Der Fahrermangel spitzt sich zu


Datum:
21.04.2020
Autor:
John Aukenthaler
Lesezeit: 
7 min

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Chef Jakob Weets übergibt Dokumente an seinen Fahrer Hinrich Reck
© Foto: Timo Müller/TRUCKER

Eine weitere Herausforderung ist aus seiner Sicht auch der sich zuspitzende Fahrermangel. „Wenn jemand sagt, er spürt das nicht, dann weiß ich nicht, was er für einen Betrieb hat“, sagt Weets. Sein Betrieb hat deshalb für sich Maßnahmen entwickelt, um fürs Erste gegensteuern zu können.

Das Unternehmen bildet beispielsweise selbst Berufskraftfahrer aus. „Noch können wir jedes Jahr unsere Ausbildungsstellen besetzen“, berichtet Weets. Eine große Rolle schreibt er dabei dem Ostfriesisch-Papenburger-Ausbildungsverbund für Logistikberufe (O.P.A.) zu, bei dem Weets seit 2012 Mitgründer und Mitglied ist. O.P.A. ist ein Zusammenschluss mehrerer Transportunternehmen, die ihre Auszubildenden untereinander austauschen, um ihnen eine große Bandbreite in der Berufsausbildung bieten zu können.

Am Wochenende wird bei Weets in der Regel nicht gearbeitet

Aber auch die ausgelernten Fahrer sind Weets wichtig. Beispielsweise räumt das Unternehmen ihnen ein Mitspracherecht bei der Ausstattung der Fahrzeuge ein. Das Gehalt scheint ebenfalls zu stimmen. Die Fahrer Jens-Ingo und Hinrich sind zumindest mit ihrem Lohn zufrieden. „Ich kann mich wirklich nicht beklagen“, sagt Jens-Ingo, während sein Kollege zustimmend nickt. Scherzhaft ergänzt er: „Eine Grenze nach oben gibt es natürlich immer.“

Blick ins Lager: Hier wird viel für die Automobilindustrie eingelagert
© Foto: Timo Müller/TRUCKER

Darüber hinaus bemüht sich das Unternehmen, dass am Wochenende nicht gearbeitet wird. In der Regel sind die Fahrer in dieser Zeit zu Hause und die Fahrzeuge bleiben stehen. Der Fuhrpark des Unternehmens besteht insgesamt aus 80 Fahrzeugen, darunter 30 Scania-Lkw, 43 Modelle der Marke MAN und drei Lang-Lkw. Außerdem gibt es fünf mit Flüssigerdgas (LNG) betriebene Trucks, die das Unternehmen zurzeit testweise einsetzt. „Ob es das Gelbe vom Ei ist, wissen wir noch nicht“, sagt Weets. Bei Langstecken zumindest sieht er perspektivisch eher die Wasserstoff-Technologie vorne.

Elektro-Lkw spielen für Weets derzeit keine Rolle. Getestet hat das Unternehmen sie aber schon – sogar zwei Mal. „Die Tests waren okay, aber E-Lkw sind bei uns nicht wirklich alltagstauglich“, lautet Weets Fazit. Umwelt und Klimaschutz spielen beim Unternehmen insgesamt aber eine wichtige Rolle. Die Firma engagiert sich beispielsweise im Umwelt-Projekt „Green Chain“ der Hamburger Hafen und Logistik AG und deren Tochter Metrans. Das langfristige Ziel dabei ist ein CO2-neutraler Containerumschlag. Außerdem spielt Weets mit dem Gedanken, sich im Bereich der Wasserstoff-Technologie zu engagieren, um die Verbreitung von Lkw mit einem solchen Antrieb zu fördern. „In diesem Bereich möchte ich mit meinem Unternehmen ganz vorne dabei sein“, verrät der Unternehmer.

„Bis Lkw vollständig autonom fahren, wird es noch dauern“

Ein weiteres Projekt, das bereits im Unternehmen verfolgt wird, sind Tests mit teilautonomen Lkw. Dabei erprobt Weets gemeinsam mit dem Lkw-Hersteller MAN und der Hamburger Hafen und Logistik AG bis 2021 in einem Forschungsprojekt die Möglichkeiten für Automatisierungslösungen im Straßentransport. Getestet wird auf einem 70 Kilometer langen Straßenabschnitt. Weets ist sich allerdings sicher, dass noch einige Zeit vergehen wird, bis komplett autonom fahrende Lkw existieren – beispielsweise wegen offener Fragen bezüglich der Haftung bei einem Unfall. Hier sieht er noch eine Menge Klärungsbedarf. Deshalb werden beim Unternehmen auch weiterhin gute Mitarbeiter gebraucht (siehe Kasten „Fünf Fragen an den Chef“).


Fünf Fragen an den Chef:

Mit welchen Eigenschaften hat man als Fahrer bei Ihnen gute Chancen, wenn man sich bewirbt?

Pünktlichkeit ist sehr wichtig. Das verlangen unsere Kunden und deshalb sollten das unsere Fahrer auch leisten können. Außerdem gebe ich Neueinsteigern eine Chance, weshalb es nicht schlimm ist, wenn jemand seinen Führerschein erst seit Kurzem hat. Solche Fahrer kann ich so formen, wie es am besten für meine Firma ist.

Spüren Sie bei sich im Unternehmen den Fahrermangel?

Bemerkbar macht sich das schon, das muss ich sagen. Wenn jemand meint, er spürt das nicht, dann weiß ich nicht, was er für einen Betrieb hat. Allerdings tun wir viel, um gegenzusteuern. Wir bilden beispielsweise selbst Berufskraftfahrer aus und sind seit 2012 Gründungsmitglied im Ostfriesisch-Papenburger-Ausbildungsverbund für Logistikberufe. Noch können wir so jedes Jahr unsere Ausbildungsplätze besetzen. Der größte Teil bleibt nach der Lehre dann auch bei uns im Unternehmen.

Welche Zusatzleistungen erhalten Fahrer bei Ihnen im Unternehmen?

Für alle Fahrer gibt es eine Jahresprämie. Außerdem arbeiten wir mit einer Fahrschule zusammen, die sich um Weiterbildungen kümmert. Somit müssen das unsere Mitarbeiter nicht selbst organisieren. Im Moment sind wir auch dabei, ein ganz neues Paket für unsere Fahrer zu schnüren. Das soll zum 35-jährigen Jubiläum unserer Spedition in Emden kommen.

Engagiert sich Ihr Unternehmen auch vor Ort?

Es gibt in Emden ein Filmfest, bei dem wir seit elf Jahren den Drehbuchpreis fördern. Zusätzlich unterstützen wir die Kunsthalle Emden. Erst kürzlich haben wir zudem die Auszeichnung „Kulturkontakte“ erhalten. Das ist ein Preis, der einmal im Jahr vom Land Niedersachsen für werthaltiges Engagement vergeben wird.

Zum Abschluss eine persönliche Frage: Haben Sie ein besonderes Hobby?

Solange ich denken kann, fahre ich Kart. Vor 15 Jahren haben wir einen Verein gegründet, in dem ich zweiter Vorsitzender bin. Das passt gut zu mir, weil ich nicht so viel Zeit für den ersten Vorsitz habe. Außerdem haben wir in Marienhafe eine Kartbahn. Dort fahren wir Rennen und nach diesen plane ich auch meinen Urlaub. Es kann nämlich nicht sein, dass ich im Urlaub bin, während ein Rennen stattfindet (lacht).



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