Messe IFAT: Saubere Lösungen

Komplettes Programm: Daimler zeigte auf der IFAT sein ganzes Kommunal-Portfolio
© Foto: Gregor Soller

Welche Tücken Euro 6 im Kommunalbereich hat, zeigte Anfang Mai die Entsorger- und Umwelt-Messe IFAT.


Datum:
26.06.2014
Autor:
Gregor Soller

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Euro 6 brachte im Kommunalbereich einige Tücken mit sich: Beim Econic kam Daimler wegen der komplexen Abgastechnik nicht umhin, in den einst topfebenen Boden eine kleine "Stufe" einzuziehen. Schwierig war auch, den Econic mit Seitenlader zu versehen, wozu man ebenfalls Freiraum am Rahmen schaffen musste.

MAN konstruierte derweil einen raffinierten Dieseltank, der am Heck seinen Platz findet, um seitlich am Rahmen Platz für einen Kehrmaschinenaufbau zu schaffen. Immerhin könne man die aufwendige Abgasbox am Rahmen verschieben, erklären beide Hersteller.

Auch bei Renaults Ausstellungsstück, einem 18-Tonner-D mit Kran, spürt man den Druck, den Euro 6 den Konstrukteuren macht: Die Franzosen ziehen die Abgasbox im hinteren Bereich ein, um Platz für die Stützfüße des Krans zu schaffen. Zusammen mit Volvo hatte die Tochter aus Lyon diesmal einen größeren IFAT-Auftritt und schickte den "schweren" 7,5-Tonner "D" zur Deutschlandpremiere. Volvo zeigte dagegen erstmals den FE Low Entry in Euro 6 und liefert den jetzt neben der Allison-Wandlerautomatik auch mit I-Shift aus.

Auch Daimler überlegt, den Econic künftig optional mit Powershift anzubieten. Außerdem liebäugelt man mit weiteren Achskonfigurationen und Radständen.

Komplett neu ist der Erdgasmotor, den Daimler demnächst nachreichen wird, auch wenn der Anteil der Erdgas-Econics aktuell zwischen zehn und 15 Prozent herumdümpelt. Doch Hans-Joachim Bayer, Direktor Behörden- und Sonderfahrzeuge beim Mercedes-Benz-Vertrieb Deutschland, sieht weiterhin Potenzial für Erdgas: "Die Gesetzgeber denken bereits über eine Verschärfung der CO2- und Geräusch-Emissionen nach - das spielt den Gasmotoren in die Hände." Erweitert hat Daimler zudem das Charter-Way-Programm, das neben Hecklade-Müllwagen, Absetzern und -rollern jetzt auch Unimog-Varianten umfasst.

MAN stellte den hydraulischen Hybridantrieb "HydroHybrid" ins Rampenlicht. Das Fahrzeug mit dem Konzept eines hydrostatisch regenerativen Bremssystems ist ab sofort bestellbar.

MIT BIS ZU 80 SACHEN ARBEITEN DANK HYDROSTAT

Energierückgewinnung beim Bremsen, Schubbetrieb und die Nutzung dieser Energie beim Anfahrvorgang sollen im Feldversuch eine Effizienzsteigerung von rund zwölf Prozent gebracht haben. Bei einem geschulten Fahrer in einem optimalen Sammelrevier sollen bis zu 15 Prozent Kraftstoffersparnis möglich sein.

Wie wenig Synergien es weiter mit Scania gibt, zeigt, dass bei den Schweden "Hybridisierung" bis auf Weiteres kein Thema ist: Stattdessen widmet man sich wie Daimler dem Thema Low Entry und Gasantrieb und rückt die Hydrostatlösung in den Fokus, die alle Geschwindigkeiten zwischen 0,1 und 80 km/h ermöglicht. Gerade im Kommunalbereich könnten die uneinigen, von VW "zwangsverheirateten" Partner einen riesigen gemeinsamen Sonderlösungsbaukasten erstellen.

Ähnlich distanziert bleibt auch das Verhältnis zwischen Volvo und Renault. Die Schweden liefern Triebstrang und Basis für den britischen Low-Entry-Pionier Dennis Eagle. Renault nutzt just die Dennis-Eagle-Kabine für den eigenentwickelten Low-Entry-Abfallsammler "Acess". Trotzdem bevorzugt Volvo für seinen eigenen Low Entry die FE-Kabine, deren Basis wiederum von Renault aus dem Werk Blainville stammt. Auch hier schlummert also noch Potenzial ...

Das schöpfen die Aufbauhersteller verstärkt aus: In Deutschland hat die Kirchhoff-Gruppe mit Faun, Zöller und Haller das gesamte Müllsammelthema unter einem großen Dach vereint.

Komplett neu war der Seitenlader "Sidepress", mit dem Faun wieder stärker punkten möchte. Dafür entwickelte man einen völlig neuen Behälter, Wannenverdichter und Lifter mit Nahaufnahme. Letzterer verringert den Platzbedarf zur Seite und die benötigte Hüllkurve. Überarbeitet wurde dagegen der "Variopress"-Hecklader. Der kann optisch mit einem neuen, gerundeten und leichteren Behälter punkten, der auch Schmutznester besser verhindern soll. Fahrer und Unternehmer dürften sich über die optionale Achslastkontrolle ActiFit-Air freuen, die die Achslasten überwacht und die Fracht bei Erreichen der Hinterachslast weiter nach vorn schiebt. Erreicht die Nutzlast ihre Grenze, schaltet das Ladewerk ab.

ÜBERARBEITETER HECKLADER MIT NEUER STEUERUNG

Abgerundet werden die Neuheiten von der neuen "My Faun" genannten Telematik, einer gelifteten "Rotopress"-Drehtrommel und der neuen Kehrmaschine mit dem Namen "Viajet-Streamline", wobei die Viajet-8-Streamline mit bis zu 3400 Liter Wasservorrat speziell auf autonomes Arbeiten nach langen Anfahrten konzipiert wurde.

Den überarbeiteten "Variopressen" stellt Geesink-Norba den neuen Hecklader "GPM IV" entgegen, der wegen der schwereren Euro-6-Fahrgestelle abgespeckt haben soll. Sein Sammelbehälter besteht jetzt aus einer einzigen Stahlblechtafel, was zu mehr Stabilität verhelfen soll. Dazu überarbeitete man die Steuerung. Besonders stolz ist man auf die neue Dichtung zwischen Sammelbehälter und Heckteil, die einen leckagefreien Betrieb sichern soll. Wie Faun bietet auch Geesink-Norba Hybridsysteme für die Abfallsammler an.

Meiller zeigte die endgültige Version des überarbeiteten AK- 12-Absetzers und die detailoptimierte Abroller-Familie. Hier verbesserten die Münchener die Ladungssicherung. Die Container werden jetzt an den Behälterschienen hydraulisch verriegelt und bekommen dabei eine zusätzliche Auflagefläche. Dazu kommt ein Schutzanschlag, der Schäden an der Verriegelung unterbindet, die gern durch zu tief sitzende Querträger im Behälterboden verursacht werden.

Optional bietet der Hersteller auch einen Absetzkipper auf einem Abrollfahrzeug an - dass dafür trotz Euro 6 genügend Platz am Rahmen ist, dafür haben die LKW-Hersteller ja gesorgt!

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