BGL-Versammlung: Fokus auf Fahrer

Mitgliederversammlung des BGL: Das Thema Fahrer stand weit oben auf der Agenda
© Foto: Lutz Sternstein/BGL

Nicht nur die LKW-Maut bereitet dem BGL Sorge, auch Dumpinglöhne und Fahrermangel bewegen die Unternehmer.


Datum:
26.11.2013
Autor:
Michael Simon

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Bis auf den letzten Platz füllte sich der Konferenzsaal im Hilton Hotel in Mainz. 300 Transportunternehmer waren der Einladung des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung BGL zur Mitgliederversammlung gefolgt, um sich über Mautausweitung, Sozialdumping und Fahrermangel auszutauschen. "Sie brauchen Verlässlichkeit, Sie brauchen Berechenbarkeit, daher sage ich Ihnen: Kontinuität ist die maßgebliche Leitlinie", versprach Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer den Unternehmern für die Zukunft.

BGL: MAUTAUSWEITUNG TRIFFT DEN MITTELSTAND

Ob Ramsauer dabei an "Kontinuität" bei der Ausweitung der LKW-Maut dachte, wurde nicht eindeutig beantwortet. Zwar warnte der Bundesverkehrsminister davor, den LKW, den er als unverzichtbaren Verkehrsträger erachtet, zum "Zahlmeister" der Verkehrsinfrastruktur zu machen, und versicherte: "Wir dürfen und werden bei der LKW-Maut keinesfalls überdrehen." Am Beschluss der Verkehrsminister über die Maut-Ausweitung auf alle Bundesstraßen wollte Ramsauer aber auch nicht rütteln.

Der BGL hingegen bewertet den Beschluss als fatal für die deutsche Transportbranche, weil die neue Maut insbesondere deutsche LKW und Produktionsstätten treffe. Anders als auf Autobahnen liege der Anteil deutscher Fuhrwerke auf bemauteten Bundesstraßen bei rund 85 Prozent.

Nach der fünfzigprozentigen Mauterhöhung im Jahr 2009 könne die neuerliche Mehrbelastung einige mittelständische Betriebe an die Grenzen wirtschaftlicher Belastbarkeit bringen, meint der BGL, und somit Arbeitsplätze kosten.

SOZIALDUMPING: KABOTAGE ERHÖHT DEN DRUCK

Doch nicht nur die Maut stellt nach Ansicht des Verbands die Unternehmen vor eine Zerreißprobe. Mit deutlich geringeren Personal- und Sozialkosten laufe die europäische Konkurrenz den Deutschen zunehmend den Rang ab. Als Beleg nennt der BGL den Marktanteil deutscher LKW gemessen an den gefahrenen Mautkilometern im Bundesgebiet und die Zulassungsstatistik neuer Sattelzugmaschinen. Beide Werte sind stark rückläufig.

Im Kampf gegen das europäische Sozialdumping wählt der Arbeitgeberverband eine andere Strategie als die Fahrer. Während diese jüngst in Aschaffenburg zum vierten Mal per Demonstration ihren Unmut kundtaten und die Öffentlichkeit auf die Missstände hinweisen wollen, scheut der BGL den öffentlichen Schulterschluss.

"Die Fahrer werden von uns ernsthaft bedauert. Aber wir glauben nicht, dass diese Art von Demonstration unser Weg sein kann", sagte BGL-Präsident Adalbert Wandt. "Die Fenster im Reichstag sind schalldicht, Demonstrationen werden vollkommen überschätzt", legte Hauptgeschäftsführer Karlheinz Schmidt nach.

Stattdessen gehe man lieber den Weg über die Politik. In Brüssel und Berlin versucht der BGL in Gesprächen mit Politikern, die Pläne der EU-Kommission auf Eis zu legen, den Transportwettbewerb in der EU weiter zu liberalisieren und die Kabotageregelungen zu lockern.

VERDI UND DER BGL: GEMEINSAM NACH BRÜSSEL

Unternehmen, die Dumpinglöhne zahlen bzw. Fahrer, die für solche fahren (müssen) - unabhängig davon, ob innerhalb von Deutschland oder bei den EU-Nachbarn - machen aber nicht nur den Arbeitgebern zu schaffen. Sie sind auch Arbeitnehmervertretern wie der Gewerkschaft Verdi ein Dorn im Auge - ein Umstand, der kürzlich zu einem besonderen Bündnis zwischen beiden geführt hat (TRUCKER berichtete). Als ersten gemeinsamen Schritt planen BGL und Verdi vor der Wahl des Europa-Parlaments im Mai 2014 eine Veranstaltung mit EU-Abgeordneten, um auf die Problematik geänderter Kabotageregelungen aufmerksam zu machen.

FAHRERMANGEL: BEDARF WIRD NICHT GEDECKT

Während draußen der "Feind" an den Toren rüttelt, wanken drinnen die tragenden Säulen der deutschen Transportwirtschaft; das Thema Fahrermangel stand ebenfalls weit oben auf der Tagesordnung. Angesichts dessen, dass in den kommenden zehn Jahren zirka 30.000 Fahrer pro Jahr in Rente gehen werden, reicht die bisherige Nachwuchsförderung noch nicht aus, um den künftigen Bedarf zu decken.

Da scheint es eher ein Tropfen auf den heißen Stein, dass der BGL nun auch Lehrstellenangebote für das Ausbildungsjahr 2014 auf seiner Ausbildungsplatzbörse im Netz auflistet. Nach Ansicht der Unternehmer müsste auch mehr Nachwuchs über die beschleunigte Grundqualifikation gewonnen werden. Uneins ist man sich hingegen hinsichtlich der Frage, ob es jetzt schon an Fahrern mangelt.

"Ich sehe keinen Fahrermangel, wenn man gut bezahlt und moderne Fahrzeuge zur Verfügung stellt", so die Meinung von Josef Frankenfeld. In seiner gleichnamigen Spedition seien Modernität, Kollegialität und gute Bezahlung schlagende Argumente, um für Fahrer attraktiv zu sein.

Dem entgegen steht die Einschätzung von Hubertus Kobernuß: "Es gibt keinen Mangel an Fahrern, aber einen an qualifizierten Fahrern, was die Erfahrung angeht. Das Aufgabenspektrum, das heutzutage weit über das Fahren hinaus geht, können immer weniger erfüllen." Zudem sei der Wunsch vieler Berufseinsteiger nach Sesshaftigkeit nicht mit der geforderten Mobilität dieser Tätigkeit zu vereinbaren, trotz der grundsätzlichen Attraktivität des Berufes.

Derzeit beschäftigt inzwischen jedes dritte Transportunternehmen (31,5 %) das Problem, qualifizierte Fahrer zu finden, ergab eine aktuelle Umfrage des ADAC Truckservice unter 108 Betrieben. Im Jahr zuvor hatten sich nur 7,1 % der Befragten darüber gesorgt.

HASHTAG


#Kabotage

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