MAN TGS 41.440 8x8: König in der Grube?

Auf weichem, schlammigem Untergrund ist der Einsatz sinnvoll
© Foto: Gregor Soller

Auf den "Traction Days" fuhr MAN das komplette Bauprogramm auf - mit zahlreichen Detailoptimierungen sowie dem Allrad-Vierachser TGS 8x8.


Datum:
03.12.2015
Autor:
Gregor Soller

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Der TGS 41.440 BB 8x8 mit Permanentallrad, schwerem Rahmen, Gelände-ABS, Easy-Start samt Kletterbremse, "teilhochgestellter Abgasanlage" und Steinschlagschutzgitter vorm Kühler gibt im MAN-Programm den "Allrad-König der Löwen".

Wie geschaffen ist der lehmige Boden des Altmühltals für ausgiebiges "Schlammbaden" mit dem Permanentallrad. Er tritt übrigens mit TipMatic an - wenngleich man die Testrunde sinnvollerweise fast ausschließlich manuell fuhr.

Nach heftigen Regengüssen am ersten Tag musste man die Achsen des 8x8 an fast allen schweren Steigungen komplett sperren - danach zog er unbeirrt seine Bahn. Bergab hieß es, am besten den Knopf der Motorbremse zu drücken, die sich den Intarder dazuholt und so auch an steilsten Hängen minimale Geschwindigkeiten ohne Beibremsen realisiert. Wobei hier gleich die erste Kritik fällig wird: Will man Motorbremse und Pritarder stufenweise zuschalten, muss man immer wieder am Lenkstockhebel ziehen. Die Elektronik reagiert darauf nicht immer prompt und so kann die Fuhre (zu) schnell werden. Da wäre stufenweises nach unten Ziehen sinnvoller und gäbe gleichzeitig eine bessere Rückmeldung als der Wippschalter, der immer wieder auf die Ausgangsposition geht.

Dafür schätzt man an Steilhängen umso mehr, dass dem Pritarder schon niedrige Drehzahlen genügen, um ordentliche Verzögerung aufzubauen: Im Maximalfall stemmt er bis zu 600 kW gegen das Gefälle.

OFFROAD BIETET MAN VIELE SPEZIELLE HELFER AN

Vorbildlich gelöst sind die Drehschalter für die Sperren, die der Reihe nach längs, mittig, hinten und vorn quer geschaltet werden. Ebenso "erdreht" man sich das Fahrprogramm in Standard-, Offroad- und manuellen Modus - vorwärts wie rückwärts. Die 4,00er-Achse ergibt im kürzesten Gang eine Minimalgeschwindigkeit von 2,6 km/h. Die Steigfähigkeit bleibt im Geländemodus über die ersten vier Gänge konstant bei 35 Prozent - damit lässt sich arbeiten.

Wird das Gelände leichter, kann man das Schalten dem Offroadmodus der Tipmatic überlassen. Sie hält die Gänge ziemlich zielsicher so lang wie nötig und schaltet bei Bedarf schnell. Im Schubbetrieb schaltet sie nicht überraschend hoch. Da kann man nur sagen: sauber programmiert. Die Tipmatic-Standardstellung lässt sich in ganz leichtem Geläuf oder auf der Straße immer noch (zu) viel Zeit mit dem Schalten.

Fein ist das Gelände-ABS, das ein gewisses Blockieren der Räder zulässt, um sich bei Bergabfahrt "kleine Bremshäufen" vor die Räder zu schieben. Leider spuckt es laut den MAN-Testfahrern gern mal der Kletterbremse in die Suppe, die bei zwei Fahrzeugen mit fünf Versuchen kein einziges Mal funktionierte! Eigentlich sollte sie den eingesteuerten Bremsdruck am Berg halten, das Anfahren per Tastendruck erleichtern und weniger Luft benötigen als die Feststellbremse. Nachdem unsere Autos aber jedes Mal nach hinten abrutschten, zogen wir im Steilhang das klassische "Anfahren per Feststellbremse" vor, was durch die vielen Versuche tatsächlich merklich Luft kostete! Da sammelten wir mit dem ähnlich funktionierenden Hillholder-System "Easy Start", dass den am Pedal eingesteuerten Druck der Betriebsbremse hält, bessere Erfahrungen.

Ansonsten bremst der schwere 8x8 sauber und federt vergleichsweise ordentlich. Weitere Maßstäbe setzt die Lenkung, die sich auch durch grobe Löcher oder Steinbrocken nicht aus der Ruhe bringen lässt und trotzdem eine feine Synthese aus Straff- und Exaktheit findet. So dass man sich - so es gesetzlich erlaubt wäre - ein kleineres Lenkrad wünscht. Die aufgeräumte Armaturentafel erleichtert dem Fahrer den Durchstieg in der Kabine, die auch sonst mit genug Platz und Luftigkeit glänzt. Der seitliche Bautritt punktet mit ordentlicher Stufe und einem soliden Handlauf.

Der vergleichsweise hubraumstarke (12,4 Liter) D26 mit 440 PS reicht für 32 Tonnen in schwerem Gelände vollkommen aus, zumal er schon ab 930 Umdrehungen seine kompletten 2100 Nm Maximaldrehmoment bereitstellt und als "Steher vor dem Herrn" bekannt ist. Entsprechend niedertourig und "samtpfotig" stapft der Münchener Löwe durch den weichen Untergrund, auf dem er auch mit höheren Tonnagen noch einigermaßen entspannt zurechtkommen sollte.

DAS LEERGEWICHT BLEIBT KNAPP UNTER 16 TONNEN

Auch das Leergewicht von 15.850 Kilo geht trotz rund 3770 Kilo schwerer Schmitz MKI 5.8-Kippmulde für 17,7 Kubikmeter Volumen absolut in Ordnung. Womit der TGS auf öffentlichen Straßen im legalen Einsatz immerhin noch etwas mehr tragen darf als er wiegt. In Summe bietet der "Allrad-König der Löwen" solide Anlagen und praxistaugliche Details. Allenfalls beim Getriebe und bei der Software könnte er zur Modellpflege auf der IAA etwas Feinschliff vertragen.

MAN BAUSTELLEN-NEUHEITEN / Erweitertes Programm

MAN stellte zwei Fahrmischer vor: Zum einen eine gewichtsoptimierte Version, die dank neuer 11,5-Tonnen-Hypoidachsen und Stetters Ultra-Eco-Trommel bis zu acht Kubik Beton in einer Neuner-Trommel fahren kann. Das Achsaggregat erlaubt eine Zulassung als N3G-Offroadfahrzeug, was den Unterfahrschutz vorn und damit weiteres Gewicht spart. Hydrodrive bleibt getriebeseitig abgetrieben, erhielt mit Euro 6 aber eine geänderte Verrohrung, die laut Pressesprecher Alwin Berti nun keinerlei Torsion mehr abkönnen muss. Verbaut war die u.a. bei einem weiteren Fahrzeug, einem 38-Tonnen-Mischer mit Nachlauflenkachse für Luxemburg, der vor allem durch Wendigkeit punkten soll. Auf der Bauma wird MAN endlich Hydrodrive und TipMatic kombinieren. Geliefert werden soll diese Version dann ab der nächsten IAA in einem weiter modifizierten Auto - für 2016 hat MAN also noch einiges vor!

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#MAN

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