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Test & Technik: (Um-)gebaut für große Aufgaben

Basis: Mercedes-Benz Zetros 6x6. Nach dem Umbau: Zetros 8x8 mit gelenkter Nachlaufachse und neuen Reifen. Die 22 Tonnen Nutzlast können und wollen in schwerem Gelände transportiert werden
© Foto: Paul Nutzfahrzeuge

Manchmal muss es eben etwas Spezielles sein. Wo handelsübliche Zugmaschinen an ihre Grenzen kommen, laufen diese Kollegen erst warm. Der Umrüster Paul Nutzfahrzeuge und der Hersteller Tatra haben es sich zur Aufgabe gemacht, Lkw für extreme Arbeitsbedingungen zu fertigen.


Datum:
31.03.2021
Autor:
Fabian Faehrmann
Lesezeit: 
4 min
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Auf dem Hof von Paul Nutzfahr­zeuge in Vilshofen bei Passau gibt es alles, nur keine Stangenware. Hier, nahe der Drei-Flüsse-Stadt, werden Standard-Lkw verschiedener Hersteller umgerüstet.

Spezialisiert hat man sich auf Fabrikate von Mercedes-Benz, hin und wieder werden aber auch mal ein Iveco oder ein MAN auseinandergeschraubt. Paul bietet seine Dienste in den Bereichen Um-, Auf- und Neubau an. Die Spezialität des Hauses ist aber die mehrachsige Umrüstung von Serien-Lkw. Ein Rundgang über den Hof:

Insbesondere im Bereich Umbau bietet Paul Nutzfahrzeuge Leistungen an, die sich nicht in jeder Lkw-Werkstatt finden lassen. Ein Beispiel dafür ist die Baureihe Agro Mover, die wahlweise auf einem 4x2- oder 4x4-Fahrgestell basiert.

Der „Neue“ taugt für die Autobahn wie für den Acker

Im Werk von Paul werden die Lkw modifiziert: Die Standardbereifung weicht speziellen Agrar-Gummis, außerdem wird die Hinterachse so umgerüstet, dass sie höhenverstellbar ist. Die Mechaniker montieren dann noch eine neue Hydraulikeinheit mit Lastdruck-Meldesystem, welches via Joystick im Fahrerhaus gesteuert wird. So entsteht langsam, aber sicher ein Schwerlast-Lkw, der sowohl Landmaschinen ziehen und bedienen, aber dank seiner Leistung auch problemlos mit 80 km/h auf der Autobahn fahren kann. Einer für alle Fälle sozusagen.

Auch der Arocs-Betonpumper hat bei Paul eine zusätzliche Achse bekommen
© Foto: Paul Nutzfahrzeuge

Eine weitere Spezialität von Paul ist die sogenannte schmale Breite. Der Umbau ist allerdings den Euro 6-Fahrzeugen aus dem Hause Daimler vorbehalten. Bei Paul werden die Lkw mit Sonderfelgen und speziellen Achskörpern ausgestattet. Außerdem müssen das Fahrerhaus sowie die Anbauteile am Chassis versetzt werden. Am Ende der Modifikation steht ein Lkw mit 2375 Millimetern Breite – also ganze 17,5 Zentimeter weniger als der gesetzliche Maximalwert. Das Ergebnis ist hier am Beispiel eines Econic zu sehen: Eine etwas eigentümliche Form, die dank gelenkter Nachlaufachse auch in der Stadt keine Probleme beim präzisen Manövrieren haben dürfte.

Apropos Achsen: Richtig aufwendig (aber auch schön anzusehen) wird es, wenn es an mehrachsige Sonderkonfigurationen geht. Wie erwähnt, ist das eine der Spezialitäten von Paul Nutzfahrzeuge. Als Beispiel haben wir hier den Umbau eines Mercedes-Benz Arocs zu einem 12x4-Modell gewählt (siehe Foto links). Unschwer zu erkennen: Da wurde viel gemacht! Der komplexe Umbau umfasst Vor- und Nachlaufachsen, ein verlängertes Chassis sowie ein nach vorne versetztes Fahrerhaus. Der Lkw kann in dieser Konfiguration anschließend mit einer schweren Hoch­arbeitsbühne ausgestattet werden.

Die sogenannte schmale Breite, hier am Beispiel eines Mercedes-Benz Econic
© Foto: Paul Nutzfahrzeuge

Wer außergewöhnliche Fahrzeuge sucht, der wird auch bei unseren Nachbarn in Tschechien fündig – und zwar bei Tatra. Das Traditionsunternehmen hat 2020 seinen 170. Geburtstag gefeiert. Mehr Erfahrung geht nicht. Allerdings hat man sich hier nicht sofort auf Lkw spezialisiert. Zur Produktpalette von Tatra gehörten zwischenzeitlich Pkw, Lkw, Schienenfahrzeuge, Flugzeuge, Rennautos und sogar ein Motorschlitten. Ende der 90er hat man dann das Pkw-Geschäft aufgegeben und sich nur noch einer Aufgabe gewidmet: dem Bau von Lkw, die extremes Gelände abkönnen.

Das Paradebeispiel dafür ist die aktuelle Phoenix-Serie: Basis ist der DAF-Motor Paccar Mx. Die Version Nummer 13 bietet maximal 510 PS. Außerdem liefern die Niederländer noch die Kabine ihres CF. Den Rest erledigt Tatra selbst. Im Werk im tschechischen Kopřivnice werden die Lkw dann zusammengebaut – gerne mit Spezialausrüstung, je nach Kundenwunsch.

Der Tatra Phoenix im Einsatz. Gut zu sehen: der steile Sturz der vorderen Räder
© Foto: Jan Burgdorf/Trucker

Mehr Nutzlast dank Zentralrohrrahmen

Allen Autos gemeinsam ist der Zentralrohrrahmen, für den Tatra bekannt ist. Er soll mehrere Vorteile haben: Unter anderem ist das Gestell laut Tatra so steif, dass es keinen Hilfsrahmen braucht. Heißt: mehr Nutzlast für den Kipper. Am Chassis angebracht werden mehrere voneinander unabhängige Halbachsen mit klassischer Luftdämpfung.

Alle Räder sind mit sperrbaren Achs- und Zwischenachs-Differenzialen aus­gestattet. Das Gelände kann kommen, spätestens dann, wenn im Cockpit via Tastendruck der Antrieb auf der Vorderachse aktiviert wird und damit alle Räder für Anschub sorgen. Wenn der Phoenix dann wieder Asphalt unter den Reifen hat, darf die Vorderachse wieder deaktiviert werden. Wie der Allradeinsatz in der Praxis aussieht, lässt sich auf dem Bild erahnen. Egal, wie der Untergrund aussieht, der Tatra rollt Rad für Rad, ein wenig wie ein Tausendfüßler, über das Hindernis. Der Fahrer bekommt davon nur einen Bruchteil mit.

Egal, ob aus dem Hause Paul oder Tatra – diese Lkw sind etwas ganz Besonderes, und viele von ihnen gibt es nur wenige Male auf der Welt. Und mal ganz ehrlich: Wenn so ein 12x12er-Schiff um die Ecke gefahren kommt, verlangt das selbst etablierten Fahrern ein anerkennendes Nicken ab.

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