Reportage: Die Fahrer im Mittelpunkt

Fühlen sich wohl bei IW-Transport: die Fahrer Silke Stein und Thomas Heim
© Foto: Kristian Scheffler/TRUCKER

Silke Stein und Thomas Heim haben ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Seit mehreren Jahren fahren sie Lkw für IW-Transport. Damit zählen sie für ihren Chef zu den wertvollsten Mitarbeitern im Betrieb.


Datum:
08.01.2021
Autor:
John Aukenthaler
Lesezeit: 
5 min

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Die Begeisterung für ihren Job merkt man Silke Stein und Thomas Heim an. Sie sind Berufskraftfahrer beim Leipziger Transportunternehmen IW-Transport. „Am meisten gefällt mir der Umgang mit Menschen, und ich fahre sowieso gerne Lkw“, sagt Silke. Sie war, bevor sie vor zwölf Jahren zum Unternehmen kam, Busfahrerin.

Nachdem ihre Kinder älter waren, hat die heute 48-Jährige ihr Hobby zum Beruf gemacht und ist bei IW-Transport als Lkw-Fahrerin eingestiegen. Ihr Kollege Thomas ist sogar schon seit 26 Jahren dabei. Der 52-Jährige war Maschinist für Fahrbetriebe und Stellwerke, als er sich schließlich für eine Umschulung zum Berufskraftfahrer entschied.


Die Fahrer im Mittelpunkt

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Nach der Wende der Aufbruch in die Selbstständigkeit

Wie seine beiden Mitarbeiter ist auch Firmenchef Immo Warnecke über Umwege zur Transportbranche gekommen. Seine berufliche Laufbahn begann er in der DDR mit einer Ausbildung zum Verkehrskaufmann. Im Fernstudium erlangte er den Abschluss als Diplom-Betriebswirt und wagte sich 1990 – kurz nach der Wende – im Alter von 27 Jahren in die Selbstständigkeit. Sein Tätigkeitsbereich war damals die Abrechnung für private Fuhrbetriebe. „Allerdings begannen immer mehr Unternehmen, das selbst zu organisieren“, erinnert sich der 57-Jährige. 1992 erkundigte sich dann ein Nutzfahrzeughändler telefonisch bei ihm, ob er jemanden kenne, der für den Paketdienst DPD mit Wechselbrücken von Stuttgart nach Leipzig fahren könne. Nachdem ihm kein passendes Unternehmen einfiel, besuchte Warnecke den Paketdienst spontan in Stuttgart, um sich über die genauen Konditionen zu informieren. Danach stand für ihn fest: „Das musst du selber machen.“ Kurzerhand stellte er einen Kraftfahrer ein, der bereits Wechselbrücke fahren konnte, und kaufte sich seinen ersten Lkw.

Inzwischen arbeiten für IW-Transport 103 Mitarbeiter. 98 davon sind Fahrer wie Silke und Thomas, die die Lkw der Marken Scania, MAN sowie Mercedes-Benz lenken. Die restlichen Kollegen arbeiten in der Disposition beziehungsweise Verwaltung.

Historisches Bild: eines der ersten Fahrzeuge des Unternehmens
© Foto: IW-Transport

Bei IW-Transport haben Fahrer seit jeher viel Mitspracherecht

Seinem Personal – insbesondere den Fahrern – schreibt Warnecke einen hohen Stellenwert zu. „Ich war schon immer der Meinung, der Fahrer ist der wichtigste Mann in einem Betrieb. Der verkörpert das Unternehmen beim Kunden. Wenn der nicht funktioniert, und wenn der nicht ordentlich und pünktlich ist, dann kann der Rest noch so gut sein“, sagt Warnecke.

Um diese Wertschätzung auch zu zeigen, haben seine Fahrer seit jeher viele Mitspracherechte, was die Ausstattung ihrer Fahrzeuge betrifft. Extra dafür hat der Unternehmer die Gesellschaft IW-Truckstyling gegründet. Diese beschäftigt sich mit Lkw-Zubehör sowie der Gestaltung von Fahrzeugen und ist aus der Idee heraus entstanden, dass Warnecke seinen Fahrern etwas Besonderes bieten wollte. „Was möglich ist, versuchen wir auch umzusetzen“, sagt der Firmengründer. Zudem plant sein Betrieb aktuell einen Außensportplatz – ein Wunsch einiger Fahrer.

Dass Warnecke sich auch sonst für seine Mitarbeiter einsetzt, berichten die Fahrer. „Wenn wir Probleme haben, können wir eigentlich immer zum Chef kommen, und er versucht dann auch, Lösungen zu finden“, sagt Silke. Das gute Verhältnis des Chefs zu seinen Mitarbeitern dürfte mitverantwortlich dafür sein, dass es im Unternehmen keinen Betriebsrat gibt. „Grundsätzlich kann man den ab fünf Mitarbeitern gründen“, erklärt Warnecke und fügt hinzu: „Das hätte bei uns schon ewig sein können.“ Stattdessen gibt es bei IW-Transport eine Mitarbeitervertretung, die aus sogenannten Fahrer-Teamleitern, dem Speditionsleiter und der kaufmännischen Leitung besteht. Warnecke hofft, dass er in seiner Firma bis zum Ende seines persönlichen beruflichen Schaffens keinen Betriebsrat benötigen wird. Solange seine Mitarbeiter keinen Betriebsrat wollen, ist es für Warnecke ein Zeichen dafür, dass er in der Lage ist, sein „Unternehmen sozial richtig zu organisieren“.

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