Gesundheit: Dienst nach Vorschrift

Wer langfristig in einer inneren Abwehrhaltung arbeitet, kann krank werden
© Foto: sylv1rob1/fotolia.com

Jeder siebte Beschäftigte hat die "innere Kündigung" vollzogen und arbeitet ohne Engagement für die Firma. Für beide Seiten eine frustrierende Situation - und sie kann auf Dauer krank machen.


Datum:
05.10.2019
Autor:
Sabine Köstler

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Die Arbeit nach Anweisung erledigen, Geld kassieren, fertig: Es gibt Menschen, die ihre Berufstätigkeit pragmatisch sehen, sei es generell oder weil es nur ein vorübergehender Job ist. Andere Arbeitnehmer sind mit mehr Engagement bei der Sache, erhoffen sich aber auch mehr, zum Beispiel Sinnhaftigkeit ihres Tuns, Wertschätzung, persönliche Entwicklung.

Probleme entstehen jedoch, wenn bestimmte Erwartungen an den Arbeitsplatz dauerhaft unerfüllt bleiben. Die Waage gerät dann ins Ungleichgewicht: Für die Leistung, die der Mitarbeiter erbringt, bekommt er nicht genug zurück - und dabei geht es nicht nur um Geld.

Eine derart unbefriedigende Situation kann Beschäftigte dazu bringen, selbst für Ausgleich zu sorgen, und zwar in Form von reduzierter Arbeitsleistung. So beschreiben die Experten der Initiative Gesundheit und Arbeit iga das Entstehen einer "inneren Kündigung". Die iga ist eine Kooperation verschiedener gesetzlicher Krankenkassen (AOK, BKK, vdek) und der Unfallversicherung. Sie beleuchtet den deutschen Arbeitsmarkt aus gesundheitlicher Sicht. Ein solcher Mitarbeiter, heißt es, distanziere sich im Lauf der Zeit immer mehr von der Firma. Er sei irgendwann nicht nur enttäuscht und unmotiviert, sondern er resigniere und empfinde seine Tätigkeit als sinnlos.

WER FRUSTRIERT IST, DESSEN
LEISTUNGSKRAFT IST GEMINDERT

Das Berliner Beratungsunternehmen Gallup veröffentlicht jedes Jahr den "Engagement Index Deutschland". Danach hatten 2018 in einem durchschnittlichen Unternehmen 14 von 100 Mitarbeitern keine emotionale Bindung zu ihrer Firma. Jeder siebte Mitarbeiter also arbeitet nur (noch) fürs Geld, das sind umgerechnet über fünf Millionen Arbeitnehmer.

Für die Arbeitgeber wie für die Arbeitnehmer ist dies auf Dauer nicht tragbar. Den Unternehmen fehlt die Leistung und Innovationskraft dieser Mitarbeiter. Gallup beziffert die wirtschaftlichen Kosten aufgrund innerer Kündigung für das Jahr 2018 auf eine Summe zwischen 77 und 103 Milliarden Euro. Die Betroffenen haben höhere Fehlzeiten und außerdem wirkt sich ihr Verhalten negativ auf das Betriebsklima aus: Ihnen ist es egal, ob sie zu spät zur Arbeit kommen, ob durch ihr Verhalten Betriebsabläufe gestört werden oder ob Kollegen Mehrarbeit haben.

Wer innerlich gekündigt hat, so die iga, äußert häufig seinen Unmut und beschwert sich, redet aber zugleich weniger mit den Chefs und Kollegen und bringt kaum noch konstruktive Kritik oder Ideen ein. Durch seinen unmotivierten "Dienst nach Vorschrift" und häufige Fehlzeiten gefährdet der Betroffene aber seinen Arbeitsplatz - aus der inneren Kündigung kann so eine konkrete werden.

PROBLEME IM JOB KÖNNEN ZUM
PROBLEM IN DER FAMILIE WERDEN

Zudem "gibt es Hinweise darauf, dass sich bei betroffenen Beschäftigten langfristig gesundheitliche Probleme entwickeln", informiert die Krankenkasse AOK. Dazu zählen Schlaflosigkeit, Herz-Kreislauf-Schwäche oder psychische Probleme.

Frust und Resignation können sich zu einer ernsthaften seelischen Krise auswachsen, zum Rückzug und zu Arbeitsunfähigkeit führen. Zugleich leidet das Privatleben: Machen sich in der Anfangsphase angestaute Emotionen in Form von Aggression Luft, leiden Angehörige und Freunde später dann unter einer erlahmten, resignierten Grundhaltung - keine Familie hält das lange aus.

Wie erkennt man, ob man sich in diesem Zustand der inneren Kündigung befindet? Die iga nennt für die innere Kündigung ganz typische Merkmale:

  • vermindertes Engagement
  • Distanzierung in Gedanken, Emotionen und Verhalten von der Arbeit
  • ist kein vorübergehender Zustand
  • vollzieht sich schrittweise
  • läuft nicht offen, sondern im Stillen ab
  • ist ein bewusster Prozess.

Ähnlich könnte man den "Burnout" beschreiben. Darunter versteht man eine schwere emotionale und körperliche Erschöpfung. Sie wird aber erstens am häufigsten durch chronische Überlastung hervorgerufen und zweitens gibt es einen entscheidenden Unterschied: Der Zustand der "inneren Kündigung" entsteht aus eigenem Betreiben heraus und - hier kommt die gute Nachricht - kann auch aus eigener Kraft heraus rückgängig gemacht werden.

- lesen Sie weiter auf Seite 2 -

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