Gegen Herzinfarkt kann man vorbeugen

Mit Vorsorgeuntersuchungen Risiken entdecken.
© Foto: Iris Maurer/dapd

Es ist eine menschliche Ur-Angst, auch vieler LKW-Fahrer, dass plötzlich das Herz stehenbleiben könnte. Doch ein Infarkt kündigt sich meist an. Und man kann vorbeugen.


Datum:
29.12.2012
Autor:
Sabine Köstler

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Manchmal lauscht man seinem eigenen Herzschlag oder fühlt den Puls. Dann ahnt man für wenige Augenblicke, welche Leistung das Herz da vollbringt. Unermüdlich pumpt es das Blut durch den Körper, bei manchen Menschen nur wenige, bei anderen hundert Jahre lang. Sekunde für Sekunde, zuverlässiger als jedes Uhrwerk.

Doch auch ein plötzlicher Herztod kann uns treffen, zu jeder Zeit. Wie Filmproduzent Bernd Eichinger beim Abendessen im Restaurant, Eisbären-Pfleger Thomas Dörflein zuhause auf dem Sofa oder Schauspieler Günther Kaufmann im letzten Frühling auf einer kleinen Berliner Straße. In Deutschland erleiden rund 200.000 Menschen pro Jahr einen akuten Herzinfarkt, jeder vierte Betroffene überlebt die Attacke nicht. Bei Männern ist der akute Infarkt nach der chronischen ischämischen Herzkrankheit (Durchblutungsstörung) die zweithäufigste Todesursache, gefolgt von Lungenkrebs und Herzinsuffizienz (Herzschwäche).

DAS HERZ IST EIN MUSKEL. ES BRAUCHT SAUERSTOFF

Was passiert überhaupt beim "plötzlichen Herztod"? Der Herzinfarkt (medizinisch: Myokard) ist eine akute Sauerstoffunterversorgung des Herzens. Meist sind bei dem Betroffenen die Herzkranzgefäße verkalkt ("Arterienverkalkung") und wurden im Lauf von Jahren immer undurchlässiger. "Koronare Herzkrankheit" (KHK) lautet dann die Diagnose; jeder zehnte Mann in Deutschland ist davon betroffen, viele auch, ohne es zu wissen. Dann passiert es plötzlich: Ein Blutgerinnsel bildet sich - durch eine große Anstrengung, Stress, einen Unfall etc. - und der Blutpfropfen verstopft eines oder mehrere Blutgefäße. Das Herz leidet nun unter akutem Sauerstoffmangel. Nach und nach stirbt Muskelgewebe ab. Nur innerhalb der ersten sechs Stunden kann notfallmedizinisch mit Hilfe der Lyse-Therapie (Auflösung des Propfens) noch das Schlimmste verhindert werden.

DAS HERZ IST NICHT UNBEGRENZT BELASTBAR

Ein Herzinfarkt ist kein Schicksal. Es gibt einige Risikofaktoren. Generell gilt: Ein höheres Lebensalter, das männliche Geschlecht und eine familiäre Vorbelastung erhöhen das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden. Und, man kann es gar nicht oft genug sagen, auch eine bestimmte ungesunde Lebensweise. Und ob es dann ein Herzinfarkt ist oder auch ein Gehirnschlag - wer die folgenden Risikofaktoren erfüllt, sollte seinen Körper sehr genau beobachten und unbedingt gegensteuern. Vor allem bei einer Kombination mehrerer Faktoren kann es kritisch werden:

  • Rauchen
  • Übergewicht
  • hoher Blutdruck (über 140 mmHg zu 90 mmHg)
  • Bewegungsmangel
  • Störung des Fettstoffwechsels
  • Diabetes mellitus.

Natürlich haben auch Menschen mit bekannten respektive chronischen Herzproblemen, wie etwa Kammerflimmern oder Herzrhythmusstörungen ein erhöhtes oder hohes Risiko.

AUCH ALS HERZPATIENT DARF MAN ANS STEUER

Das Risiko, dass ein Herzpatient aufgrund seiner Krankheit am Steuer einen Unfall verursacht, schätzen Experten der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) mit 1:20.000 ein. Herzpatienten dürfen durchaus Auto fahren, in Abstimmung mit ihrem Kardiologen. Nach einem leichten Infarkt wird meist eine Fahrpause von zwei Wochen erteilt; nach einem schweren Anfall mit geschädigtem Herzmuskel sind es in der Regel vier Wochen.

Ob und wann jemand dauerhaft fahruntüchtig ist, muss der Arzt bei der Fahreignungs-/Gesundheitsprüfung attestieren. Weil die Vorgaben in der Fahrerlaubnisverordnung (FeV. 2009) und in den Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung nicht sehr ausführlich in Bezug auf Herzkrankheiten sind, liegt den Ärzten dafür seit 2011 ein Positionspapier der o.g. DGK vor.

Es kann natürlich auch im Alltagsleben jederzeit passieren, dass man Erste Hilfe bei einem Herzinfarkt leisten muss. Während der Arbeit zu diesem Artikel hat es einen Kollegen getroffen (s. rechts). Anzeichen für einen Herzinfarkt sind

  • Schmerzen im Brustbein, länger als 15 bis 30 Minuten anhaltend. Sie können in Hals, Unterkiefer, Arme, Bauch und Rücken ausstrahlen,
  • Enge-Gefühl im Brustkorb,
  • innere Unruhe bis hin zu Todesangst,
  • Atemnot, fahle Gesichtsfarbe, kalter Schweiß,
  • u.U. Übelkeit, Erbrechen.

Bei einem Verdacht auf Herzinfarkt muss sofort der Notarzt zu Hilfe gerufen werden (Tel. 112).

MIT DRUCKMASSAGE ZUM LEBENSRETTER WERDEN

Wenn Sie einem Betroffenen helfen müssen, lagern Sie - nach dem Absetzen des Notrufs - bei der betroffenen Person den Oberkörper hoch und öffnen oder entfernen Sie beengende Kleidung. Sorgen Sie für Frischluft. Wenn der Betroffene nicht mehr atmet, beginnen Sie sofort mit einer Druckmassage: Legen Sie die Hände übereinander in der Mitte des Brustkorbs auf. Drücken Sie das Brustbein jetzt ungefähr 100 x pro Minute (also schneller als Sekundentakt) etwa fünf Zentimeter tief ein. Machen Sie damit weiter, bis ärztliche Hilfe kommt. Sie müssen den Patienten nicht unbedingt beatmen. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse stufen die Sauerstoffzufuhr über die Lunge bei einem Herzinfarkt gegenüber der Druckmassage als nachrangig ein.

KRANKHEITEN SIND SEHR GUT BEHANDELBAR

Sollten Sie selbst Beschwerden oder einen Verdacht auf ein Herzproblem haben (z.B. "Stolpern", Atemnot, Engegefühl beim Treppensteigen), dann sollten Sie möglichst bald einen Arzt aufsuchen.

Ein EKG oder evtl. eine Herzkatheteruntersuchung wird schnell Klärung verschaffen. Die Behandlungsmöglichkeiten sind heute sehr umfangreich; je nach Krankheitsbild reicht dies von der Ernährungsumstellung oder Gewichtsreduktion über den Blutdrucksenker bis zu den verschiedensten medizinischen Implantaten (z.B. Stent/"Gefäßstütze", Defibrillator/Herzschrittmacher etc.). In deutschen Krankenhäusern wurden im Jahr 2011 rund 374.000 Operationen am Herzen durchgeführt.

Und auch, wenn Sie keine Probleme haben, aber länger nicht mehr beim Arzt waren, vereinbaren Sie einfach einmal einen Termin. Ab dem 35. Lebensjahr darf jeder in Deutschland alle zwei Jahren einen kostenlosen ärztlichen Gesundheits-Check durchführen lassen (ohne Praxisgebühr). Bei der Gelegenheit werden u.a. Blutdruck, Cholesterin und Blutzuckerwerte bestimmt. Die Werte zu überprüfen, kann ja nicht schaden - aber ungemein beruhigen.

TIPP

Wer weitere Infos zum Thema Herzkrankheiten sucht, findet sie bei der Deutschen Herzstiftung (www.herzstiftung.de). Hier kann man zum Beispiel einen Risikotest machen, das neue Buch "Herz in Gefahr" bestellen (3 Euro) oder die neue kostenfreie Herznotfall-App fürs i-phone downloaden.

SO SCHÜTZEN SIE IHT HERZ

  • Nichtraucher werden! Jede Zigarette verkürzt Ihr Leben um 25 bis 30 Minuten
  • Regelmäßige Bewegung: Wählen Sie Ausdaueraktivitäten wie Fahrradfahren, Schwimmen, Walken, zügiges Spazierengehen (vorbildlich: 4 bis 5 Mal pro Woche mindestens 30 Minuten)
  • Lernen, mit Stress umzugehen: Sorgen Sie regelmäßig für Entspannung, pflegen Sie soziale Kontakte
  • Ab und zu den Blutdruck kontrollieren lassen (geht auch in der Apotheke), ärztliche Vorsorge-Untersuchungen (alle zwei Jahre kostenlos ab 35 J.) wahrnehmen
  • Übergewicht loswerden! Bei Männern steigt das Herzinfarktrisiko ab einem Bauchumfang von 94 cm (Frauen: 80 cm). Messen Sie Ihren Bauchumfang mit einem Maßband zwischen der untersten Rippe und dem oberen Beckenrand
  • Ernährung auf "mediterran" umstellen: viel frisches Gemüse und Obst, pflanzliche Fette und Öle statt tierische (Olivenöl statt Butter in die Pfanne, Nüsse statt Chips), eher Fisch statt Fleisch (wenn Fleisch, dann Geflügel), Vollkornprodukte, fettarme Milchprodukte, wenig Salz!/mehr

Quelle: Deutsche Herzstiftung

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