Angesichts der jüngsten Entwicklung bei den Kraftstoffkosten warnt der Bundesverband Logistik & Verkehr (BLV-pro e.V.) vor einer wachsenden Belastung für den deutschen Straßengüterverkehr: Regionale Dieselpreise von über 2,40 Euro pro Liter sind registriert worden.
Wie die dpa vermeldete, hat der Dieselpreis an den deutschen Tankstellen sein Rekordhoch am Donnerstag noch einmal übertroffen: Ein Liter kostete nach Auswertung des ADAC im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,471 Euro, knapp zwei Cent mehr als am Vortag. Super E10 verbilligte sich nach mehreren Preisrekorden in Folge dagegen minimal um 0,006 Cent auf 2,308 Cent.
Aus Sicht des BLV-pro verschärfen die gestiegenen Kraftstoffkosten die wirtschaftliche Lage vieler Transportunternehmen zusätzlich. Besonders betroffen seien kleine und mittelständische Speditionen, die höhere Ausgaben häufig nicht kurzfristig an Auftraggeber und Kunden weitergeben könnten. „Wir sprechen längst nicht mehr über eine normale Kostensteigerung. Wir sprechen über die wirtschaftliche Existenz zahlreicher Unternehmen, die täglich dafür sorgen, dass Deutschland versorgt wird“, erklärt Konstantin Popov, Vorsitzender des BLV-pro e.V.
Wie die dpa weiter vermeldete, sagte Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) am Freitagmorgen vor einem Treffen europäischer Finanzminister in Dublin: "Wir suchen jetzt gerade nach Lösungen. Ich will jetzt ein klares, schnelles Signal an den Zapfsäulen", betonte der Vizekanzler. "Daran arbeiten wir und ich bin auch guter Dinge, dass wir das jetzt sehr zügig hinbekommen."
Steigende Kosten bringen viele Fuhrparks an ihre Grenzen
Nach Angaben des Verbands BLV-pro treffen die hohen Dieselpreise auf weitere Belastungsfaktoren: Dazu zählen gestiegene Lkw-Mautkosten, CO₂-Abgaben, höhere Personalkosten und zunehmender Wettbewerbsdruck im Transportmarkt.
Bereits vergleichsweise geringe Veränderungen beim Kraftstoffpreis könnten bei größeren Fuhrparks erhebliche Mehrkosten verursachen. Insbesondere mittelständische Unternehmen verfügten oftmals weder über ausreichende finanzielle Reserven noch über die Marktmacht, um Preissteigerungen kurzfristig auszugleichen.
„Viele Unternehmer fahren inzwischen nicht mehr auf Sicherheit und Wachstum, sondern nur noch von Zahlungseingang zu Zahlungseingang. Investitionen werden verschoben, Fahrzeuge nicht ersetzt und Fuhrparks reduziert. Das ist keine nachhaltige Grundlage für die Versorgungssicherheit eines Industrielandes“, sagt Konstantin Popov.
BLV-pro kritisiert Belastungen für den Güterkraftverkehr
Der Verband sieht die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Logistikunternehmen zunehmend unter Druck. Neben den hohen Kraftstoff- und Energiekosten verweist der BLV-pro insbesondere auf die seit dem 1. Dezember 2023 gestiegenen Lkw-Mautsätze sowie die zusätzliche CO₂-Komponente.
Nach Ansicht des Verbands verschärft sich dadurch der Wettbewerb mit ausländischen Transportunternehmen, die häufig unter günstigeren Kostenbedingungen arbeiten.
„Das Ergebnis ist ein Markt, in dem deutsche Unternehmen immer höhere Standards erfüllen und immer höhere Abgaben bezahlen müssen, während gleichzeitig Wettbewerber aus dem Ausland mit erheblichen Kostenvorteilen auf denselben Transportmarkt drängen. Das ist kein fairer Wettbewerb“, so Konstantin Popov.
Auswirkungen auf Lieferketten, Arbeitsplätze und Versorgungssicherheit
Der BLV-pro warnt davor, die aktuelle Entwicklung ausschließlich als Problem einzelner Speditionen zu betrachten. Wenn Unternehmen ihre Flotten verkleinern, Investitionen zurückstellen oder den Betrieb einstellen müssten, gingen dauerhaft Transportkapazitäten verloren.
Davon betroffen wären nach Angaben des Verbands nicht nur Transportunternehmen selbst. Auch Arbeitsplätze von Berufskraftfahrern, Disponenten, Werkstattmitarbeitern und weiteren Beschäftigten entlang der Lieferkette könnten unter Druck geraten.
„Transportkapazität lässt sich nicht kurzfristig per Gesetz erzeugen. Ein Lkw, der heute aus wirtschaftlichen Gründen stillgelegt wird, steht morgen nicht plötzlich wieder zur Verfügung, wenn eine Krise eintritt“, erklärt Konstantin Popov.