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Test & Technik: Im Drehzahlkeller

Im Test: Der Scania 540 S
© Foto: Karel Sefrna

Extremer trieb‘s noch keiner! Dank des neuen Getriebes arbeitet der Scania 540 S mit extrem niedrigen Drehzahlen. Wie das funktioniert und sich der Schwede fährt, zeigt die Fahrt über die Testrunde.


Datum:
08.02.2021
Autor:
Jan Burgdorf
Lesezeit: 
5 min
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Da stimmt doch was nicht?“, schießt es dem TRUCKER-Tester beim Blick auf den Drehzahlmesser durch den Kopf. Der nämlich meldet bei Reisetempo 85 km/h beharrlich nur 920 Touren! Das kann doch nicht sein?

Kann es doch und ist ein Verdienst des neuen Getriebes, das Scania neuerdings für die V8- sowie die Reihensechszylinder-Modelle mit 500 oder 540 PS anbietet.

Das neue „Opticruise G33CM“ baut dank seiner Vollaluminium-Bauweise laut Hersteller 60 Kilogramm leichter und kompakter als die Vorgängergeneration. Zudem soll es leiser und mit bis zu 50 Prozent geringerer innerer Reibung arbeiten, wofür beispielsweise polierte Getriebebauteile sorgen sollen. Letzteres lässt sich hinter dem Steuer des 540 S Highline höchstens erahnen, ebenso wie die von Scania versprochenen, nochmals beschleunigten Gangwechsel.

Wo immer möglich, wird der Overdrive aktiviert

Ohne Frage schaltet das neue Getriebe äußerst schnell, doch auch das bisherige Opticruise bot ein hohes Niveau, weshalb subjektiv kaum Unterschiede zwischen neu und alt auszumachen sind. Was aber auffällt, sind die niedrigen Drehzahlen. Eine Folge der neuen Overdrive-Funktion, die in der zwölften Fahrstufe zur Verfügung steht. Ein „Schongang“, den die Steuerungselektronik, wo immer es möglich ist, aktiviert und die Motorumdrehungen damit von 1170/min im zwölften Gang auf momentanverbrauchssenkende 920 Touren im Overdrive reduziert. Dass er gerade im „13. Gang“ unterwegs ist, erkennt der Fahrer durch einen Blick auf den Drehzahlmesser und am OD-Symbol (für Overdrive), das im Zentraldisplay aufleuchtet.

Ebenfalls erwähnenswert: In Verbindung mit dem neuen Getriebe akzeptiert der 12,7 Liter große DC13-Reihensechs­zylinder den extremen Drehzahlkeller spürbar williger. Vibrationen und Brummgeräusche bleiben aus, auch wirkt der Antrieb selbst kurz vor der Leerlaufdrehzahl nicht gestresst. Was die Steuerungselektronik auch ihre letzten Hemmungen über Bord werfen lässt; und zwar auf der Landstraße, wo Opticruise selbst bei 60 km/h ohne zu zögern den Schongang bei dann nur noch 650 Touren (!) verordnet. Hier genügt freilich eine kräftigere Windböe, um das Getriebe wieder vom OD-Modus in den direkt übersetzten zwölften Gang  zurückstufen zu lassen, bei dann 850/min.

(Noch) analoges Cockpit mit bestens zu bedienenden Lenkradtasten
© Foto: Karel Sefrna

Etwas mehr Reserven stehen auf der Autobahn zur Verfügung. Erst wenn der Drehzahlmesser die 900er-Marke unterschreitet, wird an Steigungen in Gang zwölf zurückgestuft, was auch mit unserem voll beladenen Fliegl-Testtrailer auf der Sattelplatte genügend Kräfte für alle Steigungen  der TRUCKER-Testrunde mobilisiert.

Das lässt Raum für weitere Spritspar-Technik in Form der dynamischen Segelfunktion namens „Puls-and-Glide“. Scania schaltet sie neuerdings auch für den „entschärfteren“ Standardmodus des GPS-Tempomaten (-5 Prozent) frei. Ähnlich wie Volvo, MAN und Mercedes-Benz wird hierbei in der Ebene um plus 3 km/h beschleunigt, um die Fuhre anschließend im Eco-Roll entsprechend lange verbrauchsgünstig rollen zu lassen. Anders als die Wettbewerber aktiviert Scania das System aber deutlich sparsamer, nämlich eigentlich nur im Vorfeld von Gefällen mit entsprechend langem Rollpotenzial, wovon die Schweden sich in der Praxis eine höhere Akzeptanz in der Fahrerschaft von Pulse-and-Glide erhoffen – sicherlich keine ganz falsche Denkweise.

Unserer Meinung nach wenig Sorgen um die Akzeptanz muss man sich in Södertälje bei der neuen, nun elektronisch unterstützten Lenkung machen. Diese wurde nötig, um beispielsweise einen aktiv eingreifenden Spurwächter realisieren zu können, den andere Hersteller schon länger im Programm haben. Ähnlich wie bei denen hält die Elektronik den 540 S automatisch in der Spur, der Fahrer muss aber natürlich weiterhin seine Hände am lederbezogenen Volant halten, hat also weiterhin das letzte Wort. Ein wenig Feinabstimmung sollte Scania seinem System allerdings noch gönnen, denn der Assistent pendelt aktuell noch etwas zwischen den Fahrspurmarkierungen rechts und links und fährt (noch) nicht so stoisch geradeaus wie beispielsweise das System des Mercedes-Benz Actros.

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