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Fahrbericht Volvo FE: Mezzo Mix!

11.11.2015 08:00 Uhr
Fahrbericht Volvo FE: Mezzo Mix!
Doppelt gelenkt und verglast: Die Nachlauflenkachse macht den 26-Tonner vergleichsweise kompakt
© Foto: Gregor Soller

Volvo-FE-Getränkeverteiler sind selten wie mit Beeren gebrautes Bier - zu Unrecht?

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Verteiler und Volvo - diese Mischung aus zweimal "Vitamin V" ist zumindest im deutschen Sprachraum so selten wie das belgische Beerenbier der Craft-Brauerei Huyghe aus dem Herkunftsland des Volvo FE.

Doch während die Mischung "Holy Moose" - also heiliger Elch - aus Moltebeeren, Preiselbeeren, Heidelbeeren und Sanddorn nicht jedermanns Sache ist, dürfte der FE 320 6x2-Getränkeverteiler mit Nachlauflenkachse hierzulande durchaus mehr Fans finden. Denn der im belgischen Gent montierte FE gibt sich so kompetent wie die belgischen Brauer, die für ihre zahlreichen Biere bekannt sind.

DIE EINFÜHRUNG VON I-SHIFT BRACHTE ENORME VORTEILE

Die Zutaten dafür haben Volvos "Braumeister" geschickt zusammengestellt: Man nehme die kompakte und innenstadttaugliche Renault-Midlum-Kabine. Dazu gebe man die großteils geschickt angeordneten Bedienelemente (ob dies jedoch für das Renault-typische "Motorbremsstäbchen" links der Lenksäule auch gilt, muss jeder für sich entscheiden) und volvorisiere das Ganze außen mit schicken V-förmigen Tagfahrlichtstreifen. Dazu kommt eine optisch eher kastenförmige Knäckebrotoptik samt vieler Zeigerinstrumente. Anschließend befeuere man das Ganze mit dem 7,7-Liter-Sechszylinder, den Volvo jetzt ans eigene I-Shift-Getriebe koppelt. Voilà - fertig ist das Mischgetränk, das vielen Verteilerfahrern gut schmecken dürfte.

Und diese Mischung findet auf den engen Serpentinen des Kyffhäuser einen feinen Kompromiss aus Direktheit, Komfort und Kraft - wozu neben dem Antriebsstrang auch Lenkung und Federung beitragen, die den 26-Tonner kompakter wirken lassen, als er ist.

Zwar können grobe Unebenheiten die Lenksäule schon mal erzittern lassen, doch davon lässt sich der FE nicht aus der Ruhe bringen. Die Motorbremse unterstützt die gut dosierbaren Betriebsstopper ordentlich. Ihre Steuerung sorgt nötigenfalls für Rückschaltungen. Entsprechend leicht fährt der Dreiachser die Serpentinen hinunter.

In der Stadt, wo sich der Getränkeverteiler die meiste Zeit aufhalten dürfte, hilft ihm die Nachlauflenkachse, leichter ums Eck zu kommen. Die Getränkefahrer, die ja zum Kreise derer gehören, die am Tag mehrmals aus- und einsteigen, dürften sich zudem über die niedrigen, treppenförmig angeordneten Tritte freuen, die das Erklimmen des FE erleichtern.

Ebenso angenehm ist die untere Seitenscheibe in der Beifahrertür, die den Blick auf Kinder, Tiere oder niedrige Poller auf jeden Fall erleichtert. Im Innenstadtverkehr ist sie ein nicht zu unterschätzendes Plus - den französischen Kabinendesignern sei für ihren Weitblick gedankt.

Dass das Fahrerhaus schon vor gut zwanzig Jahren für Renault entwickelt wurde, merken vor allem groß gewachsene Fahrer: Denen bietet die kurze Version etwas zu wenig Platz in der Länge. Die Materialqualität erinnert mit ihrem ganzen, geradlinigen, harten Kunststoff eher an Knäckebrot als an Croissant. Doch in Summe lässt sich innerorts gut arbeiten.

Zeit, sich auf den Rückweg zu machen, diesmal bergan. Und da ist der mittelschwere FE schwer gefordert. Doch dank seines drehfreudigen Motors und der formidabel darauf abgestimmten automatisierten I-Shift-Schaltung erklimmt er den Kyffhäuser sehr gelassen - auch weil das Getriebe das Drehmoment des Motors gut einschätzen kann und lang darauf baut: Im breiten Band zwischen 1050 und 1600 Umdrehungen arbeitet das Maximaldrehmoment von 1200 Newtonmeter für den Fahrer.

Optional lässt sich I-Shift im Prinzip wie bei FM und FH um eine erweiterte Schaltstrategie, Launch-Control und I-Roll erweitern, was im Innenstadtverteilerverkehr unseres Erachtens nur bedingt Sinn macht.

INSGESAMT GIBT SICH DER FE ERSTAUNLICH AUSGEWOGEN

Die Unwilligkeit, zurückzuschalten, mag ab und an Schwung kosten, sorgt aber für Gelassenheit, zumal der FE unter Last prinzipbedingt nicht zu den ganz großen Leisetretern gehört. Einmal mehr fällt das Zusammenspiel der direkten Lenkung mit dem straffen Fahrwerk positiv auf, das den FE kontinuierlich bergan schnüren lässt.

Zusammen mit dem kräftigen Motor und der schlauen Schaltung ergibt sich so ein unerwartet stimmiges Fahrzeug, das den Fahrer das Gewicht der Fracht nie stärker als nötig spüren lässt.

Auch an Reparatur und Service hat Volvo gedacht: Der dreiteilige Stoßfänger lässt sich bei kleinen Remplern segmentweise tauschen, und das Wartungsintervall fällt im Verteilerverkehr mit 75.000 Kilometern respektive jährlicher Durchsicht lang genug aus.

KONFIGURATIONEN? GIBT ES FÜR DEN FE (ZU) VIELE!

Der Hauptnachteil von Volvos Verteiler dürfte die geringe Marge sein, die Verkäufer mit ihm erzielen: Denn beim Konfigurieren ist so ein Fahrzeug komplexer und zeitaufwendiger als eine Fernverkehrs-Sattelzugmaschine - bringt aber nicht mehr Verkaufsbonus. Deshalb werden wohl viele aus der Sales-Abteilung lieber weiter Zugmaschinen an den Mann bringen.

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