Renault: Die kleinen Laster

Mit sechs Baureihen von Master bis D Wide tritt Renault im Verteiler-Segment an
© Foto: Gerhard Grünig

Renault präsentierte in Lyon die neuen Verteiler-Laster samt neuem Kompaktmodell und einem weiteren Vorstoß ins Low-Entry-Segment.


Datum:
03.08.2014
Autor:
Gerhard Gruenig

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Renaults Stückzahlkönig im Verteiler-Segment war schon immer der Master. Mit Midlum und Premium Distribution konnte man in Deutschland nicht so recht Fuß fassen. Jetzt unternehmen die Franzosen einen erneuten Vorstoß. Die neue D-Baureihe soll's richten.

Speerspitze bleibt der kürzlich modellgepflegte Master, vor allem aber ein neu entwickelter "D Cab 2m". Ein kompakter und wendiger Verteiler-LKW, der bei Nissan als NT 500 den Atleon ersetzt. Der ebenfalls ins Renault-Design überführte D Access, ein in Kooperation mit Dennis Eagle entwickelter Low-Entry-LKW, rundet ab.

Bei der Entwicklung der neuen Fahrzeugbaureihen standen nach Aussage von Patrice Paletto, Vice President Product Management, "vor allem Zuverlässigkeit, Qualität und Benutzerfreundlichkeit im Vordergrund. Zudem zeigen wir ein komplett überarbeitetes Angebot an Euro-6-Motoren und präsentieren zahlreiche Ergonomieverbesserungen und unser neues, in unseren Augen selbstbewussteres Design."

SECHS MODELLE AUS DREI VERSCHIEDENEN QUELLEN

Damit tritt der französische Hersteller mit einem bunten Mix aus insgesamt sechs Baureihen im Verteiler-Segment an. Familienähnlichkeit sieht auf jeden Fall anders aus. Noch immer bildet der Maxity den unteren Einstieg. Der Bonsai-Laster im Segment der 2,8- bis 4,5-Tonner ist noch unter dem Master positioniert. Das Grundkonzept stammt aus Japan, von Nissan. Gefertigt wird der nur 1,87 Meter breite Mini-LKW in Spanien. Neben minimalen Änderungen in der Optik profitiert der im letzten Jahr europaweit rund 4000 Mal verkaufte Maxity nicht mal von der Euro-6-Umstellung: Sein bis zu 150 PS starker Vierzylinder erfüllt lediglich Euro 5 b+. Für den Maxity Electric konnten sich bislang 30 Kunden begeistern - wobei die aktuelle Version eigentlich ein recht gelungenes "Zero-Emission"-Konzept mit vergrößerter Reichweite darstellt.

Auch den leicht gelifteten Master bietet Renault Trucks bisher nur in Euro 5 B+ an. Den 2,3-l-DCI-Diesel gibt es jetzt mit Bi-Turbo und 135 respektive 165 PS. Dazu spendiert Renault serienmäßig Start/Stopp sowie einen Eco-Mode. Letztgenannter ist - man entschuldige - im vierten Aggregatszustand: überflüssig. Wer ihn aktiviert, wird mit erheblichem Leistungs- und Drehmomentverlust bestraft. Und die Klimaanlage arbeitet nur noch mit reduzierter Leistung. Am Testtag herrschten in Lyon 32 Grad - im Eco-Mode eine Tortur. Lobenswert dagegen: ESP ist nun bei allen Mastern Serie.

Als einzig echte Neuheit im Programm darf der D cab 2m gelten. Er ergänzt die D-Baureihe mit D cab 2.1m (10 bis 18 t), D Wide (16 t bis 26 t) sowie D Access (18 bis 26 t) nach unten.

Wie die Bezeichnung erahnen lässt, verfügt der neue, kleine D über eine schmale Kabine. Befürchtungen, das würde den Platz über Gebühr einschränken, bewahrheiten sich nicht. Bei der Testfahrt zeigt sich der D Cab 2m ganz im Gegenteil mit sympathischem Auftreten. Sitz- und Lenkradverstellbereich genügen den Ansprüchen durchschnittlich großer Fahrer. Der Motor arbeitet angenehm leise und - ganz wichtig im Stadtverkehr - der Zwei-Meter-D glänzt durch eine sehr leichtgängige, dennoch gefühlvolle und direkt arbeitende Lenkung.

DER "2M" GEFÄLLT DURCH NIEDRIGE BEDIENKRÄFTE

Seine sechs Gänge lassen sich mit minimalem Kraftaufwand auf exakten Wegen durch die Gassen führen. Der auf 3,5 Tonnen ausgeladene Kleinkipper federt ordentlich und bietet auch auf schlechten Straßen guten Fahrkomfort. Das kompakte Fahrerhaus ist innen und außen ordentlich verarbeitet. Außer den etwas unbequemen Sitzen mit ihrem schweißtreibenden Bezug gibt es kaum Kritik zu üben. Viele Kleinfächer und Dosenhalter zeugen von Praxistauglichkeit. Die Übersichtlichkeit ist ebenfalls sehr gut und zahlreiche große und kleine Ablagen nehmen Papier- und den täglichen Kleinkram auf.

Gleichermaßen gelungen zeigt sich die Weiterentwicklung der neuen DTI5- und DTI8-Motoren. Im Zuge der Euro-6-Umstellung spendierte Renault etwas mehr Hubraum (5,1 und 7,7 l). Auch Leistung und Drehmoment geben sich erstarkt. Der Vierzylinder (DTI5) bringt es auf 210 und 240 PS. Der Sechszylinder (DTI8) leistet aktuell (DTI 5) beziehungsweise 280 und 320 PS (DTI8). Der DTI5 mit 240 PS ist nach Aussage von Renault Trucks der marktweit leistungsstärkste Motor seiner Klasse. Auf jeden Fall offeriert er ein in diesem Segment oft wichtiges Plus an Nutzlast.

POTENZIELLE KUNDEN KONNTEN MITREDEN

Die Fahrzeuge der neuen D-Baureihe wurden in Zusammenarbeit mit Kunden entwickelt. Eine der Forderungen war, dass die Antriebe bereits bei niedriger Drehzahl ein hohes Drehmoment entwickeln. Mit maximalem Moment schon ab 900 Touren hat Renault Trucks diese Forderung erfüllt. Zudem wurde auch bei den Varianten mit Automatik der Kraftstoffverbrauch reduziert. Serienmäßig sind jetzt automatisierte Getriebe, die nach Angaben des Herstellers den Kraftstoffverbrauch reduzieren und die Wartungskosten niedrig halten. Neu ist die optionale Ausstattung der Baureihen D Cab 2.1m und D Wide mit dem sogenannten Optifuel-Programm. Durch die Optifuel-Infomax-Software mit Verbrauchsüberwachung und -analyse sowie der Kombination mit einem Fahrertraining soll sich der Flottenverbrauch um bis zu 15 Prozent reduzieren.

Mit dem D Wide wollen die Franzosen auch außerhalb des Heimatmarktes künftig im schweren Verteilerverkehr ein Wörtchen mitreden. Als Probanden haben wir den D26-Dreiachser mit liftbarer Nachlauf-Lenkachse unter die Lupe genommen. Die serienmäßige automatisierte Schaltung arbeitet auffällig langsam. Zudem fehlt ihr die von Volvo bekannte Kriechfunktion. Gerade im Stadtverkehr wäre das eine angenehme Option. Auch der große D gefällt durch eine leichtgängige und exakte Lenkung sowie eine gut dosierbare und leistungsfähige Bremsanlage. Seine Sitze sind viel bequemer als die im kleinen Bruder. Allerdings fehlt es ihm auch nach der Überarbeitung an sinnvollen Ablagen. Das Versprechen, dass alle neuen D bis zu 35 Prozent leiser sind, kann Renault in jedem Fall einlösen. Allerdings hätte man durchaus an einem größeren Sitz und Lenkradverstellbereich arbeiten können. Die Motorbremse ist leider kein Ausbund an Verzögerungsleistung.

DER D WIRD AUFBAUER-FREUNDLICHER

Mit über hundert Varianten wirbt Renault bei der neuen D-Reihe. Optimierte Vorrüstungen sollen künftig die Arbeit der Aufbauer erleichtern. Vom Eingang der Bestellung an haben die Aufbaupartner auf einem speziellen Webportal Zugriff auf alle Fahrzeugpläne. Das soll bis zu 20 Prozent Zeit sparen. Man darf gespannt sein, ob Renault im Verteilersegment so tatsächlich neue Kunden erobern kann.

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