Anfang Juni war die vielbefahrene Autobahnbrücke über den Rhein in Bonn wegen neu entdeckter Schäden bis auf weiteres für den Verkehr gesperrt worden. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) hält weitere unerwartete Sperrungen wegen maroder Brücken in Deutschland für möglich. Mit Blick auf die gesperrte Brücke in Bonn sagte Schnieder der „Deutschen Presse-Agentur“: „Die Brücke, die wir jetzt abreißen müssen, dieses Teilbauwerk, hat sich innerhalb weniger Wochen dramatisch verschlechtert. Das kann uns immer wieder passieren. Deshalb werden diese Brückenbauwerke auch eng kontrolliert und entsprechende Maßnahmen ergriffen.“
"Die Brücken stehen im Fokus meines Ministeriums und auch der Autobahn GmbH."
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder
Engmaschige Überwachung der Brücken
Bei der Brücke in Bonn waren unter anderem Risse im Beton und Korrosionsschäden im Betonstahl festgestellt worden. Die Bonner Nordbrücke ist Teil der Autobahn 565 und die wichtigste Ost-West-Verbindung für die Region. Inzwischen wurde angekündigt, dass die Brücke abgerissen wird. Geplant ist ein Neubau. „Wir schauen seit geraumer Zeit sehr viel engmaschiger auf die Brücken, sonst hätte man das vielleicht gar nicht so schnell erkannt“, sagte Schnieder. „Die Brücken stehen im Fokus meines Ministeriums und auch der Autobahn GmbH, weil sie für uns so wichtig sind und weil der Ausfall einer Brücke dramatische Folgen für die betroffenen Regionen hat.“
400 Brücken pro Jahr sanieren
Langfristig müssten etwa 8000 Brücken saniert oder neu gebaut werden, sagte Schnieder. Bis 2032 seien etwa 4000 Brücken oder Brückenteilbauwerke im Kernnetz der Autobahnen zu sanieren. „Bei der Aufgabe sind wir gut dabei. Es heißt zwar, wir müssten daher eigentlich 400 Brücken pro Jahr anpacken“, sagte der Minister.
Entscheidend sei aber die zu sanierende Brückenfläche. „Und da haben wir umgerechnet bei diesen 4000 Brücken etwa 450 Fußballfelder zu sanieren. Und davon haben wir bis Ende Juni 2026 knapp 190 geschafft. Also liegen wir ganz gut im Kurs, weil wir am Anfang die großen und wichtigen Brücken machen. Und jetzt kommen zusätzliche Brücken dazu, die nicht vorhersehbar waren.“
"Jetzt kommen zusätzliche Brücken dazu, die nicht vorhersehbar waren."
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder
Zusätzliche Maßnahmen für den Erhalt der Brücken
Der Bundesrat hatte in seiner Sitzung am 10. Juli in einer Entschließung Konsequenzen aus dem Fall der Bonner Brücke gefordert. Der Bundesrat zeigte sich besorgt, dass Sperrungen von Brückenbauwerken in zunehmend kurzen Zeitabständen erfolgen. Das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität solle verstärkt für zusätzliche Maßnahmen zum Erhalt und Ersatz von Infrastruktur eingesetzt werden. Aus dem schuldenfinanzierten Sondervermögen wird auch der Erhalt von Brücken finanziert. Für 2027 sind dafür laut Haushaltsentwurf der Bundesregierung rund 2,8 Milliarden Euro vorgesehen.