Scania Facelift: Nördliche Strömungen

Den neuen Scania erkennt man am besten am Windabweiser oberhalb der Frontscheinwerfer
© Foto: Scania

Scania reanimiert den "Streamline" und betitelt damit diverse Pflegemaßnahmen, die G und R noch sparsamer machen sollen.


Datum:
24.04.2013
Autor:
Jan Burgdorf

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Da müssen selbst eingefleischte Scania-Fans ganz genau hinsehen, um die sanft gelifteten G- und R-Modelle von ihren "Vorgängern" zu unterscheiden. Und sie werden erstmal enttäuscht sein. Schließlich hatte sich mancher vom lange angekündigten "neuen Modell" mehr erhofft. Man entwickle seine Produkte kontinuierlich und fließend weiter, erklären die Schweden ihre Philosophie. Ohnehin lohnt ein "genaueres Hinsehen", weniger optisch als vielmehr technisch.

RUNDERE FRONT SOLL EIN PROZENT SPRIT SPAREN

Mit dem jüngsten Facelift kehrt nicht nur der Name "Streamline" zurück, auf den ab 1991 schon die letzte, aerodynamisch optimierte Version der 3er-Baureihe hörte. Auch 22 Jahre später haben die Schweden an der Aerodynamik gefeilt. Durch die - mittels neu gestalteter Seitenteile - nun rundere Front verbessert sich der Luftwiderstand: Scania verspricht eine Verbrauchssenkung um ein Prozent. Zusätzlich überarbeitete man die Sonnenblende, die jetzt an den Enden offen ausläuft, womit die bisher typischen Windgeräusche dieses Bauteils passé sein dürften. In die Blende lassen sich weiter Zusatzscheinwerfer einfügen, die eine bessere Ausleuchtung bieten sollen.

Auch innen blieb fast alles beim Alten. Das bisherige Beige der Wand- und Dachverkleidungen wich einem dunkleren Farbton. Die neuen, vielfach verstellbaren Sitze kommen jetzt allesamt von Recaro und sollen sich dank beleuchteter Symbolik vor allem bei Dunkelheit leichter bedienen lassen. Jetzt serienmäßig in allen G- und R-Modellen verbaut ist das auf 90 Zentimeter ausziehbare untere Bett. Aufpreis kostet dagegen das Navigationssystem, dessen Bildschirm sich nun harmonischer in die Armaturen-Landschaft einfügt. Überarbeitet wurde auch die Bedieneinheit für die Luftfederung, mit der sich die Federung wahlweise in zwei Geschwindigkeiten senken und heben lässt.

Gravierendere Neuerungen finden sich unter der Kabine. Die bisher schon erhältlichen Euro-6-Versionen des 12,7-l-Sechszylinders mit 440 und 480 PS erstarkten jeweils um zehn PS. Durch ein neues Motormanagement und veränderte Lufteinlässe, die höhere Abgastemperaturen gewährleisten, sollen sie zwei Prozent sparsamer geworden sein. Dazu trägt auch der neue Luftkompressor bei, der sich abschaltet, solange sich der Luftvorrat im grünen Bereich befindet.

Über Letzteren verfügt auch die neue Einstellung mit 410 PS. Deren eigentlicher Clou liegt jedoch in der Abgasnachbehandlung: Denn anders als die beiden stärkeren Brüder, die Euro 6 nur mit AGR und SCR-Kat schaffen, erfüllt der 410er die strengste Schadstoffnorm auch ohne die verbrauchstreibende Abgasrückführung. Ein Turbolader mit starrer Geometrie und eine elektrisch geregelte Einlassdrossel sind weitere Unterschiede zu den 450 und 490 PS starken Versionen. Die bauen wegen ihrer AGR-Bauteile auch 40 Kilogramm schwerer als der "Only-SCR-Motor". Nutzen kann der Kunde diesen Gewichtsvorteil allerdings nicht. Schließlich gibt Scania den Adblue-Anteil mit sechs Prozent vom Dieselverbrauch an, doppelt so viel, wie die SCR-AGR-Motoren benötigen. Weshalb man dem 410er einen größeren Harnstoff-Tank mit auf den Weg gibt. Die Sechszylinder werden Mitte des Jahres noch um eine 370 PS starke Variante ergänzt. D

ER 620ER ENTFÄLLT, DER 580ER IST GENAUSO STARK

Ebenfalls auf Euro-6-Niveau reinigt jetzt der V8 seine Abgase, auch hier mit der Kombination aus SCR und AGR. Wie beim 730-PS-Flaggschiff, das erst später in Euro 6 zu haben sein wird, stellte man die schwächeren Versionen (um je 20 PS auf 520 und 580 PS stärker) von Pumpe-Düse auf Common-Rail um. Mit dem Graphit-Motorblock (CGI) aus dem Scania-Baukasten - bisher den Sechszylindern und dem 730er vorbehalten - vergrößerte sich der Hubraum um 0,6 auf 16,4 Liter. Ersatzlos gestrichen wurde beim Sprung zu Euro 6 die 620-PS-Einstellung. Allerdings ist der 580er mit 2950 Newtonmeter Drehmoment fast ebenbürtig ...

Weiterhin nur optional erhältlich bleibt das Opticruise-Getriebe. Dafür spendiert Scania den GPS-Tempomaten "Active Prediction" in Serie und stellt den Fahrer vor die Wahl aus vier Schaltmodi. Der werksseitig hinterlegte Standardmodus folgt einem Kompromiss aus Verbrauch und Zugkraft. Individualisierung auf den eigenen Einsatz ist über "Economy-", "Offroad-" und "Powermodus" möglich.

Große Flotten wird die Version mit begrenzter Eingriffsmöglichkeit interessieren, bei der der Fahrer ab 50 km/h keine manuellen Schaltungen mehr vollziehen kann, die Kickdown-Funktion abgeschaltet ist und wahlweise bei Tempo 80 oder 85 abgeregelt wird. Alle Programme lassen sich jederzeit von der Werkstatt aktivieren.

In der soll der Scania weniger Zeit verbringen, weil sich die Werkstatt per GPS-Ferndiagnose auf den LKW vorbereiten kann. So wie die Greif-Fans auf den "Big Bang" - 2015 soll es nun soweit sein. Ganz kontinuierlich, versteht sich.


Scania Streamline

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