiwilliger Praxistest ergab. Selbst wenn man den TGS beim Reversieren seitlich mit voller Wucht gegen eine Wand oder in dem Fall riesige Baggerschaufel wirft, bleiben die Kunststoffgläser in den soliden Rahmen weitgehend heil, während die Kappe sofort abfällt. Sie lässt sich aber anschließend wieder aufsetzen.

Der Service fällt leicht: Alle Nachfüllstutzen, inklusive Motoröl, liegen unter der Frontklappe. Dort findet sich auch das Scheibenputzgestänge, was dem Fahrer das Hochklettern am schmutzigen Fahrzeug erspart. Nur der Wechsel der Scheinwerferbirnen fällt bei anderen Bauspezialisten leichter als beim TGS mit dem dreiteiligen Stahlstoßfänger.

Am Ende gab die ungewöhnliche Kombination eine starke Performance ab. Gut, dass MAN nicht müde geworden ist, das seltene Gespann zum Test zu schicken. Denn auf halbwegs befestigten Untergründen mit überschaubarem "Traktions-Risiko" ist die Hydrodrive-Sattelzugmaschine mit Zweiachssattel eine sparsame und flexible Alternative zu den bekannten Bau(stellen-)mustern. GS

TRUCKER-FAZIT

Das Konzept punktet mit Sparsamkeit und genug Traktion. Eine automatisierte Schaltung, am besten mit Doppelkupplungsgetriebe, gäbe Hydrodrive noch mehr Vortrieb.

HASHTAG


#TGS

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