Reportage: Familienbande

Sie führen die Budde-Spedition: Karl-Heinz Budde (M.), Tochter Daniela (l.) und ihr Mann Markus (r.)
© Foto: Eva Hassa/TRUCKER

Seit 85 Jahren gibt es die Spedition Budde, seit 1975 führt Karl-Heinz Budde die Geschäfte und inzwischen mischen auch Tochter Daniela Budde und ihr Mann Markus mit. Ein echtes Erfolgstrio.


Datum:
06.03.2020
Autor:
Eva Hassa
Lesezeit: 
5 min

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Bei einem großen Konzern könnte ich nie arbeiten“, sagt Lkw-Fahrer Bernd Buch. „Mir ist das Miteinander wichtig“. Seit mehr als 12 Jahren arbeitet er nun bei der Spedition Budde in Radevormholz. Was ihm gefällt: Sein Chef ist früher selbst Lkw gefahren. „Damals, in den 70ern und 80ern, habe ich zum Beispiel Stoffe aus Osnabrück nach Tunesien und zurück fertige Levis-Jeans befördert“, bestätigt Karl-Heinz Budde. Gut und gerne 14 Tage habe eine solche Tour damals gedauert. „Ein harter Job, aber angenehm“, erinnert sich der Geschäftsführer der Spedition. Heute würden die Lkw nur mehr bis Genua oder Marseille fahren, wo die Auflieger auf die Fähre nach Tunis geladen werden. „Das richtige Fernfahrer-Leben von früher gibt es heute nicht mehr“, bedauert Budde. Heute laufe alles unter der Maxime „schnell und billig“.

Seit 45 Jahren ist Karl-Heinz Budde in dem Familienbetrieb tätig, das sein Großvater, ein Metzgermeister, vor 85 Jahren gegründet hat. „Damals eher aus Frust, weil er nie pünktlich mit Vieh und Fleisch versorgt worden ist“, verrät Budde augen­zwinkernd. Zu den Tier- und Fleischwarentransporten kam in den 50er-Jahren das Geschäft der Bahnspedition in Lüttringhausen dazu und ab 1961 der Fernverkehr. „Wir sind damals bis nach Afrika runter und nach Skandinavien hoch. Es gibt kein Land, wo wir nicht waren.“

Vor über 45 Jahren verlegte die Spedition Budde ihren Sitz nach Radevormwald
© Foto: Eva Hassa/TRUCKER

Die große Herausforderung ist die Lkw-Fahrer-Suche

Heute beschäftigt die Budde-Spedition 27 Mitarbeiter, davon 15 Berufskraftfahrer, und setzt europaweit insgesamt über 100 eigene Einheiten ein, darunter Lösungen für Sondertransporte, zum Beispiel Spezialkoffer für den Transport von explosiven Stoffen. Einige spezielle Tieflade-Auflieger können sogar Schwergut mit 56 Tonnen am Stück mit einer Ladebreite von 4,50 Meter und einer Laderaumhöhe von 3,60 Meter aufnehmen. Zusätzlich repariert die eigene Werkstatt Nutzfahrzeuge und vermietet Lkw und Anhänger – auch für Dritte. Weiteres wichtiges Standbein: die Aus- und Weiterbildung. Nahezu jedes Wochenende schult Karl-Heinz Budde Lkw-Fahrer. Kurzum: „Für Geld tun wir (fast) alles, wenn es unserem Kunden hilft“, formuliert es der Mittelständler trocken.

Was den 64-Jährigen besonders stolz macht: 2004 stieg Tochter Daniela ins Unternehmen ein. Heute kümmert sie sich ums Kaufmännische, ihr Vater und ihr Mann Markus ums Technische.

Geheiratet haben er und Daniela pünktlich zum 85. Jubiläum der Spedition am 2. August 2019. Den Polterabend feierten natürlich alle Fahrer mit, obwohl zeitgleich der Truck Grand Prix am Nürburgring stattfand. Als Überraschung begleiteten sie den Braut-Lkw mit einem Korso von zehn Trucks zur Location. Ehrensache.

Eines Tages wird das junge Paar die Spedition übernehmen. Geregelt haben sie da nichts. Brauchen sie auch nicht. Das gegenseitige Vertrauen ist da. „Ich bin ja mit unserer Spedition groß geworden, wir haben nebenan gewohnt. Und mein erstes Taschengeld habe ich mir hier mit acht Jahren mit Ablagearbeiten aufgebessert“, erzählt Daniela. „Wer sagt, Spedition ist dröge, der lügt. In diesem Geschäft passiert so viel, man hat so viel menschlichen Kontakt, das macht einfach Spaß“, schwärmt sie.

Die Spedition Budde befördert mit eigenen Fahrzeugen alles, auch Explosives
© Foto: Eva Hassa/TRUCKER

Ihre erste Tour führte Daniela schon mit Anfang 20 nach Skandinavien – „mein Vater hat zwar gezittert, aber er hat mir vertraut“. Auch heute noch springt die Unternehmerin kurzerhand ein, wenn ein Fahrer ausfällt, und übernimmt so manche Tour. Nicht minder pragmatisch ist ihr Mann Markus, der heute im Betrieb „als Mädchen für alles“ (sagt er von sich selbst) mitmischt. Als gelernter Anlagenmechaniker sattelte er noch zum Berufskraftfahrer um.

Apropos Fahrer-Suche – das ist die große Herausforderung. „Früher half uns die Trucker-Romantik“, erklärt Daniela. „Heute muss man sich deutlich mehr einfallen lassen: Die einen wollen mehr Geld. Da helfen Prämien. Die anderen einen schicken Lkw. Manche brauchen auch den Kontakt zu uns, über Facebook oder Instagram, da engagieren wir uns. Geregelte Arbeitszeiten sind natürlich für alle ein Muss.“ Und was half am besten? „Vielleicht gerade, weil wir so klein sind, sind die Fahrer einfach gerne bei uns. Das ist ja bei uns alles sehr familiär.“


Kurzinterview mit Lkw-Fahrer Bernd Buch

Was macht Ihnen in der Arbeit bei der Budde-Spedition am meisten Spaß?

Ganz klar: die Abwechslung. Ich fahre Nah- und Fernverkehr, Explosivstoffe, Maschinenteile, und ich bin jedes Jahr dabei, wenn wir für die Messe den Transport und die Logistik machen. Das klappt alles toll – trotz Termindruck. Manchmal dürfen wir zwar ein bisschen Problemlöser spielen, aber wir haben uns die Kunden inzwischen gut erzogen (lacht). Wir bekommen immer eine tolle Resonanz von allen. Am liebsten fahre ich aber schwere Maschinenteile und Schwergut, weil das am anspruchsvollsten ist – auch in puncto Ladungssicherung.

Sie kennen das Geschäft. Warum wollen so wenige junge Leute Berufskraftfahrer werden?

Draußen arbeiten ist nicht so ihr Ding. Die meisten wollen am Computer sitzen. Was nachvollziehbar ist. Denn durch die Technik ist heute vieles einfacher. Körperlich arbeiten muss man als Fahrer trotzdem. Plane auf, Plane zu – im strömenden Regen. Das ist nicht schön.

Könnten Spediteure denn etwas besser machen, um an Fahrer zu kommen?

Für mich kann ich nur sagen: Ich fahre lieber für eine kleinere Spedition. Mir ist das Miteinander wichtig. Ich könnte nie bei einem Konzern arbeiten. Und mir ist wichtig, dass ich selbst den Lkw fahren und steuern kann.



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