Reportage: Mit Ruhe durch die Krise

Die drei Chefs der Spedition Schlecht (v.l.): Dieter Schlecht (60), Marvin Schlecht (30) und Dennis Schlecht (27)
© Foto: Karel Sefrna

Die Schlecht Logistik aus Filderstadt erlebt aktuell schwierige Zeiten. Einer, der dabei trotzdem das Steuer in der Hand behält, ist Berufskraftfahrer Mike Lüders.


Datum:
24.06.2020
Autor:
Stephanie Noll
Lesezeit: 
5 min

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Mike Lüders ist mit seinem Job zufrieden. Das liegt vor allem an der Abwechslung und der Freiheit, die der 55-Jährige bei seiner Arbeit erlebt. „Jeder Tag ist bei mir anders“, sagt er. Mike arbeitet seit Oktober 2015 als Berufskraftfahrer für die Spedition Schlecht Logistik in Filderstadt.

Mikes Firma bekommt allerdings derzeit die Folgen des Coronavirus für die Wirtschaft deutlich zu spüren. „Die Lage bei uns als Logistiker und Frachtführer spitzt sich täglich zu“, sagt Prokurist Marvin Schlecht. Zusammen mit seinem Bruder Dennis und seinem Vater, Firmengründer Dieter Schlecht, steuert er den 1993 gegründeten Familienbetrieb durch diese schweren Zeiten. Schlecht Senior zieht sich, seit die Söhne eingestiegen sind, schrittweise aus dem operativen Geschäft zurück. „Ich gehöre nicht zu denen, die noch mit 78 irgendwelche Fäden im Unternehmen ziehen wollen“, betont der 60-jährige gelernte Automobilkaufmann. Seit 17 Jahren gehört ihm die Firma allein, seit Dezember 2016 firmiert sie als Schlecht Logistik GmbH. Ende 2015 wurde der Sitz nach Filderstadt verlegt.

Fuhrparkleiter Kevin Brucher während der Einweisung eines Fahrers
© Foto: Karel Sefrna

Die Pandemie macht der Firmenleitung viele Sorgen. „Viele Touren sind ausgesetzt, da die Wirtschaft nicht arbeitet. Eine Alternative für den Einsatz unserer Lkw und Mitarbeiter haben wir nur sehr bedingt“, berichtet der 30-Jährige. Entsprechend habe sein Unternehmen bereits Fahrzeuge stehen lassen müssen und könne einige Mitarbeiter aktuell nicht ausreichend beschäftigen. Bei den verbliebenen Angestellten versuchen die Spediteure das Gesundheits­risiko möglichst gering zu halten. „Wir achten auf Hygiene und haben das auch so an unsere Fahrer weitergegeben“, erzählt Marvin Schlecht.

Bei der Gründung 1993 hieß die Spedition noch Kast & Schlecht
© Foto: Karel Sefrna

Fahrer Mike Lüders weiß die Fürsorge zu schätzen – wie überhaupt seinen Beruf. „Man ist irgendwie sein eigener Chef und hat seine Ruhe“, nennt er die Vorzüge seiner Fahrertätigkeit. In den letzten zwei Jahren ist er für internationale Messen quer durch Europa gefahren – etwa in die Benelux-Staaten, aber auch nach Spanien oder Italien. Seit der Corona-Krise ist damit allerdings Schluss, denn eine Messe nach der anderen wurde abgesagt, um eine weitere Ausbreitung der Covid-19-Pandemie zu verhindern.

Stattdessen fährt Mike jetzt deutsche Logistikzentren verschiedener Discounter an und sieht täglich die Folgen der Hamsterkäufe. „Wir Lkw-Fahrer kommen gar nicht nach mit dem Liefern“, erzählt er. Weil Verbraucher etwa Klopapier in großen Mengen kaufen, müssen die Discounter entsprechend viel Ware bereithalten. „Die Logistikzentren sind derzeit so voll, dass sie ihre Ware im Freien lagern müssen“, berichtet der Berufskraftfahrer.

Pünktliches Gehalt und ansehnlicher Fuhrpark

Mit seinen Chefs Marvin, Dennis und Dieter Schlecht, die auch alle drei selbst einen Lkw-Führerschein besitzen, ist Mike zufrieden. „Sie sind immer für die Fahrer da, man wird nicht im Regen stehengelassen“, lobt er. Mit seinem Lohn ist der ehemalige DJ und Pkw-Testwagen-Fahrer ebenfalls einverstanden. „Das Geld kommt superpünktlich, es gab noch nie Probleme.“ Daneben kann die Spedition auch mit einem ansehnlichen Fuhrpark locken. Die Flotte besteht aus rund 50 ziehenden Einheiten, alles 40-Tonner und zum Großteil „Scania S 500“, die maximal zwei Jahre alt sind. Hinzu kommen noch einige Lkw von Mercedes-Benz sowie etwa 90 Auflieger und Anhänger. „Es gibt durchaus Fahrer, die sich nur bei uns bewerben, weil wir einen Scania-Fuhrpark haben“, berichtet Marvin Schlecht.

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