Renault Optitrack: Hydraulisch auf allen Vieren

Spezielle "Standardfarben": metallicrote Kabine und graue Kippbrücke
© Foto: Gregor Soller

Renault Trucks präsentierte die Neuauflage seiner hydraulischen Anfahrhilfe "Optitrack". Was die kann, stellt sie in einem "C" 460 unter Beweis.


Datum:
24.08.2015
Autor:
Gregor Soller

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Renault Trucks fächert sein Bauprogramm breiter auf: Vom Baustellenverteiler "C" (Nachfolger des Premium Lander) gibt es eine verstärkte "CK"-Version, die die Brücke zum Hardcore-Bauarbeiter "K" (Ex-Kerax) schlägt.

Nur dieses Zwischenmodell bieten die Franzosen wieder mit dem hydraulischen vorderen Radnabenantrieb "Optitrack" an. Das Package ähnelt im Prinzip dem des Vorgängers. Auch Renault verrohrt das System mit Hochdruck-, Niederdruck- und Leckageleitungen. Allerdings müssen die, wie bei MAN, auch die Feder- und Lenkbewegungen mitmachen. Angesteuert wird die Hydraulikpumpe vom schwungradseitigen Nebenabtrieb und liegt darum - leider dem Trailer im Weg - in erhöhter Position 160 Millimeter über der Längsträgeroberkante.

Da der Abstand zur Rückwand 940 Millimeter beträgt, kann es bei manchen Sattelkombinationen Probleme mit dem Durchschwenkradius geben - eine Krux, die auch der Vorgänger aufwies. Das Mehrgewicht gibt Renault, ähnlich wie Mercedes-Benz, mit rund 450 Kilo an. Den Mehrverbrauch beziffern die Franzosen als "marginal". Und sie empfehlen nach Möglichkeit, den zusätzlichen Dieseldurst mit dem "Fuel Eco Pack" zu kompensieren. Aktiviert werden die Poclain-Radnabenantriebe per Taster. Und wie beim Arocs HAD hört man durch ein vergleichsweise lautes hydraulisches Geräusch eindeutig, dass das System aktiviert ist. Und auch hier hilft der zwischen null und 15 km/h zuschaltbare Vorderradantrieb zuverlässig aus der Patsche. Bei 25 km/h schaltet das System von selbst wieder ab.

Ein weiterer wichtiger Taster, vor allem auf unebenen Wegstrecken, aktiviert den "Geländetempomaten". Der arbeitet drehzahl- statt geschwindigkeitsgeregelt. Wird es zu steil oder benötigt man mehr Kraft, kann man das durch Herunterschalten oder einen Tastendruck auf die "+"-Taste anpassen. Umgekehrt lässt sich die Drehzahl durch den "-"-Button oder durch Hochschalten reduzieren. Allerdings kann man in dem Fall nur Gang für Gang schalten. Bei Bedarf dreht der 13-Liter-Motor dann bis 1900 Touren, das Elf-Liter-Aggregat gar bis 2100 Umdrehungen.

DER GELÄNDETEMPOMAT ARBEITET DREHZAHLGEREGELT

Und nach unten? Wenn man beispielsweise im sechsten Gang mit 850 Touren auf einem langen holprigen Zubringer unterwegs ist, fällt die Drehzahl maximal um weitere 60 bis 70 Touren. Das haben wir bei gut 800 Umdrehungen mit einer bösen Hochschaltung ausprobiert und siehe da: Der Franzose fällt kurz auf abgrundtiefe 750 Touren, regelt sich dann aber wieder ein und zieht weiter stoisch seine Bahn.

Apropos schalten: Da Renault die Fahrpedalstellung mit der Schalt- und Steuerelektronik gekoppelt hat, soll der CK seine Schaltstrategie auf den jeweiligen Fahrer abstimmen können - den er über die Fahrerkarte erkennt: Wer eher ruhig und gelassen unterwegs ist, soll den Franzosen früh schaltend mit dezenten Drehzahlen fahren können, während der Renault bei hitzigeren Gemütern auch höhere Touren zulässt. So oder so überzeugt die automatisierte Optidriver-Schaltautomatik (entspricht hardwareseitig Volvos I-Shift) mit schnellen, schlauen Gangwechseln.

Die Software programmiert Lyon anders als Göteborg: Der Neigungssensor verhindert ein Hochschalten im Gefälle und akzeptiert notfalls kurzfristig hohe Drehzahlen im roten Bereich. Ab 1800 Touren wird ein Gang zugegeben und per Optibrake beigebremst. Bei den Rückwärtsgängen gibt Renault, anders als Volvo, nur drei statt vier Fahrstufen frei.

Außerdem nahm man die Gangadaption zurück: So lässt der CK die Drehzahl etwas abfallen oder wartet, bis es zum leichten Durchdrehen der Räder kommt. Bei hohen Schlupfraten (offroad werden bis zu 70 Prozent Schlupf toleriert) ist die Kupplung nicht ganz geschlossen. Im Anschluss soll ein beherzter Tritt auf das Fahrpedal helfen, das Auto "freizuschießen". Außerdem will Renault die Schaltzeiten auf diese Art um rund 30 Prozent verkürzt haben. Die ABS-Regelphasen erlauben kurze Blockierabschnitte, um vor dem Rad das Aufschieben eines kleinen "Bremshaufens" zu ermöglichen. Die Differenzialsperren versuchen die Franzosen ebenfalls über das Lesen und Verarbeiten der Raddrehzahl zu substituieren. Die "wirft" Renault über 27 km/h oder bei zu geringer Schlupfdifferenz automatisch heraus.

Schade, dass bei so viel Intelligenz nicht ein paar Ideen zur weiteren Optimierung von Optitrack blieben. Denn an der vorhandenen Offroad-Kompetenz lässt Renault Trucks keinen Zweifel. GS

SCHNELL VERFÜGBARE MODELLE "SCORPION" UND "SKORPION"

Kurze Lieferzeiten

Renaults Angebot zum Thema "schnell verfügbare Lkw" heißt, je nach Baureihe, "Scorpion" im Falle des "C" und "Skorpion" im Falle des "K". Der Preisvorteil gegenüber identisch ausgestatteten Modellen ist laut Verkaufsleiter Tarcis Berberat "gewaltig" und beinhaltet neben viel Komfortzubehör drei Jahre Antriebsstranggarantie. Beim C und K 8x4 wird in der Regel ein 13-Kubik-Meiller-D421-Dreiseitenkipper mit Sechs-Millimeter-Boden und Vier-Millimeter-Wänden aufgebaut. Samt Bordmatic links und fertigertauglichem, klappbaren Unterfahrschutz. Beim 6x4-K kommt ein 10,5-Kubik-Meiller-D316 mit Fünf-Millimeter-Boden zum Einsatz. Bei den 8x4 gibt es dazu das Paket"Protect Baustelleneinsatz", für den 8x4-Scorpion ("C") und den 6x4-Skorpion ("K") optional noch ein Komfort-Paket. Lieferzeit? Maximal acht Wochen.

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