Rekord-Dieselpreise: BLV-pro warnt vor Kollaps der Speditionen

18.09.2026 11:37 Uhr | Lesezeit: 4 min
Tankanzeige mit der Preisbezeichnung teuer
Rekordhohe Dieselpreise, steigende Mautgebühren und CO₂-Kosten belasten deutsche Speditionen und den Straßengüterverkehr.

Die Dieselpreise sind immens hoch. Der Bundesverband Logistik & Verkehr (BLV-pro) sieht vor allem mittelständische Speditionen durch steigende Kraftstoffpreise, CO₂-Kosten und Mautgebühren unter Druck und fordert kurzfristige politische Entlastungen.

Angesichts der jüngsten Entwicklung bei den Kraftstoffkosten warnt der Bundesverband Logistik & Verkehr (BLV-pro e.V.) vor einer wachsenden Belastung für den deutschen Straßengüterverkehr: Regionale Dieselpreise von über 2,40 Euro pro Liter sind registriert worden.

Wie die dpa vermeldete, hat der Dieselpreis an den deutschen Tankstellen sein Rekordhoch am Donnerstag noch einmal übertroffen: Ein Liter kostete nach Auswertung des ADAC im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,471 Euro, knapp zwei Cent mehr als am Vortag. Super E10 verbilligte sich nach mehreren Preisrekorden in Folge dagegen minimal um 0,006 Cent auf 2,308 Cent.

Aus Sicht des BLV-pro verschärfen die gestiegenen Kraftstoffkosten die wirtschaftliche Lage vieler Transportunternehmen zusätzlich. Besonders betroffen seien kleine und mittelständische Speditionen, die höhere Ausgaben häufig nicht kurzfristig an Auftraggeber und Kunden weitergeben könnten. „Wir sprechen längst nicht mehr über eine normale Kostensteigerung. Wir sprechen über die wirtschaftliche Existenz zahlreicher Unternehmen, die täglich dafür sorgen, dass Deutschland versorgt wird“, erklärt Konstantin Popov, Vorsitzender des BLV-pro e.V.

Auch die Bundesregierung will eine schnelle Entlastung bei Kraftstoffpreisen. Zu den diskutierten Maßnahmen lesen Sie mehr hier.

 Wie die dpa weiter vermeldete, sagte Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) am Freitagmorgen vor einem Treffen europäischer Finanzminister in Dublin: "Wir suchen jetzt gerade nach Lösungen. Ich will jetzt ein klares, schnelles Signal an den Zapfsäulen", betonte der Vizekanzler. "Daran arbeiten wir und ich bin auch guter Dinge, dass wir das jetzt sehr zügig hinbekommen."

Klingbeil hat sich bislang hauptsächlich für einen Preisdeckel und eine europäische Übergewinnsteuer für die Mineralölkonzerne ausgesprochen - Das wird in der Union abgelehnt. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) plädiert dagegen für eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Benzin und Diesel von 19 auf 7 Prozent.

Steigende Kosten bringen viele Fuhrparks an ihre Grenzen

Nach Angaben des Verbands BLV-pro treffen die hohen Dieselpreise auf weitere Belastungsfaktoren: Dazu zählen gestiegene Lkw-Mautkosten, CO₂-Abgaben, höhere Personalkosten und zunehmender Wettbewerbsdruck im Transportmarkt.

Bereits vergleichsweise geringe Veränderungen beim Kraftstoffpreis könnten bei größeren Fuhrparks erhebliche Mehrkosten verursachen. Insbesondere mittelständische Unternehmen verfügten oftmals weder über ausreichende finanzielle Reserven noch über die Marktmacht, um Preissteigerungen kurzfristig auszugleichen.

„Viele Unternehmer fahren inzwischen nicht mehr auf Sicherheit und Wachstum, sondern nur noch von Zahlungseingang zu Zahlungseingang. Investitionen werden verschoben, Fahrzeuge nicht ersetzt und Fuhrparks reduziert. Das ist keine nachhaltige Grundlage für die Versorgungssicherheit eines Industrielandes“, sagt Konstantin Popov.

Auch der BGL hat sich mit einem offenen Brief an den Bundeskanzler gewandt: Darin schlägt er die Aufhebung der CO2-Doppelbelastung sowie einen Gewerbediesel vor.

BLV-pro kritisiert Belastungen für den Güterkraftverkehr

Der Verband sieht die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Logistikunternehmen zunehmend unter Druck. Neben den hohen Kraftstoff- und Energiekosten verweist der BLV-pro insbesondere auf die seit dem 1. Dezember 2023 gestiegenen Lkw-Mautsätze sowie die zusätzliche CO₂-Komponente.

Nach Ansicht des Verbands verschärft sich dadurch der Wettbewerb mit ausländischen Transportunternehmen, die häufig unter günstigeren Kostenbedingungen arbeiten.

„Das Ergebnis ist ein Markt, in dem deutsche Unternehmen immer höhere Standards erfüllen und immer höhere Abgaben bezahlen müssen, während gleichzeitig Wettbewerber aus dem Ausland mit erheblichen Kostenvorteilen auf denselben Transportmarkt drängen. Das ist kein fairer Wettbewerb“, so Konstantin Popov.

Auswirkungen auf Lieferketten, Arbeitsplätze und Versorgungssicherheit

Der BLV-pro warnt davor, die aktuelle Entwicklung ausschließlich als Problem einzelner Speditionen zu betrachten. Wenn Unternehmen ihre Flotten verkleinern, Investitionen zurückstellen oder den Betrieb einstellen müssten, gingen dauerhaft Transportkapazitäten verloren.

Davon betroffen wären nach Angaben des Verbands nicht nur Transportunternehmen selbst. Auch Arbeitsplätze von Berufskraftfahrern, Disponenten, Werkstattmitarbeitern und weiteren Beschäftigten entlang der Lieferkette könnten unter Druck geraten.

„Transportkapazität lässt sich nicht kurzfristig per Gesetz erzeugen. Ein Lkw, der heute aus wirtschaftlichen Gründen stillgelegt wird, steht morgen nicht plötzlich wieder zur Verfügung, wenn eine Krise eintritt“, erklärt Konstantin Popov.


Verband fordert Maßnahmen zur Entlastung der Logistikbranche

Der BLV-pro fordert von Bundesregierung und Bundestag ein Maßnahmenpaket zur Unterstützung des deutschen Transportmittelstands. Zu den Forderungen gehören:

  • Sofortige Entlastungen bei Diesel- und CO₂-Kosten
  • Einführung eines wettbewerbsfähigen gewerblichen Diesels
  • Ein Tankpreisdeckel ohne starre 12-Uhr-Regelung
  • Überprüfung der Gesamtbelastung aus CO₂-Abgabe und Lkw-Maut
  • Gezielte Unterstützung mittelständischer Transportunternehmen
  • Konsequente Bekämpfung illegaler Kabotage
  • Sicherung von Fördermitteln für Umwelt-, Sicherheits- und Modernisierungsmaßnahmen
  • Verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen und Beschäftigung


Logistikbranche fordert planbare Rahmenbedingungen

Der Verband verweist zudem auf die Bedeutung der Logistikbranche für die Versorgung von Industrie, Handel, Landwirtschaft und Verbrauchern. Nach Ansicht des BLV-pro könne Versorgungssicherheit langfristig nur gewährleistet werden, wenn Unternehmen wirtschaftlich tragfähig arbeiten, ausreichend Personal finden und unter verlässlichen Rahmenbedingungen investieren können.

Der BLV-pro kündigte an, seine Forderungen auf Bundes- und Landesebene weiter zu vertreten und auf politische Entscheidungen zu drängen. „Wir erwarten keine weiteren unverbindlichen Gesprächsrunden und keine langfristigen Absichtserklärungen. Wir erwarten konkrete Entscheidungen. Die Zeit der Vertagung ist vorbei“, erklärt Konstantin Popov.

Abschließend warnt der Verbandsvorsitzende vor den möglichen Folgen für die Lieferketten in Deutschland: „Wenn die Politik weiterhin zusieht, wie die deutsche Transportwirtschaft wirtschaftlich ausblutet, wird sie sich eines Tages fragen müssen, wer die Lieferketten noch aufrechterhalten soll. Versorgungssicherheit beginnt nicht im Krisenfall – sie beginnt mit dem Erhalt unserer Unternehmen. Wenn wir stehen, steht Deutschland.“

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