Auch in Euro 6 weiß der TGL von MAN zu gefallen

Flachmann: Auch mit Euro-6-Motor verharrt die TGL-Kabine tief über dem Boden
© Foto: TRUCKER

Höchst agil absolvierte der MAN TGL als 7,5-Tonner in Euro 6 die Verteilerrunde. Er legt die Latte weiter hoch.


Datum:
07.11.2013
Autor:
Johannes Reichel

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Die nicht ganz ernst gemeinte Suche nach dem Posten "Sportauspuff" in der Preisliste endete ergebnislos: Nein, der TGL klingt immer so sportlich. Was insofern passt, als der leichteste Löwe zackig losschnellt und sich so behände in die erste Steigung unserer Testrunde wirft, als befände er sich auf der Rennstrecke mit Jochen Hahn.

Ist er aber nicht, sondern auf Stadt-Überland-Autobahn-Verteilertour. Und da empfinden wir den "sportiven Sound" auf Dauer doch als unangebracht und etwas nervig. Schade, denn ansonsten gibt der TGL eine Galavorstellung und zeigt aufkommenden Wettbewerbern wie dem erneuerten Atego die Zähne. Klar, der 180-PS-Vierzylinder-Common-Railer, der auch in Euro 6 unverändert 700 Nm Drehmoment mobilisiert, hat mit den 7,5 Tonnen Gewicht leichtes Spiel.

VOR DEN BRÜDERN: GETRIEBE UND MOTOR HARMONIEREN

Doch man traut dem einfach aufgeladenen 4,6-l-Aggregat auch zu, zwölf Tonnen adäquat voranzubringen. Es tritt spontan an, dreht willig hoch und bleibt vibrationsarm wie eine Turbine. Dazu kommt, dass das Sechsgang-Tipmatic-Getriebe rasant und ohne Zögern die Fahrstufen wechselt und prima per Gaspedal steuerbar ist. Anders als beim parallel getesteten, unharmonischen Bruder TGM 18.290 (Test folgt), lässt sich die TGL-Box an Bergen nicht nervös machen. Lange hält sie die Fahrstufe. Einzig am steilsten, aber kurzen Stich unserer Runde sortiert die Tipmatic noch auf "4", obwohl die Kuppe fast genommen ist. Vorausschauen kann das Getriebe eben nicht, ein GPS-Tempomat steht bei MAN nicht auf der Agenda. Dafür absolviert man Ortsdurchfahrten cool im obersten Gang.

Bergab kann sich auch die Motorbremswirkung sehen lassen: Hat man das fummelige Knöpfchen ertastet, bändigt die optionale, 110 kW starke EVB die leichte Fuhre fast ohne Zusteuern der Betriebsstopper. Die packen im Übrigen gleichfalls spontan und kraftvoll zu, neuerdings gesetzesgemäß mit ESP. Neu ist auch der Notbremsassistent, der sich in einer Situation innerorts mit langsam abbiegenden PKW hellwach auf dem Posten zeigte und statt des Fahrers in die Eisen trat.

Eher überaufmerksam agiert dagegen der jetzt auch im TGL erhältliche Spurassistent: Auf der Landstraße identifizierte der in der Windschutzscheibe klobig platzierte Kamerasensor eine Fräskante als Markierung und brummte lautstark Alarm. Überhaupt schlägt das System zu schnell an, sodass man es auf der Landstraße schnell abschaltet.

Viel Gefahr zum Spurabweichen besteht ohnehin nicht, denn die leichtgängige und dennoch sehr exakte Lenkung erlaubt stets einen "sauberen Strich". Flott durcheilt der TGL kurvige Passagen. Rangieren und Manövrieren fällt ebenso leicht, auch wenn MAN anders als Mercedes auf eine Kriechfunktion des Getriebes verzichtet.

Der Federungskomfort geht gleichfalls in Ordnung. Auch von Windgeräuschen bleibt der Fahrer weitgehend verschont, ebenso von Schlägen in der Lenkung. Selbst Autobahnfugen filtert das Fahrwerk ordentlich weg. Dass sportlich nicht durstig bedeuten muss, bewies der TGL mit einem guten Verbrauch: 15,6 l/100 km, damit liegt man auf Euro-5-Niveau, inklusive Adblue, das jetzt leider auch MAN-Verteilerfahrer nachfüllen müssen.

TGLs größtes Pfund im nutzlastsensiblen Segment der leichten Verteiler ist aber, dass er einer der Schlanken bleibt - obwohl er mit Euro-6-Paket 100 Kilo zulegte.

TRUCKER-FAZIT | Gut bleibt auch gut

Der TGL setzt auch in Euro 6 das Maß. Agil, nutzlaststark, geräumig, komfortabel, sparsam. Der kleinste Löwe ist derzeit der ausgeglichenste - etwas laute - Bruder der Familie TG. Mehr (mögliche) Innovation erwartet (und bezahlt) hier keiner.

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